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Kongress-Ticker

Virtuell – Oktober 2021

Trotz Pandemie Zuwachs an Forschungsergebnissen

Agata Kwapisz, Rainer H. Bubenzer

5.10.2021

Trotz Pandemie Zuwachs an Forschungsergebnissen+++Zirkulierende Tumor-DNA als nicht invasiver Biomarker für Detektion, Klassifizierung und Risikostratifizierung bei Patienten mit ZNS-Lymphom +++Detektion und Charakterisierung von ASPP2k, einer dominant-negativen, onkogenen Spleißvariante von ASPP2 in triple-negativen Mammakarzinomen+++Einfluss von Fremd- und Selbsteinschätzung der Symptombelastung von Tumorpatienten

Trotz Pandemie Zuwachs an Forschungsergebnissen

Die biowissenschaftlich-onkologische Forschung hat während der Pandemie, so stellte Prof. Dr. med. Markus Manz, Direktor der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie am Universitätsspital Zürich, bei einer Pressekonferenz zur Jahrestagung 2021 der deutschsprachigen onkologischen Fachgesellschaften fest, wider Erwarten keinerlei Einbußen erlitten, sondern wurde intensiviert.
Nach seiner Analyse hat während der Pandemie sogar die an der Publikationsanzahl erkennbare Aktivität der onkologisch-wissenschaftlichen Community zugenommen. Es zeigte sich 2020 gegenüber 2019 ein Anstieg um immerhin 12% auf die bislang noch nie dagewesene Zahl von >310.000 Publikationen (erfasst via Medline/Pubmed-Datenbank). Diese enorme Fülle an Informationen wurde von den für das Fachportal Onkopedia.com verantwortlichen Fachgesellschaften zeitnah und effizient in den „onkopedia leitlinien“ aufgearbeitet und integriert. Diese Leitlinien sind mittlerweile zu einem häufig verwendeten Standardinstrument der onkologischen Versorgung in Europa geworden (und stehen auch als App zur Verfügung). Während der vergangenen anderthalb Jahre wurden für Onkopedia auch Informationen und Expertenmeinungen zu COVID-19 bei Blut- und Krebserkrankungen erarbeitet und fortlaufend implementiert. Manz geht davon aus, dass dies erheblich zur Versorgungsqualität von Krebspatienten beigetragen und Leben gerettet hat (www.onkopedia.com/de/covid19-overview).
Auch zahlreiche Innovationen in der Krebsmedizin ‒ besonders in der medikamentösen Therapie ‒ konnten trotz COVID-19-Pandemie erfolgreich in die flächendeckende Versorgung von Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen integriert werden. Manz verwies abschließend auf ein neues, seit Mai 2021 bestehendes Fortbildungsangebot ‒ die Webinar-Reihe „Onkopedia ‒ was ist neu?“, die freitags von 14:00 bis 15:00 Uhr im 2-wöchigen Rhythmus über Aktuelles, Änderungen sowie Updates zu den „onkopedia leitlinien“ informiert. Ausgewiesene Experten und Onkopedia-Autoren geben kompakte Erläuterungen zur jeweils thematisierten Leitlinie. Viele Webinar-Themen sind auch für Nichtonkologen von Interesse, z.B. Schutzimpfungen bei Krebspatienten oder Fertilitätserhalt vor Krebstherapien.

Pressekonferenz „Highlights der Jahrestagung 2021 der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie“, 02.10.2021, Anlässlich der Jahrestagung 2021 der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Berlin/Online, Oktober 2021

Zirkulierende Tumor-DNA als nicht invasiver Biomarker für Detektion, Klassifizierung und Risikostratifizierung bei Patienten mit ZNS-Lymphom

Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) hat großes Potenzial als nicht invasiver Biomarker bei systemischen Lymphomen. Besonders beim ZNS-Lymphom (CNSL) bietet der nicht invasive Zugang zu Tumor-abgeleiteter DNA für Patienten einen Vorteil, da ansonsten ein invasiv chirurgischer Eingriff erforderlich wäre, um Tumormaterial zu untersuchen. Eine Studie untersuchte nun den Nutzen von ctDNA bei MRD (measurable residual disease) und für die frühzeitige Vorhersage eines Rückfalls.
Untersucht wurden 64 Tumorbiopsien, 98 Blutplasmaproben und 43 Liquor-cerebrospinalis(CSF)-Proben von 67 Probanden mit CNSL.
Genetische Aberrationen wurden in 100 % der CNSL-Tumorproben (Median: 378 Mutationen) identifiziert. In 78 % des Plasmas und in 100 % der Liquorproben war ctDNA nachweisbar. Die Konzentrationen waren im Liquor 8-fach höher als im Plasma (p = 0,0004). Der ctDNA-Spiegel korrelierte signifikant mit dem Tumorvolumen im MRT (p = 0,004).
Die nicht invasive Diagnostik der CNSL zeigte eine sehr hohe Spezifität (100 %) und einen sehr guten positiv prädiktiven Wert (100 %).  
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ctDNA als wertvoller klinischer Biomarker für die Tumorbelastung dienen kann.


Detektion und Charakterisierung von ASPP2k, einer dominant-negativen, onkogenen Spleißvariante von ASPP2 in triple-negativen Mammakarzinomen

ASPP2 wird bei vielen Krebsarten, einschließlich Brustkrebs, gefunden und ist mit einem schlechten klinischen Ergebnis verbunden. Zudem wurde kürzlich eine Spleißvariante von ASPP2, genannt ASPP2κ, bei akuter Leukämie identifiziert. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob ASPP2κ in dreifach-negativem Brustkrebs (TNBC, triple-negative breast cancer) exprimiert und funktionell aktiv ist. Die Analyse unterschiedlicher Brustkrebszelllinien ergab eine sehr hohe ASPP2κ-Expression, sie wurde in über 50 % der getesteten Proben gefunden. Die funktionelle Rolle von ASPP2κ in TNBC wurde in vitro unter Verwendung von ASPP2κ-Interferenzzelllinien-Modellen demonstriert. Die Herunterregulierung von ASPP2κ führte zu einer abgeschwächten Zellproliferation und einem weniger aggressiven Migrationsverhalten der Krebszellen. Zudem waren diese Zellen anfälliger für Doxorubicin und Cisplatin. Bemerkenswert war, dass bei einer Knockdown-Effizienz von nur etwa 40 % die Apoptoseraten bei Doxorubicin-Behandlung im Durchschnitt um 25 % höher und bei Cisplatin-Behandlung um bis zu 35 % höher im Vergleich zu den Kontrollstämmen waren. Insgesamt zeigte sich, dass ASPP2κ mit einem aggressiveren Phänotyp sowie Resistenzen verbunden ist.

Einfluss von Fremd- und Selbsteinschätzung der Symptombelastung von Tumorpatienten

Eine Überweisung von Patienten an die spezialisierte Palliativmedizin (SPC) wird durchgeführt, wenn ein Patient mit fortgeschrittenem Krebs (ACP) Bedarf anmeldet oder die Symptombelastung hoch ist. Eine retrospektive Kohortenstudie analysierte die vom Palliativpflegepersonal (PCN) gemeldeten Symptome von ACP bei der Erstvorstellung (IP) im SPC. Verglichen wurde die selbst berichtete Symptomintensität in den letzten 6 Monaten vor IP (T0) mit den PCN-berichteten Symptomen bei IP (T1). Zusätzlich wurden Laborwerte bei T0 und bis zu einem Monat danach dokumentiert.
Im Zeitraum von 2013 bis Ende 2020 registrierten sich 281 ACP bei SPC (41,3 % Männer, mittleres Alter bei IP 56,97 Jahre). Magen-Darm-Krebs (25,6 %), Lungenkrebs (22,1 %) und Brustkrebs (17,4 %) waren die häufigsten Tumorentitäten. 227 ACP waren gestorben.
Häufigster Grund für eine SPC-Empfehlung waren Schmerzen (33,8 %) und soziale Probleme (20,6 %). Im statistischen Vergleich (ANOVA) von selbstberichteten (T0) zu PCN-gemeldeten (T1) Symptomen gab es einen signifikanten Unterschied für Schwäche (n = 89; p = 0,023), Appetitlosigkeit (n = 93; p = 0,013) und allgemeines Wohlbefinden (n = 83; p = 0,001). Die Krankenschwester unterschätzte diese Symptome jeweils. Die Laborwerte zeigten einen zeitabhängigen Anstieg von LDH (Laktatdehydrogenase; n = 123) und CRP (C-reaktives Protein; n = 122), während sich das Gesamtprotein (n = 120) und das Albumin (n = 70) verringerten.
ACP-Gemeldete wurden dem SPC häufig zur Schmerzbehandlung vorgestellt. Die Laborwerte deuten auf eine Tumorprogression hin, die durch RECIST-Kriterien nachgewiesen wurde. In der Studie konnte eine mildere Symptombelastung festgestellt werden, wenn sie durch PCN statt durch ACP dokumentiert wurde. Das unterstreicht die Bedeutung der Selbsteinschätzung, um eine Unterversorgung der betreffenden Patienten zu vermeiden.

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