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Gewichtszyklus

Jojo-Effekt weniger schädlich als oft vermutet

4.8.2026

Gewichtsreduktion mit anschließender Wiederzunahme („Weight Cycling“, Jojo-Effekt) ist bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas eher die Regel als die Ausnahme. Eine aktuelle, als „Personal View“ veröffentlichte Analyse stellt nun eine weit verbreitete Annahme infrage: Dass wiederholtes Ab- und Zunehmen des Körpergewichts selbst gesundheitliche Schäden verursacht.

Die Autoren und Autorinnen aus Dänemark und Deutschland werteten Daten aus Beobachtungsstudien, Interventionsstudien und Tierexperimenten aus. Ihr Fazit: Für einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Weight Cycling und langfristigen Verschlechterungen von Körpergewicht, Körperzusammensetzung, Ruheumsatz oder Glukosestoffwechsel gibt es bislang keine überzeugenden Belege. Vielmehr sprechen zahlreiche Befunde dafür, dass beobachtete Zusammenhänge häufig durch andere Faktoren erklärt werden können – etwa ein höheres Ausgangsgewicht, eine längere Adipositasdauer, Alterungsprozesse, Grunderkrankungen oder unbeabsichtigten Gewichtsverlust.

Besondere Bedeutung messen die Autoren und Autorinnen der Unterscheidung zwischen intentionalem und unbeabsichtigten Gewichtsverlust bei. Beobachtungsdaten zeigen, dass unbeabsichtigter Gewichtsverlust – beispielsweise im Zusammenhang mit kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs oder Gebrechlichkeit – mit einer erhöhten Mortalität assoziiert sein kann. Für intentionalen Gewichtsverlust finden sich dagegen keine Hinweise auf eine erhöhte Sterblichkeit; vielmehr wird in mehreren Analysen sogar eine Reduktion des Mortalitätsrisikos beschrieben.

Keine Sorge vor Jojo-Effekt

Für die hausärztliche Praxis ergibt sich daraus eine wichtige Botschaft: Patientinnen und Patienten sollten nicht aus Sorge vor einem vermeintlich schädlichen Jojo-Effekt von erneuten Gewichtsreduktionsversuchen abgehalten werden. Die Autoren und Autorinnen argumentieren, dass Phasen geringeren Körpergewichts und verbesserter metabolischer Parameter – etwa bei Blutdruck, Lipidprofil oder Glukosekontrolle – wahrscheinlich mehr Nutzen als Schaden bringen, selbst wenn später wieder Gewicht zugenommen wird.

Zwar gehen viele der erreichten metabolischen Verbesserungen mit der Gewichtszunahme teilweise wieder verloren. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Betroffene anschließend schlechter dastehen als vor dem ursprünglichen Gewichtsverlust. Die langfristigen Risiken scheinen vielmehr vor allem mit dem Ausmaß und der Dauer der Adipositas verbunden zu sein als mit der Anzahl erfolgloser Diätversuche.

Für die Beratung im Praxisalltag lassen sich daraus pragmatische Konsequenzen ableiten: Realistische Gewichtsziele, eine ausreichende Proteinzufuhr und regelmäßige körperliche Aktivität können helfen, Muskelmasse während der Gewichtsreduktion zu erhalten. Gleichzeitig spricht die aktuelle Evidenz dafür, dass spätere Gewichtszunahmen zwar häufig und für Betroffene frustrierend sind, nach heutigem Kenntnisstand jedoch keinen eigenständigen Risikofaktor darstellen.

Magkos F et al.: Is weight cycling clinically harmful? Lancet Diabetes Endocrinol. 2026 May 14:S2213-8587(26)00037-9 (DOI 10.1016/S2213-8587(26)00037-9).

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