In einer Sekundäranalyse eines randomisierten Freiburger Pilottrials mit 48 gesunden Erwachsenen zeigen sich nach vier Wochen isokalorischer Ernährungsumstellung erste Veränderungen im DNA-Methylierungsmuster. Untersucht wurde damit, ob die Ernährungsweise chemische Markierungen an der DNA verändert, die an der Regulation von Genen beteiligt sind.
Nach einwöchiger einheitlicher Baseline-Kost wurden 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für vier Wochen auf eine strikt vegane, 24 auf eine fleischreiche Kost (>150 g/Tag) randomisiert; die Energiezufuhr sollte mit 1.800–2.000 kcal/Tag konstant bleiben. Analysiert wurden mehr als 800.000 Stellen im Erbgut. Unter veganer Kost fanden sich Methylierungsmuster, die unter anderem Gene des mTOR-, AMPK-, Insulin- und Apoptose-Signalwegs betrafen. Die Autoren und Autorinnen interpretieren sie als mögliche Hinweise auf eine Dämpfung von Zellwachstumssignalen sowie eine Aktivierung von Stoffwechsel-, Reparatur- und Stressantwortwegen. Ob die betreffenden Gene tatsächlich stärker oder schwächer aktiv waren, wurde jedoch nicht gemessen.
Auch bei der aus den Methylierungsdaten geschätzten Zusammensetzung der weißen Blutkörperchen zeigten sich Unterschiede: Nach vier Wochen fanden sich in der Vegangruppe weniger neutrophile Granulozyten und mehr CD4+-T-Zellen als unter fleischreicher Kost. Der Rückgang der Neutrophilen innerhalb der Vegangruppe war allerdings nicht signifikant. Widersprüchlich waren die sogenannten epigenetischen Uhren, die aus DNA-Methylierungsmustern das biologische Alter abschätzen sollen: Zwei gesundheitsbezogene Verfahren deuteten tendenziell auf eine günstigere Entwicklung unter veganer Kost, eine andere Uhr zeigte dagegen in die entgegengesetzte Richtung.
Entscheidend für die Einordnung: Bei mehr als 800.000 untersuchten DNA-Stellen entstehen schon rein statistisch zahlreiche Zufallstreffer. Nach der dafür notwendigen Korrektur blieb keine einzelne unterschiedlich methylierte Position statistisch signifikant. Wesentliche weitere Analysen beruhen daher auf nicht korrigierten p-Werten. Hinzu kommen die kleine Stichprobe, die kurze Studiendauer und junge, überwiegend weibliche gesunde Teilnehmer. Die Studie liefert damit interessante Hypothesen zu möglichen epigenetischen Effekten einer veganen Ernährung – einen gesundheitlichen Vorteil oder gar einen „Anti-Aging“-Effekt belegt sie nicht. rb
Pressemitteilung: „Vier Wochen vegane Ernährung verändern Entzündungs- und Alterungssignale“. Universitätsklinikum Freiburg, 27.8.2026 (https://www.uniklinik-freiburg.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/6938-vier-wochen-vegane-ernaehrung-veraendern-entzuendungs-und-alterungssignale.html).
* Karbacher L et al.: A Vegan Diet Epigenetically Modulates Inflammatory Pathways and Biological Aging: Genome-Wide DNA Methylation Analysis of a One-Month Isocaloric Vegan Versus Meat-Rich Dietary Intervention. MedComm (2020). 2026 Aug 3;7(8):e70899 (DOI 10.1002/mco2.70899).