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Krankenhaushygiene

Wie wirken probiotische Reinigungsmittel im Krankenhaus?

17.5.2022

Wie Reinigungsmittel, die probiotische Bakterien enthalten, die Bakterienflora in Krankenhäusern verändert, hat ein Forschungsteam aus Jena und Berlin untersucht.

Reinigungsmittel mit probiotischen Bakterien sollen die wesentlichen Probleme herkömmlicher Produkte wie die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen oder die enorme Umweltbelastung vermeiden. Ein Forschungsteam aus Jena und Berlin hat nun den Einfluss solcher Reinigungsregimes im Vergleich zu herkömmlichen desinfizierenden Reinigungsmitteln auf die Menge, Vielfalt und Resistenzen der Bakterien, die auf den Oberflächen von Klinikzimmern zu finden sind, untersucht. Ihr Ergebnis: Bei der Anwendung eines probiotischen Reinigungsmittels kommt es zu signifikanten Veränderungen der Bakterienflora der Krankenzimmer, insbesondere in den Waschbecken. Zudem führt die probiotische Strategie zu einer erhöhten Artenvielfalt und einer Reduktion der Gensequenzen, die Resistenzen gegen Antibiotika vermitteln, während unter Bedingungen der Desinfektionsreinigung die Menge der üblichen Umgebungsmikroben abnimmt.

Die Gruppe beschrieb bereits im vergangenen Jahr, wie die von den Patienten mitgebrachten Bakterien in den Stationszimmern eines Klinikneubaus die Umweltkeime nach und nach verdrängen und sich auf Türklinken, im Waschbecken und auf dem Fußboden ein jeweils typisches Keimspektrum ausbildete. Dabei untersuchte das Team auch das Auftreten von jenen Gensequenzen, die Antibiotikaresistenzen vermitteln. Besonders auf dem Fußboden sammelten sich diese in potenziell resistenten Stämmen an. Im Zuge der jetzt publizierten Folgearbeit analysierte das Team den Einfluss verschiedener Reinigungs- und Desinfektionsmethoden auf die Bakterienflora in Klinikzimmern.

Wiederbesiedlung nach 30 Minuten

„Bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln auf Oberflächen wird zunehmend hinterfragt, ob die desinfizierende Wirkung zeitlich sehr begrenzt sein könnte, und ob sie gegebenenfalls sogar die Verbreitung von Resistenzen begünstigen könnte“, sagt PD Dr. med. Rasmus Leistner vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin zum Hintergrund der Studie. Es gibt Untersuchungen, die eine erneute Besiedelung von Oberflächen bereits eine halbe Stunde nach der desinfizierenden Reinigung nachweisen. Deshalb analysierte das Forschungsteam mit seiner Methodik, ob und wie sich die Bakterienbesiedelung von Türklinke, Fußboden und Waschbecken ändert, wenn das Reinigungsmittel gewechselt wird.

Nacheinander führte es für je 13 Wochen die tägliche Flächenreinigung in neun Zimmern einer neurologischen Station der Charité mit üblichem Desinfektionsmittel, mit Haushaltsreiniger und mit einem probiotischen Reinigungsmittel durch, das mit verschiedenen Stäbchenbakterien angereichert ist. Nach einer sechswöchigen Umstellungszeit nahm das Team dann wöchentlich Abstrichproben von Türklinke, Fußboden und Waschbecken. Auch von den Patienten in den Zimmern wurden Nasen- und Rektalabstriche genommen. Mithilfe von Sequenzierungsverfahren und PCR-Analysen bestimmte das Projektteam die Menge der Bakteriengemeinschaften und deren Artenzusammensetzung.

Deutlich seltener Antibiotikaresistenzen

In Bestätigung der früheren Ergebnisse fand das Team im Waschbecken die größte Bakterienmasse, gefolgt von der Türklinke. Im Vergleich der Reinigungsarten zeigte sich die jeweils ortstypische Umgebungsbesiedelung bei der probiotischen Reinigung jeweils leicht verringert, für das Waschbecken war der Effekt sogar deutlich. Die Auswertung der Mikrobenvielfalt ergab auf der Ebene der Bakterienfamilien zunächst die bereits zuvor gefundenen typischen Verteilungen für die drei Messorte, weitgehend unabhängig von der Art der Reinigung. Bei der Betrachtung der vorkommenden Arten und Stämme wurden aber Unterschiede deutlich: Im Vergleich zur probiotischen Reinigung führte die Desinfektion auf den untersuchten Oberflächen zu einer deutlich geringeren Mikrobenvielfalt. „Wir beobachten in den Krankenzimmern eine signifikante Verschiebung der Umgebungsmikrobiota nach Anwendung einer probiotischen Reinigungsstrategie. Die daraus resultierenden Strukturen der mikrobiellen Ökosysteme sind komplexer und stabiler“, so Erstautor Dr. rer. nat. Tilman Klassert (Jena). Das Patientenscreening belegte, dass dieser Effekt tatsächlich von den Putzregimes herrühren musste.

Das Studienteam erfasste in den Proben auch zwölf Gensequenzen, die eine Resistenz gegen Antibiotika vermitteln. Durch die probiotische Reinigung traten Mikroben mit solchen Genen im Waschbecken deutlich seltener auf. Die Jenaer Arbeitsgruppenleiterin Prof. Dr. med. Hortense Slevogt: „Der interessanteste Effekt, den das probiotische Reinigungsregime bewirkte, war eine signifikante Reduktion insbesondere jener Antibiotikaresistenzgene, die in den multiresistenten MRSA-Bakterien gefunden werden.“

Mit seinen Ergebnissen kann das Forschungsteam erstmals den positiven Effekt eines probiotischen Reinigungsregimes in einer realen klinischen Umgebung quantitativ belegen. Damit stützt es den Ansatz, dass der gezielte Einsatz von für den Menschen unbedenklichen Bakterien eine stabile Mikrobenvielfalt fördert und einer bevorzugten Besiedelung mit gefährlichen Krankheitserregern entgegenwirken kann. „Die Ergebnisse unserer Studie sind vielversprechend und sollten nun in randomisierten klinischen Studien validiert werden“, verweist Prof. Dr. med. Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité, auf weiteren Forschungsbedarf.

Pressemitteilung des Universitätsklinikums Jena, April 2022
Klassert TE et al., Clin Microbiol Infect 2022 Mar 7: S1198-743X(22)00109-4, DOI 10.1016/j.cmi.2022.02.032, PMID 35272014

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