- Anzeige -
Gynäkologie

Reproduktionsmedizin

Lutealphasensupport mit Progesteron nach Kryokonservierung

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

11.12.2023

Ein häufig angewendetes Verfahren bei der assistierten Reproduktionstherapie (ART) ist die Kryokonservierung. Eine aktuelle Metaanalyse hat jetzt den Einfluss eines Lutealphasensupports mit Progesteron auf die Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate untersucht.

Der Anteil der Kryozyklen (frozen embryo transfer, FET) an den Zyklen mit assistierter Reproduktionstechnologie (ART) hat in den vergangenen Jahren zugenommen [1]. In den Vereinigten Staaten und Europa liegt das Verhältnis von FET-Zyklen zu ART-Zyklen bei 33,7 % bzw. 25,7 % [2]. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Verfahren der Vitrifikation/Erwärmung die Überlebensrate der Embryonen nach der Kryokonservierung deutlich erhöht und die Reproduktionsergebnisse nach dem Transfer der Blastozysten im Vergleich zum langsamen Einfrieren und Auftauen verbessert [3].

Lutealphasensupport bei NC-FET-Zyklen?

Die FET-Zyklen sind auch für die Durchführung eines einzigen Embryotransfers geeignet und unterstützen die genetische Präimplantationsdiagnostik. Darüber hinaus verringern FET-Zyklen das Risiko eines mittelschweren bis schweren ovariellen Hyperstimulationssyndroms im Vergleich zu frischen Embryotransferzyklen [4]. Die FET-Zyklen sind so zu einem wichtigen Bestandteil der Reproduktionsmedizin geworden. Auf der Grundlage der verschiedenen Methoden zur Vorbereitung des Endometriums vor den FET-Zyklen werden 3 Varianten unterschieden: natural cycle (NC), modifizierter NC (mNC) und hormone replacement therapy (HRT)-FET [5].

Der Lutealphasensupport (LPS) ist bei den HRT-­FET-Zyklen von entscheidender Bedeutung, da kein ­endogenes Progesteron produziert wird [6]. Die Notwendigkeit von LPS bei NC-FET-Zyklen war dagegen bislang umstritten. In einer internationalen Umfrage, an der 179 IVF-Zentren in 56 Ländern teilnahmen, gaben 44 % der Kliniken an, bei NC-FET-Zyklen kein LPS zu verabreichen, während 56 % der Kliniken LPS bei NC-FET-Zyklen verabreichten [7].

Signifikante Verbesserung der Lebendgeburtsrate

Eine chinesische Metaanalyse untersuchte jetzt, wie sich die Progesteronsupplementation auf den NC-FET auswirkt [8]. Die Auswertung erfolgte aus Daten von Patientinnen in 4 klinischen Studien (n = 1 116), die sich einem NC-FET-Zyklus unter­zogen. Die Analyse von 3 der Studien mit vaginalem Progesteron (n = 982) zeigte eine signifikant erhöhte klinische Schwangerschaftsrate von RR = 1,30 (95%-KI 1,07–1,57) sowie eine ebenfalls signifikant erhöhte Lebendgeburtrate (RR = 1,42; 95%-KI 1,15–1,75). Das entspricht einer Verbesserung der Lebendgeburtrate um 42 %. Die Autoren folgern, dass die Evidenz für den Einsatz von vaginalem Progesteron im Zuge der ART spricht. Dabei erscheint nicht die Höhe der Progesteron-Tagesdosis entscheidend, sondern vielmehr die grundsätzliche Gabe von vaginalem Progesteron. Höhere Progesteron-Dosen führten zu keinem signifikanten thera­peutischen Zugewinn bezüglich einer höheren ­Lebendgeburtenrate.

1 Doody KJ, Fertil Steril 2014; 102: 27–31
2 De Geyter C, Hum Reprod Open 2020; hoaa038
3 Renzim L et al., Hum Reprod Update 2017; 23: 139–55
4 Roque M et al., Hum Reprod Update 2019; 25: 2–14
5 Ghobara T et al., Cochrane Database Syst Rev 2020; 10: CD006359
6 Mackens S et al., Hum Reprod 2017; 23: 2234–42
7 Weissmann A, https://ivf-worldwide.com/survey/frozen-thawed-embryo-transfer/results-frozen-thawed-­embryo-transfer.html
8 Jiang Y et al., Fertil Steril 2023; 119, DOI 10.1016/j.fertnstert.2022.12.035

Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.
- Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

123-nicht-eingeloggt