Die kosmetische Dermatologie entwickelt sich mit hoher Geschwindigkeit in Richtung digital gestützter, personalisierter Versorgung. Aus dem Vortrag von Dr. med. Matthias Herbst (Darmstadt) wurde deutlich, dass insbesondere künstliche Intelligenz (KI), 3D-Bildgebung sowie Augmented-Reality(AR)- und Virtual-Reality(VR)-Anwendungen die ästhetische Beratung und Therapieplanung in den kommenden Jahren prägen werden.
Weltweit steigt die Nachfrage nach minimalinvasiven ästhetischen Eingriffen. Treiber sind soziale Medien, ein wachsender Wunsch nach Individualisierung sowie die zunehmende Akzeptanz solcher Behandlungen auch bei männlichen Patienten. Parallel etabliert sich ein digitaler Massenmarkt: Hautanalyse-Apps, KI-basierte Produktempfehlungen und automatisierte Beratungstools dringen zunehmend in Bereiche vor, die bislang dermatologischer Expertise vorbehalten waren.
Für die Praxis relevant sind vor allem KI-gestützte Haut- und Gesichtsanalyse, 3D-Scans zur Volumenbeurteilung sowie Vorher-Nachher-Simulationen etwa für Filler-, Botulinum- oder Laserbehandlungen. AR-Anwendungen könnten die Patientenaufklärung verbessern, Erwartungen realistischer steuern und perspektivisch sogar die Präzision interventioneller Verfahren unterstützen. Auch in Aus- und Weiterbildung eröffnen VR- und Overlay-Technologien neue Möglichkeiten, beispielsweise für Injektionssimulationen.
Trotz des Innovationspotenzials mahnt Herbst zur Vorsicht. Die Datenqualität vieler Systeme ist limitiert, etwa hinsichtlich unterschiedlicher Hauttypen oder Pigmentmuster. Hinzukommen haftungsrechtliche Fragen, der Umgang mit biometrischen Gesichtsdaten und die regulatorischen Anforderungen des europäischen AI Act sowie des Medizinprodukterechts. KI kann die dermatologische Beurteilung unterstützen, sie ersetzt aber weder die fachärztliche Indikationsstellung noch das ärztliche Gespräch.
Für 2030 zeichnet sich damit kein vollautomatisiertes, sondern ein hybrides Modell ab: stärker personalisierte, prädiktive und visuell unterstützte Beratungsprozesse, bei denen digitale Werkzeuge den klinischen Alltag ergänzen. Der entscheidende Mehrwert bleibt jedoch die qualifizierte dermatologische Einordnung. Gerade in der ästhetischen Medizin wird die Zukunft daher nicht allein digital sein, sondern ärztlich geführt, technologiegestützt und verantwortungsvoll reguliert.
ADK-Symposium, Vortrag Dr. med. Matthias Herbst