Vitiligo ist keine kosmetische Störung, sondern eine chronische Autoimmunerkrankung mit erheblicher psychosozialer Krankheitslast. Die Belastung kann ähnlich hoch oder sogar höher sein als bei anderen sichtbaren Dermatosen. Dann ist ein ganzheitlicher Therapieansatz gefragt.
Besonders relevant sind Stigmatisierung, Scham, sozialer Rückzug und ein vermindertes Selbstwertgefühl. Personen mit Vitiligo weisen zudem häufiger depressive Symptome auf als Hautgesunde. Die subjektive Belastung korreliert jedoch nicht zwingend mit der Ausdehnung: Auch kleine Läsionen, etwa im Gesicht, an den Händen oder im Genitalbereich, können die Lebensqualität massiv beeinträchtigen.
Für die Praxis bedeutet das: Es sollte aktiv erfragt werden, welche Bedeutung die Erkrankung im Alltag hat. Welche Situationen werden gemieden? Gibt es Einschränkungen in Schule, Beruf, Partnerschaft oder Freizeit? Welche Areale sind besonders behandlungsbedürftig? Eine solche Gesprächsführung bildet die Grundlage für eine partizipative Therapieentscheidung.
Vor jeder Therapie steht die korrekte Klassifikation. Unterschieden werden vor allem die nicht-segmentale Vitiligo, die mit etwa 85–95 % den häufigsten Typ darstellt, die segmentale Vitiligo sowie seltene unklassifizierbare Formen. Neben dem Subtyp sind Ausdehnung, Aktivität und Lokalisation zu dokumentieren. Für den Praxisalltag eignet sich die Bestimmung der betroffenen Körperoberfläche; die Handfläche der erkrankten Person einschließlich der Finger entspricht etwa 1 %. Ergänzend stehen Scores wie VASI, VES, SA-VES oder VESplus zur Verfügung. Neu auftretende oder sich rasch vergrößernde Läsionen sprechen für Krankheitsaktivität und können eine rasche Therapieeskalation erfordern.
Die leitliniengerechte Behandlung richtet sich nach Subtyp, Aktivität, Ausdehnung, Lokalisation, Alter, Komorbiditäten und Therapieziel. Bei nicht-segmentaler Vitiligo kommen topische Kortikosteroide, Calcineurin-Inhibitoren und Ruxolitinib sowie eine Ganzkörper- oder gezielte NB-UV-B-Phototherapie infrage. Bei aktiven oder ausgedehnten Verläufen können systemische Therapien und Kombinationen erforderlich werden. Für die segmentale Vitiligo stehen vor allem topische antiinflammatorische Therapien und gezielte Phototherapien, etwa mit Excimer-Laser oder -Lampe, zur Verfügung. Bei stabilen, therapierefraktären Befunden können chirurgische Verfahren erwogen werden. Eine Depigmentierung bleibt Ausnahmefällen vorbehalten.
Psychosoziale Belastungen sollten strukturiert erfasst werden. Genannt wurden der vitiligospezifische VitiQoL, DLQI und WHO-5 zur Beurteilung von Lebensqualität und Wohlbefinden sowie GAD-2 und PHQ-2 als Kurzscreenings für Angst- und Depressionssymptome.
Insgesamt behandelt eine erfolgreiche Vitiligo-Therapie nicht nur depigmentierte Hautareale. Sie verbindet leitlinienorientierte somatische Therapie mit empathischer Kommunikation, realistischen Therapiezielen, Shared Decision Making und psychosozialer Unterstützung. So lässt sich verhindern, dass Stigmatisierung, Vermeidungsverhalten und psychische Komorbidität den Lebensweg der Patienten und Patientinnen prägen.
Symposium „Helle Flecken, dunkle Momente – Vitiligo zwichen Stigma, Leitlinie und Praxis“ (Veranstalter: Incyte Biosciences Germany GmbH)