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Allgemeinmedizin

Nachhaltigkeit bei Hausärztinnen und Hausärzten

Toolkit für umweltschonende Praxen

11.6.2026

Auf dem Weg zu mehr Klimaneutralität: Der digitale Leitfaden „NaPra“ bündelt 132 Empfehlungen – von weniger Einmalmaterialgebrauch über smarte Digitalisierung bis zur rationalen Pharmakotherapie. Ziel ist es, Kohlendioxid-Emissionen zu senken und die ambulante Versorgung klimaresilient auszurichten.

Nicht sterile Handschuhe vermeiden, wenn sie durch Händewaschen ersetzt werden können, auf digitale Kommunikation innerhalb des Praxisteams umsteigen und Patienteninformationen per Tablet eingeben oder z. B. auf laminierten Fragebögen einholen: Diese und noch weitere Tipps finden sich im digitalen Leitfaden „Nachhaltigkeit in Hausarztpraxen“, kurz NaPra [1].

Sein Ziel: Klimaschutz und klimaresiliente Versorgung im ambulanten Bereich zu stärken. Erstellt haben ihn Forschende der Uni Frankfurt auf Basis systematischer Literaturrecherchen, für die insgesamt 7 272 Literaturquellen gescreent wurden. „Außerdem hat viel medizinische Expertise für Alltagstauglichkeit des Leitfadens gesorgt“, so Dr. med. Catriona Friedmacher, die im Arbeitsbereich Qualitätsförderung und Versorgungsepidemiologie des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main arbeitet.

Einsparen von Kohlendioxid

Der Leitfaden umfasst 13 Themenbereiche mit 132 individuell umsetzbaren Handlungsempfehlungen für mehr Nachhaltigkeit im Praxisalltag – zusammengefasst und aufgearbeitet auf einer kostenlosen Internetseite. Außerdem erfolgte laut Friedmacher eine Einschätzung des jeweiligen Einsparpotenzials von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2). „Je nach Situation entstehen 60 – 90 % der CO2-Emissionen einer Hausarztpraxis in der Pharmakotherapie, also durch die Verschreibung von Medikamenten.“

Weniger Medikamentenverbrauch bei gleicher Patientengesundheit.

Dies beziehe sich hauptsächlich auf Produktion und Lieferketten der Arzneimittel. Hier sind Friedmacher zufolge für die Praxen der zielgerichtete Einsatz von Medikamenten, eine evidenzbasierte Verschreibungspraxis und ein regelmäßiges Überprüfen der Dauertherapie wichtige Maßnahmen zum Einsparen von CO2. So solle der CO2-Fußabdruck der Praxis ­gesenkt und die Qualität und Sicherheit der Versorgung erhöht werden.

Handlungsempfehlungen auf Basis systematischer Literaturrecherchen

Auch beim Energiebedarf einer Praxis oder beim intelligenten Büromanagement lassen sich Emissionen einsparen, beispielsweise durch eine energiesparende Beleuchtung, das Vermeiden von Überbestellungen bei Büroartikeln und den effizienten Gebrauch digitaler Lösungen.

Zusätzlich listet der Leitfaden Nachhaltigkeitstipps unter anderem für medizinische Verbrauchsmaterialien auf, das Finanz- und Qualitätsmanagement, die Mobilität, das Vermeiden von Überversorgung, das Gebäude- und Grundstücksmanagement und den Wasserverbrauch. Friedmacher resümiert: „Mit der vorliegenden Ressource von evaluierten, praxisnahen und nachhaltigen Handlungsempfehlungen wollen wir Ärztinnen und Ärzte sowie Praxismitarbeiter bei der Umstellung ihrer Praxen zu mehr Klimaneutralität unterstützen.“

Autorinnen/Autor: Friederike von Gierke, Gudula Keller und Nikolaus Mezger
Auflage:
1. Auflage 2024
Seitenanzahl: 250
Abbildungen: 21 S/W-Abbildungen, 9 Tabellen
Papierausgabe: ISBN 978-3-95466-867-0
E-Book: ISBN 978-3-95466-869-4

Die globale Klimakrise geht alle an: Durch Hitzewellen, Dürren, Starkregenkatastrophen, aber auch Umweltverschmutzung erleben Ärzte genauso wie Patienten die Folgen hautnah. Das Fachbuch „Die grüne Arztpraxis“ trifft den Trend der Zeit. Das Herausgeberteam hat eine Vielzahl von Beiträgen zusammengetragen, die sich auf unterschiedliche Art und Weise damit befassen, wie der Weg zur zukunftsfähigen Arztpraxis aussehen könnte. Das umfasst beispielsweise eine klimasensible Gesundheitsberatung der Patientinnen und Patienten genauso wie Behandlung bei und Prävention von Erkrankungen, die durch die Klimaveränderungen verstärkt auftreten. Im Kapitel zur klimagesunden Praxisführung geht es unter anderem darum, wie CO2 eingespart werden kann und ein ressourcenschonender Umgang mit Materialien und medizinischen Maßnahmen umsetzbar ist. Außerdem werden Möglichkeiten genannt, wie sich der Umweltbelastung durch Pharmaka entgegenwirken lässt.

Dabei kommt die Praxis nicht zu kurz: In Exkursen schildern die jeweiligen Autorinnen bzw. der Autor, wie eine Umsetzung praktisch aussehen kann, z. B. „Nachhaltigkeit in einer chirurgischen Praxis“ oder „Grüne Dialyse: Auswirkungen nachhaltiger Techniken auf den Kohlenstoff-Fußabdruck in der Nierenersatztherapie“. Zudem enthält das Buch Checklisten, detaillierte Literaturangaben sowie konkrete Tipps zum Umsetzen von Maßnahmen, z. B. dem Einführen eines guten ­Abfallmanagements.

Fazit: Das Fachbuch richtet sich an alle, die etwas verändern möchten, sich mit der Klimakrise und ihren Folgen befassen und als Beschäftigte im Gesundheitswesen dagegenwirken wollen. Die Autorinnen und der Autor legen großen Wert darauf, möglichst viele Aspekte rund um die Klimakrise zu beleuchten und darauf, dass die medizinische Versorgung nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern immer im Kontext der sozialen und ökologischen Verantwortung. Das ist auch zugleich der einzige Kritikpunkt: Der Grundlagenteil zur Verortung medizinischen Handelns im Kontext von Klima und Gesundheit hätte kürzer ausfallen können – und die Berichte aus der Praxis sowie die Tipps für konkrete Maßnahmen noch umfangreicher.

  1. www.napra.info, Stand: 30.04.2026

Pressemitteilung „Nachhaltigkeit bei Hausärzten: Gut für Umwelt und Gesundheit“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Februar 2026

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