Vitiligo betrifft weltweit rund 1 % der Bevölkerung und belastet nicht nur die Haut, sondern auch die Psyche. Besonders die nicht‑segmentale Form ist häufig und bislang schwer behandelbar. Mit der seit 2023 zugelassenen Ruxolitinib‑Creme eröffnet sich erstmals eine wirksame Therapieoption.
Die nicht-segmentale Vitiligo ist immunologisch bedingt, erklärte Prof. Dr. med. Natalija Novak (Bonn). Typisch sei bei dieser Form eine symmetrische Verteilung der Depigmentierung auf beide Körperhälften. Häufig bestünden Begleiterkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine atopische Dermatitis. Pathophysiologisch komme es zur Zerstörung der Melanozyten durch immunologische Reaktionen. CD8-Zellen würden stimuliert, Interferon-γ freigesetzt und über Keratinozyten die JAK- und STAT-Signalwege aktiviert, was den Verlust der Melanozyten weiter verstärke. Interleukin-15 spiele dabei eine zentrale Rolle, indem es autoreaktive Memory-T-Zellen aktiviere und so die Persistenz der Erkrankung fördere, so Novak. Lange Zeit standen den Betroffenen kaum wirksame Therapien zur Verfügung – mit erheblichen Folgen für die Psyche: Die sichtbare Depigmentierung führt häufig zu Stigmatisierung und einer massiv eingeschränkten Lebensqualität. Deshalb müsse Vitiligo dringend behandelt werden, so Novak weiter.
JAK-Inhibitor verfügbar
Seit 2023 ist mit der Ruxolitinib-Creme erstmals ein JAK-Inhibitor für die Therapie der nicht-segmentalen Vitiligo zugelassen. Wie Prof. Novak ausführte, hat sich die Ruxolitinib-Creme als wirksam gegen die nicht-segmentale Vitiligo erwiesen. Ziel der Behandlung sei es, die Ausbreitung auf weitere Hautareale zu stoppen, eine Repigmentierung zu erreichen und Rückfälle zu vermeiden. Die Zulassungsstudie mit über 600 Patientinnen und Patienen ab 12 Jahren zeigte, dass etwa die Hälfte innerhalb eines Jahres eine 75%ige Repigmentierung der Gesichtshaut erzielen kann [1]. Bemerkenswert ist, dass der Effekt bei vielen Patienten und Patientinnen auch nach Absetzen der Creme für ein weiteres Jahr anhält. Bei fortgesetzter Therapie verstärkten sich die Ergebnisse sogar, wie Prof. Dr. med. Markus Böhm (Münster) berichtete.
Die Anwendung erfolgt zweimal täglich auf bis zu 10 % der Körperoberfläche, die Lippen sind auszuschließen. Die behandelten Hautareale dürfen anschließend 2 Stunden lang nicht gewaschen werden. Ergänzend werden ein konsequenter UV-Schutz sowie das Vermeiden mechanischer Belastung empfohlen, um die Wirkung zu unterstützen. Trotz hoher Kosten sei die Therapie sehr effektiv und solle von Dermatologen und Dermatologinnen angeboten werden, nicht zuletzt, um die psychischen Folgen der Erkrankung mit zu adressieren, betonte Novak.
Mehr in der Pipeline
Aktuell würde zudem an systemischen JAK-Inhibitoren geforscht sowie an Sequenztherapien, bei denen die Ruxolitinib-Creme oder eine systemische JAK-Therapie jeweils durch Phototherapie ergänzt wird. Die Behandlung der nicht-segmentalen Vitiligo mit der Ruxolitinib-Creme werde im kommenden Leitlinien-Update voraussichtlich ab Januar 2026 als Erstlinientherapie empfohlen, so Böhm.
Symposium „Top JAKtuell – topisch, zielgerichtet, zukunftsweisend“ (Veranstalter: Incyte Biosciences Germany GmbH)