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Neurologie

Gehirn-MRT induziert Neglect-ähnliche Raumwahrnehmungsstörungen

17.5.2022

Die Kernspintomografie (MRT) des Gehirns kann, so berichtet jetzt ein Forschungsteam aus Tübingen, bestimmte Gehirnleistungen beeinflussen. So stimuliere das starke Magnetfeld des MRT-Scanners ungewollt das Gleichgewichtsorgan und verzerre so die Raumwahrnehmung bei gesunden Versuchspersonen.

Nach Ende der Untersuchung normalisiert sich die Wahrnehmung wieder. Diese Erkenntnis ist bedeutsam für künftige Studien in den Neurowissenschaften, bei denen unbedingt die verfälschte räumliche Aufmerksamkeit im MRT-Scanner zu berücksichtigen sei, wie die beteiligten Wissenschaftler fordern.
Der Neurobiologe und Erstautor der Tübinger Studie, PD Dr. Axel Lindner, beruhigt: „Untersuchungen im Magnetfeld sind harmlos und schaden nicht der Gesundheit, obwohl manche Personen die Auswirkung des Feldes bemerken, indem ihnen im Scanner leicht schwindelig wird.“ Neue und wichtige Befunde der Studie sind, so Lindner weiter, „dass das Magnetfeld nun auch grundlegend Einfluss auf die Wahrnehmung und damit bestimmte Studienergebnisse hat“. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen beobachtete er, dass sich gesunde Versuchspersonen im MRT plötzlich anders verhielten: Ihre räumliche Aufmerksamkeit driftete zur rechten Seite ab und das Gefühl für die Orientierung des eigenen Körpers im Raum war gestört. „Diese Beobachtungen erinnerten uns stark an Wahrnehmungsstörungen, wie sie nach Schlaganfällen auftreten können. Patienten mit sogenanntem räumlichem Neglect vernachlässigen Reize in einer Seite des Raums. Sie lesen zum Beispiel nur die rechte Hälfte einer Zeitung oder laufen gegen die linke Seite des Türrahmens, weil sie ihn dort übersehen“, erklärt der ebenfalls an der Studie beteiligte Neurologe Prof. Dr. Dr. Hans-Otto Karnath. Möglicherweise kann das beobachtete Phänomen dazu genutzt werden, so überlegt die Gruppe, um Schlaganfallpatienten mit Neglect zu therapieren. In weiteren Schritten soll auch untersucht werden, ob der Effekt bei längeren und mehrfachen MRT-Sitzungen über längere Zeit anhält und ob er bei Erkrankten die Symptome abschwächen kann.

Originalpublikation: Lindner A et al., Elife 2021 Sep 29; 10: e71076, DOI 10.7554/eLife.71076, PMID 34585665

Pressemitteilung Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Oktober 2021

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