Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICIs) haben die Behandlung zahlreicher Krebsarten, auch metastasierter und vormals inoperabler Tumoren, grundlegend verändert. Trotz anhaltender Remissionen und hoher Wirksamkeit bei bestimmten Entitäten kommt es jedoch bei vielen Patienten und Patientinnen nach anfänglich gutem Ansprechen zu Rückfällen infolge erworbener Resistenzen.
Neue Therapieansätze, darunter die Blockierung des Resistenzfaktors GDF-15, mRNA-basierte Immunstrategien und die gezielte Hemmung des Checkpoints VISTA, beruhen auf klar nachvollziehbaren biologischen Mechanismen und zeigen in frühen klinischen Studien Anzeichen eines erneuten Therapieansprechens bei stark vorbehandelten Personen – wie jetzt bei dem ESMO-Kongress deutlich wurde.
Die Resistenz gegen ICIs bleibt trotz erheblicher Fortschritte eine der größten Herausforderungen der modernen Onkologie. Eine Re-Challenge mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren nach vorangegangener Therapie führt laut einer aktuellen systematischen Übersichtsarbeit (Cancer Med. 2024;13:e70324) nur selten zu relevanten Erfolgen (objektive Ansprechrate 19,4 %, Krankheitskontrolle 54,8 %). Umso interessanter sind Strategien, die gezielt in Resistenzmechanismen eingreifen und eine Wiederherstellung der Immunantwort ermöglichen sollen.
Blockierung des Wachstums- und Differenzierungsfaktors 15
Ein Beispiel ist die Blockierung des Wachstums- und Differenzierungsfaktors 15 (GDF-15), der die Infiltration von T-Zellen in das Tumormikromilieu hemmt und damit zur ICI-Resistenz beiträgt. In der ersten klinischen Studie mit dem neutralisierenden Anti-GDF-15-Antikörper Visugromab (GDFATHER-01, Phase I/IIa) zeigten Personen mit fortgeschrittenen, gegenüber Anti-PD-(L)1 refraktären Tumoren in Kombination mit Nivolumab ein tiefes und anhaltendes Ansprechen (Nature 2025;637:1218-1227). Eine beim ESMO-Kongress präsentierte Langzeit-Follow-up-Analyse an 77 stark vorbehandelten Patienten mit NSCLC, Urothel- und hepatozellulärem Karzinom berichtete über ein bestätigtes komplettes oder metabolisches Ansprechen bei 61,5 % (8 von 13 Patienten) (Abstract 1513O). Angesichts der kleinen Kohorte sind die Daten explorativ, aber bemerkenswert: Die mediane Ansprechdauer betrug 32,2 Monate bei NSCLC, 28,8 bei UC und 19,4 bei HCC.
mRNA-basierte Therapie mRNA-4359
Auch die mRNA-basierte Therapie mRNA-4359, die Sequenzen für PD-L1 und IDO1 kodiert, soll eine T-Zell-Antwort gegen Tumor- und immunsuppressive Zellen auslösen. Beim ESMO-Kongress wurden Ergebnisse einer Kohorte von Patienten bzw. Patientinnen mit rezidiviert-refraktärem Melanom vorgestellt, die nach mehreren ICI-Linien mit mRNA-4359 plus Pembrolizumab behandelt wurden (Abstract 1515MO). Die Behandlung zeigte ein günstiges Sicherheitsprofil (überwiegend Nebenwirkungen Grad 1/2) und ein Ansprechen bei 67 % (6 von 9 Patienten) – bemerkenswert, da alle Responder vor Behandlungsbeginn einen PD-L1-Tumoranteil von ≤ 1 % aufwiesen. Obwohl die Patientenzahl klein und der PD-L1-Status als Biomarker limitiert ist, deutet der Befund auf eine mögliche Reaktivierung der Immunantwort selbst bei PD-L1-niedriger Expression hin.
Hemmung von VISTA
Ein dritter Ansatz ist die Hemmung von VISTA (V-Domains Immunoglobulin Suppressor of T-cell Activation), einem inhibitorischen T-Zell-Checkpoint, der zur ICI-Resistenz beitragen kann. In einer frühen Studie mit dem selektiven Antikörper Solnerstotug plus Cemiplimab zeigte sich bei 35 Patienten und Patientinnen mit fortgeschrittenen soliden Tumoren eine objektive Ansprechrate von 14 % (1 CR, 4 PR) (Abstract 1521MO). Nach 6 Monaten lag die progressionsfreie Überlebensrate bei 37 %, ohne therapiebedingte Abbrüche. Die Abwesenheit dosislimitierender Nebenwirkungen wie Zytokin-Freisetzungssyndrom, die bei anderen Anti-VISTA-Antikörpern beobachtet wurden (Nat Commun 2024;15:2917), ist ein zusätzlicher Hinweis auf ein günstiges Sicherheitsprofil.
Insgesamt deuten die präsentierten Daten darauf hin, dass die frühe Forschung bei ICI-resistenten Tumoren in die richtige Richtung geht. Jede der drei Strategien ist biologisch plausibel begründet und zeigt erste Signale für klinischen Nutzen – bei guter Verträglichkeit und besserem Outcome, als es von einer erneuten ICI-Monotherapie zu erwarten wäre. Damit eröffnen sich neue Optionen für eine längerfristige Krankheitskontrolle bei Patienten und Patientinnen mit erschöpften Therapiealternativen.
Pressemitteilung „Novel strategies to overcome resistance to immune checkpoint inhibitors show promise in early studies“. ESMO daily Reporter, 20.10.2025 (https://dailyreporter.esmo.org/esmo-congress-2025/immunotherapy/novel-strategies-to-overcome-resistance-to-immune-checkpoint-inhibitors-show-promise-in-early-studies). Im Rahmen des ESMO-Kongress 2025, Berlin, 17.-20.10.2025.