In einer prospektiven, randomisierten kontrollierten Studie an der Universitätsklinik Heidelberg wurde untersucht, ob die Ergänzung der standardmäßigen Physiotherapie durch neuromuskuläre elektrische Stimulation (NMES) bei hospitalisierten Patienten bzw. Patientinnen mit schwerer Herzinsuffizienz sicher ist und die funktionelle Leistungsfähigkeit verbessert. Die Ergebnisse liefern Evidenz dafür, dass NMES als additive, sichere Intervention bei schwer kranken, hospitalisierten Herzinsuffizienzpatienten die funktionelle Verbesserung unterstützen kann, insbesondere bei Personen mit sehr eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit.
Eingeschlossen wurden 30 erwachsene Personen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz oder innerhalb von 6 Monaten nach Herztransplantation; darunter waren auch Träger von implantierten Kardioverter-Defibrillatoren, Schrittmachern oder linksventrikulären Assist-Systemen (LVAD). Die Patienten und Patientinnen wurden randomisiert entweder der Kontrollgruppe mit ausschließlicher Physiotherapie oder der Interventionsgruppe zugeteilt, die zusätzlich über 2 Wochen täglich eine 1-stündige NMES der Beinmuskulatur erhielt.
Die Sicherheitsanalyse zeigte, dass NMES auch bei Personen mit elektronischen Herzimplantaten sicher anwendbar ist. Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf, insbesondere keine hämodynamische Instabilität, keine Arrhythmien und keine elektromagnetischen Interferenzen mit implantierten Systemen. Ebenso zeigten sich keine signifikanten Veränderungen der LVAD-Parameter oder der Kreatinkinase-Spiegel. Die zusätzliche Stimulation wurde von den Patienten und Patientinnen gut toleriert.
Die funktionelle Leistungsfähigkeit wurde primär anhand eines zusammengesetzten StimFIT5-Scores erfasst, der aus 5 Einzeltests, darunter dem 6-Minuten-Gehtest und dem Sit-to-Stand-Test, gebildet wurde. Beide Gruppen zeigten signifikante Verbesserungen dieses Scores nach 2 Wochen, jedoch war der Zuwachs in der NMES-Gruppe signifikant größer. Eine Subgruppenanalyse machte deutlich, dass Personen mit niedriger Ausgangsleistung von der zusätzlichen NMES besonders profitierten; sie zeigten eine prozentual stärkere Verbesserung als Menschen mit höherer Baseline-Funktion. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Therapieansprechen wurden nicht beobachtet; sowohl weibliche als auch männliche Patienten verbesserten sich in allen funktionellen Parametern in vergleichbarem Ausmaß.
Die depressive Symptomatik, erfasst mittels PHQ-9, verringerte sich in beiden Gruppen, ohne dass ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden konnte.
Die Ergebnisse liefern damit Evidenz dafür, dass NMES als additive, sichere Intervention bei schwer kranken, hospitalisierten Herzinsuffizienzpatienten die funktionelle Verbesserung unterstützen kann, insbesondere bei Patienten und Patientinnen mit sehr eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit. Die Aussagekraft der Ergebnisse wird durch die geringe Fallzahl, das Fehlen einer Verblindung sowie die heterogene Dauer der Krankenhausaufenthalte vor Studieneinschluss limitiert. Zudem bedarf der verwendete zusammengesetzte StimFIT5-Score einer weiteren Validierung.
Zusatzinfo: In der klinischen Praxis werden für neuromuskuläre elektrische Stimulation in der Rehabilitation typischerweise elektrostimulative Therapiesysteme mit auf der Haut aufgebrachten Oberflächenelektroden eingesetzt, die programmierbare Stimulationsparameter bieten. Solche Systeme kommen auch in kardiologischer Rehabilitation zur Anwendung (z. B. professionelle NMES-Stimulatoren mit einstellbarer Frequenz und Intensität).
Betz et al.: Improved performance after neuromuscular electrical stimulation in hospitalized patients with severe heart failure Open Access. ESC Heart Failure. 2026 Jan 19; xvaf042 (DOI 10.1093/eschf/xvaf042, Volltext frei verfügbar).