Auf Basis des VISION-Netzwerks, das elektronische Gesundheitsdaten aus 253 Notaufnahmen und Akutversorgungszentren sowie 179 Krankenhäusern in sieben US-Bundesstaaten verknüpft, legt eine Studie erste Wirksamkeitsdaten aus der laufenden Saison vor. Die Analyse umfasst knapp 86000 ambulante Notfallkonsultationen sowie mehr als 26000 Krankenhausfälle bei immunkompetenten Erwachsenen mit COVID-19-ähnlichen Symptomen und bestätigt den klinischen Nutzen der aktualisierten Vakzine – auch vor dem Hintergrund einer hohen infektions- und impfbedingten Grundimmunität in der Bevölkerung.
Die Auswertung zeigt, dass Geimpfte im Vergleich zu Ungeimpften ein um rund 50 % geringeres Risiko für einen COVID-19-bedingten Besuch in einer Notaufnahme oder Akutpraxis aufwiesen. Die geschätzte Impfstoffwirksamkeit betrug 50 % (95%-KI 42–57). Noch deutlicher fiel der Schutz vor einer Krankenhauseinweisung aus: Hier lag die adjustierte Impfstoffwirksamkeit bei 55 % (95%-KI 41–66). Bei den über 65-Jährigen, die die höchste hospitalisierungsbezogene Krankheitslast tragen, betrug die Wirksamkeit gegen Notfallkonsultationen 48 % (95%-KI 37–56) und gegen stationäre Aufnahmen 53 % (95%-KI 37–65). Die mediane Zeitspanne zwischen Impfung und Studienereignis lag bei beiden Endpunkten bei 46 bis 48 Tagen.
Die Studie bestätigt damit, dass die auf die JN.1-Linie und ihre Subvarianten abgestimmten Impfstoffe einen zusätzlichen Schutz über die bereits bestehende Immunität durch frühere Infektionen oder Impfungen hinaus bieten. Dies ist klinisch bedeutsam, da die zirkulierenden SARS-CoV-2-Varianten im Untersuchungszeitraum überwiegend Nachkommen der JN.1-Linie waren und die Impfstoffe damit gut zu den zirkulierenden Virusvarianten passten.
Zu den Limitationen zählen der Beobachtungscharakter der Studie mit der Möglichkeit eines Residualkonfoundings, etwa durch Unterschiede im Gesundheitsverhalten oder den Einsatz antiviraler Therapeutika. Zudem könnte eine Fehlklassifikation des Impfstatus die Wirksamkeitsschätzungen beeinflusst haben. Aufgrund der geringen Fallzahlen in einzelnen Subgruppen waren weiterführende Analysen, etwa zur Wirksamkeit gegen intensivmedizinische Behandlung oder zum zeitlichen Verlauf des Impfschutzes, nicht möglich. Die Autoren weisen außerdem darauf hin, dass die beobachtete Impfstoffwirksamkeit vor dem Hintergrund einer hohen infektions- und impfbedingten Grundimmunität der untersuchten Bevölkerung zu interpretieren ist.
Wiegand RE et al.: Interim Estimated Effectiveness of 2025-2026 COVID-19 Vaccines in Adults Using a Test-Negative Design. JAMA Netw Open. 2026 Jun 1;9(6):e2625152 (DOI 10.1001/jamanetworkopen.2026.25152).