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Fluorid im Trinkwasser

Keine Hinweise auf negative Effekte bei Neugeborenen

23.3.2026

Fluorid wird weltweit zur Kariesprävention eingesetzt – etwa in Zahnpflegeprodukten, Speisesalz oder, in einigen Ländern, im Trinkwasser. Besonders dort, wo Fluorid dem Trinkwasser zugesetzt wird, werden jedoch immer wieder gesundheitliche Bedenken geäußert. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Basel hat Daten von über 11 Millionen Geburten ausgewertet und kommt zu dem klaren Ergebnis: Es gibt keine Hinweise auf negative Effekte bei Neugeborenen.

Fluorid schützt die Zähne, indem es den Zahnschmelz stärkt, beginnende Schäden repariert und so Karies vorbeugt. Neben Zahnpasta und Mundspülungen wird Fluorid auch gezielt eingesetzt, um die Zahngesundheit in der gesamten Bevölkerung zu verbessern – insbesondere bei Kindern aus einkommensschwächeren Familien. In der Schweiz geschieht dies seit den 1980er-Jahren vor allem durch die Zugabe von Fluorid zu Speisesalz. In den USA hingegen wird Fluorid seit dem Ende der 1940er-Jahre dem Trinkwasser zugesetzt. Die Einführung erfolgte schrittweise auf Gemeindeebene und erreicht heute mehr als 60 % der Bevölkerung.

Daten von 11,5 Millionen Geburten

Diese Praxis steht immer wieder in der Kritik. Befürchtet werden etwa mögliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Neugeborenen, die sich in einem geringeren Geburtsgewicht oder einem erhöhten Risiko für Frühgeburten äußern könnte. Ein internationales Forschungsteam hat deshalb untersucht, ob die Aufnahme von Fluorid über das Trinkwasser solche Effekte haben könnte. Grundlage der Analyse bildeten die Daten von rund 11,5 Millionen Geburten in den USA über einen Zeitraum von 21 Jahren.

Das Ergebnis ist eindeutig: „Wir konnten keine negativen Effekte feststellen“, sagt Dr. Benjamin Krebs, Erstautor der Studie, die im Fachjournal „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurde. Weder das durchschnittliche Geburtsgewicht noch die Dauer der Schwangerschaft oder das Risiko für Frühgeburten unterschieden sich messbar im Vergleich der Entwicklung vor und nach der Einführung gegenüber Regionen, die keine Fluoridierung einführten.

Kritik an Trinkwasser-Fluoridisierung auch vom US-Gesundheitsminister

Immer wieder sorgten Studien für Aufsehen, die Fluorid als schädlich bezeichneten. „Dabei ist es aber wichtig zu verstehen, was Studien tatsächlich messen und vergleichen. Oft zeigen diese lediglich, dass bestimmte Effekte gemeinsam auftraten. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass das Fluorid die Ursache war – andere Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen“, so der Ökonom.

Geburtsgewicht als etablierter Gesundheitsindikator

Für ihre Analyse werteten die Forschenden Daten aus über 670 sogenannten Counties in den USA aus, die zwischen 1968 und 1988 erhoben wurden. Sie verglichen Geburten vor und nach der Einführung von Fluorid im Trinkwasser und setzten diese Entwicklung in Beziehung zu Regionen ohne Einführung, um regionale Unterschiede sowie allgemeine zeitliche Entwicklungen ausschließen zu können.

„Das Geburtsgewicht gilt als anerkannter Indikator für die Gesundheit von Neugeborenen“, erklärt Krebs. „Es eignet sich besonders gut, um mögliche Effekte während der Schwangerschaft zu untersuchen. Auch, weil wir genau wissen, wie lange die ungeborenen Kinder dem Fluorid ausgesetzt waren.“ Mit ihren Ergebnissen stützen die Forschenden die Empfehlungen der Behörden zur Unterstützung der Kariesprävention.

Übersicht: Staatliche Trinkwasserfluoridierung in Europa (Stand 2023/24)

In Europa wird das Trinkwasser nur in sehr wenigen Ländern staatlich mit Fluorid versetzt. Aktive, staatlich organisierte Programme zur Trinkwasserfluoridierung zur Kariesprävention bestehen derzeit (2023/24) nur in folgenden Ländern:

  • Irland - Landesweites, obligatorisches Programm seit den 1960er Jahren. Irland ist das einzige europäische Land mit einer national verpflichtenden Trinkwasserfluoridierung; rund 70-71 % der Bevölkerung erhalten fluoridiertes Leitungswasser.
  • Vereinigtes Königreich (UK) - Regionale Programme, vor allem in Teilen Englands. Etwa 10 % der britischen Gesamtbevölkerung (ca. 5,8 Millionen Menschen) werden mit Fluorid im Trinkwasser versorgt. Die Wasserversorger fluoridieren auf Grundlage regionaler Gesundheitsbeschlüsse (z.B. in West Midlands, Nordost-England u.a.), während Schottland, Wales und Nordirland derzeit keine Fluoridierung durchführen.
  • Spanien - In einigen Regionen Spaniens wird das Trinkwasser fluoridiert. Insgesamt erhalten etwa 10 % der spanischen Bevölkerung (rund 4,25 Millionen Menschen) fluoridiertes Trinkwasser. (Die Fluoridierung beschränkt sich auf bestimmte autonome Gemeinschaften/Städte; Spanien hat kein landesweites Programm.)
  • Deutschland - Keine Trinkwasserfluoridierung. In Deutschland gibt es kein staatliches Programm zur Fluoridierung von Trinkwasser. Stattdessen wird zur Kariesprophylaxe auf alternative Maßnahmen gesetzt, insbesondere die Salzfluoridierung: seit 1991 ist fluoridiertes Speisesalz erlaubt und heute trägt fluoridiertes Kochsalz (310 ppm F⁻) erheblich zur Kariesprävention bei (Marktanteil ca. 60 % bei Haushaltsspeisesalz).
  • Schweiz - Keine laufende Trinkwasserfluoridierung seit 2003. Die einzige Schweizer Wasserversorgung mit Fluoridierung war die Stadt Basel (1962–2003); dieses regionale Programm wurde beendet. Seither setzt die Schweiz - wie schon zuvor im übrigen Land - auf Salzfluoridierung (seit 1955; derzeit ~85 % des Haushaltssalzes fluoridiert) als Kariesprophylaxe.
  • Andere europäische Länder verfügen aktuell über kein aktives Trinkwasserfluoridierungs-Programm.

Pressemitteilung „Fluorid im Trinkwasser: Keine Hinweise auf negative Effekte bei Neugeborenen“. Universität Basel, 21.1.2026 (https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Fluorid-im-Trinkwasser-Keine-Hinweise-auf-negative-Effekte-bei-Neugeborenen.html).

* Krebs B et al.: Community Water Fluoridation and Birth Outcomes. JAMA Netw Open. 2026 Jan 2;9(1):e2554686 (DO 10.1001/jamanetworkopen.2025.54686).

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