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Gesunde Ernährung

Klima- und Veggie-Newsletter reduzieren Fleischverzehr

27.1.2026

Newsletter zu den Themen Klimaschutz und vegetarische Küche können den Fleischkonsum dauerhaft reduzieren. Allerdings nur bei Menschen, die bereits wenig Fleisch essen. Das zeigt eine neue Studie des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung mit 1.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über einen Zeitraum von 14 Monaten. Wer tendentiell mehr Fleisch isst, ändert seine Gewohnheiten hingegen nicht.

Menschen, die wenig Fleisch verzehrten (unter 3,5 kg monatlich), reduzierten ihren Konsum während der Studienzeit deutlich. Ihr durchschnittlicher Verzehr lag bei 2 Kilogramm pro Monat. Diese Menge senkten sie um 0,5 bis 0,75 Kilogramm – also um ein Viertel bis über ein Drittel. Starke Fleischesser mit über 3,5 kg pro Monat änderten ihre Essgewohnheiten kaum, manche verzehrten sogar mehr Fleisch.

„Das ist zunächst kontraintuitiv“, sagt RWI-Umweltökonom Manuel Frondel. „Zu erwarten war, dass Informationen dort wirken, wo das Wissen noch gering ist. Tatsächlich verstärken sie bestehende Tendenzen oder haben überhaupt keine Auswirkungen.“

Langzeiteffekte dokumentiert

Im Gegensatz zu früheren Kurzzeitstudien beobachtete das RWI die Teilnehmenden 14 Monate lang. Der Versuchsaufbau war zweigeteilt: Zunächst erhielten die Personen vier Monate lang alle zwei Wochen einen Newsletter mit insgesamt acht Ausgaben, die entweder Klimainformationen oder vegetarische Rezepte enthielten. Anschließend beobachteten die Forscherinnen und Forscher, wie sich der Fleischkonsum ohne weitere Interventionen entwickelte.

„Die Intervention wirkte dort, wo der Fleischkonsum ohnehin schon niedrig war“, erklärt RWI-Ökonomin Jana Eßer. „Offenbar bringen Menschen mit wenig Fleischkonsum Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale mit, die sie für solche Botschaften empfänglich machen.“ Noch überraschender sei ein anderer Befund: „In den meisten Studien verpufft der Effekt von Verhaltensinterventionen schnell wieder. Bei uns verstärkte er sich sogar über die Zeit.“

Klimawirkung gering

Die gemessene Reduktion von durchschnittlich 0,17 Kilogramm Fleisch pro Person und Monat spart etwa 10 Kilogramm CO₂ pro Jahr. Das entspricht 0,1 % der deutschen Pro-Kopf-Emissionen. „Newsletter sind kein effektives Klimaschutzinstrument“, bilanziert Frondel. „Wenn die Gesellschaft den durch Ernährung verursachten CO₂-Ausstoß reduzieren möchte, wäre es sinnvoll, den Sektor Landwirtschaft in das Europäische Emissionshandelssystem zu integrieren. Der Emissionshandel hat sich in anderen Bereichen bereits bewährt und lässt den Verbrauchern die Wahl.“

Neue Erkenntnisse für Ernährungspolitik

„Um den Fleischkonsum zu reduzieren, reicht es nicht aus, lediglich die Vorteile der vegetarischen Ernährung zu betonen“, schlussfolgert Umweltökonomin Daniela Flörchinger. „Informationskampagnen erreichen vor allem Menschen, die bereits aufgeschlossen sind. Für Menschen mit hohem Fleischkonsum braucht es andere Ansätze.“

Hintergrund: Eine deutliche Reduktion des Fleischkonsums ist medizinisch gut belegt mit günstigen Effekten auf zentrale Gesundheitsparameter: Sie senkt LDL-Cholesterin und Blutdruck, reduziert das Risiko für koronare Ereignisse und verbessert das metabolische Risikoprofil. Beobachtungs- und Interventionsstudien zeigen außerdem ein geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes sowie eine moderate Abnahme des Körpergewichts, insbesondere bei pflanzenbetonter Kost. Der Verzicht auf rotes und verarbeitetes Fleisch reduziert nachweislich das Risiko für kolorektale Karzinome. Insgesamt führt geringerer Fleischverzehr häufig zu niedrigeren Entzündungsmarkern wie CRP und zu einer messbaren Verbesserung kardiovaskulärer und metabolischer Outcomes.

Pressemitteilung „RWI-Studie: Informationskampagnen reduzieren Fleischkonsum dauerhaft – aber nicht bei allen Konsumenten“. RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Essen, 21.11.2025 (https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/pressemitteilungen/detail/rwi-studie-informationskampagnen-reduzieren-fleischkonsum-dauerhaft-aber-nicht-bei-allen-konsumenten).
* Eßer J et al.: „Long-Run Effects of Behavioral Interventions: Experimental Evidence on Meat Consumption“. Ruhr Economic Paper #1180, 2025 (DOI 10.4419/96973365).

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