Die Liquid Biopsy beschreibt die Analyse tumorassoziierter Bestandteile in Körperflüssigkeiten, primär im Blut. Untersucht werden zellfreie DNA (cfDNA), zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA), zirkulierende Tumorzellen (CTCs), RNA, Proteine oder auch Exosomen.
Die ctDNA stellt dabei einen meist geringen Anteil (häufig < 1 %) der gesamten cfDNA dar und weist eine kurze Halbwertszeit von etwa 30 –120 Minuten auf. Diese Dynamik ermöglicht eine nahezu Echtzeit-Abbildung tumorbiologischer Prozesse .
Physiologisch entsteht cfDNA durch Apoptose, Nekrose oder aktive Sekretion. Tumorspezifische Veränderungen – Punktmutationen, Kopienzahlveränderungen oder strukturelle Varianten – können mittels hochsensitiver Verfahren wie digitaler Polymerase-Kettenreaktion oder Next-Generation Sequencing detektiert werden. Die analytische Sensitivität ist dabei entscheidend, da ctDNA besonders in frühen Stadien oder bei Low-Shedding-Entitäten (z. B. Prostatakarzinom) nur in sehr niedriger Konzentration vorliegt.
Liquid Biopsy ersetzt nicht die Gewebeproben
Die Liquid Biopsy findet Anwendung in der Tumorgenotypisierung, etwa beim Nachweis therapierrelevanter Mutationen (z. B. EGFR-, BRAF- oder RAS-Varianten), besonders wenn kein oder nur begrenzt Gewebe verfügbar ist. Zudem erlaubt sie das Monitoring des Therapieansprechens: Ein früher Abfall der ctDNA korreliert in mehreren Entitäten mit verbessertem progressionsfreiem und Gesamtüberleben. Ein erneuter Anstieg kann auch auf molekularen Progress hinweisen, oft vor radiologischer Manifestation.
Ein zentrales Feld ist der Nachweis minimaler Resterkrankung (MRD). Damit eröffnet sich perspektivisch die Möglichkeit einer MRD-gesteuerten Therapieeskalation oder -deeskalation. Allerdings fehlen bislang flächendeckend prospektive Interventionsstudien, die einen klaren klinischen Nutzen belegen.
Trotz ihres Potenzials ersetzt die Liquid Biopsy derzeit nicht die Gewebebiopsie. Sie ist weder ein reines „Nice-to-have“ noch bereits uneingeschränkt „ready for prime time“. Sie stellt ein komplementäres Instrument zur Gewebediagnostik dar – mit besonderer Stärke im Therapiemonitoring, in der Resistenzdetektion und perspektivisch in der MRD-gesteuerten Therapiestratifikation.
Session „Liquid Biopsies: Nice to have oder ready for prime time?“