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Dermatologische Online-Diagnose und Therapieempfehlung

Dr. med. Benjamin Durani

25.8.2026

Das Berufsrecht hat in den vergangenen Jahren der digitalen Diagnosestellung in der Dermatologie neue Möglichkeiten eröffnet. Dieser Beitrag erklärt Funktionsweise, Eignung, Vor- und Nachteile dieser Dienste und gibt einen Einblick in den praktischen Online-Alltag anhand eigener Beispiele.

Das Online-Angebot ermöglicht Patienten den Zugang zu dermatologischen Dienstleistungen von zu Hause, ohne physisch immer in einer Praxis anwesend sein zu müssen. Der Prozess beginnt für den Patienten in der Regel mit der Erstellung eines Benutzerprofils auf einer Plattform oder App. Der Benutzer lädt mindestens 3 Fotos der betroffenen Hautstelle mit Übersicht und Detailaufnahme hoch, ergänzt durch eine Beschreibung der Symptome und durch die Beantwortung spezifischer Fragen. Diese Informationen werden dann direkt an einen Dermatologen übermittelt. Bei einigen Plattformen weiß der Dermatologe nur das Geschlecht und das Alter des Patienten, bei anderen auch Daten wie den Wohnort.

Der Dermatologe analysiert das eingereichte Material und stellt innerhalb einer vom Plattformbetreiber vorgegebenen Zeit eine Diagnose- und Therapieempfehlung. Im Anschluss daran erhält der Patient eine Rückmeldung für die Behandlung. Eventuell muss der Patient dann noch eine Apotheke aufsuchen, wenn rezeptfreie Medikamente verordnet wurden. Manchmal muss auch trotz Online-Diagnose ein Besuch beim Hautarzt vor Ort empfohlen werden.

Was sind die häufigsten Diagnosen?

Häufig zur Beurteilung geschickte Anfragen betreffen Akne, Rosazea, Muttermale, Neurodermitis, seborrhoisches Ekzem, periorale Dermatitis. Generell gilt: Einfache Blickdiagnosen wie Viruswarzen, unveränderte Muttermale, Pityriasis rosea bei guter Übersicht, Pityriasis versicolor, Erythema migrans, Zoster, Basaliome, Akne, seborrhoisches Ekzem oder periorale Dermatitis eignen sich gut zur Diagnostik und Therapieempfehlung. Schwieriger wird es zum Beispiel bei chronischer und/oder schwerer Neurodermitis, Akne oder Psoriasis (kontinuierliche Betreuung mit wechselnden Therapieoptionen), dysplastischen Naevi oder frühinvasiven Melanomen (Auflichtmikro­skop), allergischen Erkrankungen (Testmöglichkeit) und Nagelpilz (Kultur zur Diagnosesicherung).

Nach eigenen Erfahrungen brauchen 70 – 80 % der Patienten und Patientinnen nach einer gründlichen Online-Diagnose und Therapieempfehlung keinen unmittelbaren Besuch beim Dermatologen. Dies hängt natürlich auch von der Diagnose, dem Behandlungsplan sowie der Compliance des Patienten hinsichtlich der empfohlenen Therapie ab.

Vorteile der Online-Diagnostik

Erkrankte haben rund um die Uhr Zugang zu dermatologischen Diensten, was insbesondere für Menschen in abgelegenen Gebieten, an Wochenenden sowie im Urlaub von Vorteil ist. Lange Wartezeiten auf einen Termin beim Dermatologen entfallen, auch die Wartezeit in einer Arztpraxis. Durch den schnellen Zugang und die frühzeitige Diagnostik ist frühes Eingreifen und Prävention möglich. Bei Bedarf können wohnortnahe Patienten am nächsten Tag ohne Termin mit Wartezeit in die Praxis einbestellt werden.

Die Vergütung ist bei den unterschiedlichen Anbietern oft nicht hoch, wird aber in festen Euro-Werten liquidiert, sodass auch bei einer Budgetierung in der eigenen Praxis zusätzliche Einnahmen generiert werden können.

Nachteile der Online-Diagnostik

Es besteht eine begrenzte Diagnosepräzision. Ohne physische Untersuchungen und Tests kann eine klare Einordnung manchmal unmöglich sein. So fehlt in der Regel bei deutlich auffälligen Muttermalen ein auflichtmikroskopisches Bild. Bei Nagelpilzerkrankungen ist oft das Anlegen einer Kultur vor Beginn einer systemischen Therapie notwendig. Bei unklaren Hautveränderungen muss eventuell eine Biopsie entnommen werden. Es besteht aber auch das Risiko von Fehldiagnosen durch die Qualität von Fotos (unscharf, keine gute Übersicht) oder mangelhafte Informationen der Betroffenen.

In Bezug auf Datenschutz und Sicherheit birgt die Online-Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten natürlich auch generell Risiken bei Hacker-Angriffen. Schwere chronische Erkrankungen wie Psoriasis und Neurodermitis brauchen in der Regel eine Anbindung an eine Hautarztpraxis vor Ort, da eine kontinuierliche und stadiengerechte Behandlung notwendig ist. Eine Verschreibung rezeptpflichtiger Medikamente ist auf den meisten Plattformen nicht möglich.

Und dann kommt womöglich noch die persönliche Einschränkung: Nicht jeder Arzt bzw. jede Ärztin möchte zusätzlich am Wochenende oder im Urlaub arbeiten und erreichbar sein.

Die dermatologische Online-Diagnose und -Therapieempfehlung bietet eine wertvolle Ergänzung im medizinischen Bereich und kann sowohl Patienten als auch Dermatologen Flexibilität und Effizienz bringen. Dennoch sollten die Limitationen und Risiken dieser Dienstleistungen bedacht werden, um eine qualitativ hochwertige und sichere Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Ärzte und Patienten müssen dabei gut informiert und sensibel mit den gebotenen Technologien umgehen.

Der Autor

Dr. med. Benjamin Durani
Haut und Laserzentrum Heidelberg
69115 Heidelberg

b.durani@durani.eu

Bildnachweis: privat

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