Im Gegensatz zur präklinischen Adipositas ist die klinische Form mit Komorbiditäten verbunden. Der GLP-1-Rezeptoragonist (GLP-1-RA) Semaglutid hilft nicht nur beim Abnehmen, sondern hat auch – potenziell direkte – positive kardio-renovaskuläre Effekte. Zudem kreisen die Gedanken damit weniger ums Essen.
Studien der vergangenen Jahre zu inkretinbasierten Therapien, etwa die STEP-UP-Studie, haben belegt, dass Semaglutid eine klinisch relevante Gewichtsreduktion bewirkt, wie Prof. Dr. med. Thomas Ebert (Leipzig) berichtete. Außerdem reduzierte Semaglutid in der SELECT-Studie den kombinierten Endpunkt aus Herz-Kreislauf-Tod, nicht fatalem Herzinfarkt und nicht fatalem Schlaganfall gegenüber Placebo signifikant und klinisch relevant um 20 %. Die Studie hatte 17 600 Teilnehmende, die übergewichtig oder adipös waren und an einer etablierten kardiovaskulären Erkrankung, nicht jedoch an Diabetes litten. Sie wurden über 48 Monate beobachtet. Der erste statistisch signifikante Effekt sei bereits an Tag 20 nach Randomisierung eingetreten, bevor die Betroffenen signifikant Gewicht verloren hatten. Dies zeigte Ebert anhand einer Sekundäranalyse dieser Studie. Semaglutid beeinflusse daher die kardiovaskulären Endpunkte potenziell nicht nur über die Gewichtsreduktion, sondern direkt, möglicherweise über GLP-1-Rezeptoren auf Endothelzellen. Die SELECT-Studie habe zudem ergeben, dass Semaglutid auch das renale Risiko verglichen mit Placebo signifikant und klinisch relevant um 22 % senkt. Der kombinierte Endpunkt umfasste renal bedingten Tod, Dialysebeginn oder Transplantation, eGFR-Kriterien sowie eine beginnende Makroalbuminurie. Eine direkte GLP-1-RA-Wirkung sei auch hier pathophysiologisch plausibel, so Ebert.
Real-World-Benefits
Auch Real-World-Datensätze bestätigten die kardiovaskuläre Wirksamkeit: In der SCORE-Studie senkte Semaglutid den kombinierten kardiovaskulären Endpunkt nach 30 Monaten, verglichen mit Therapien ohne Semaglutid, um 57 %. Auch hier waren die Teilnehmenden übergewichtig oder adipös, kardiovaskulär erkrankt, hatten jedoch keinen Diabetes. In der STEER-Studie reduzierte Semaglutid den kombinierten Endpunkt um 29 %, verglichen mit Tirzepatid. Allerdings sei hier die durchschnittliche Beobachtungsdauer mit 8– 9 Monaten noch zu kurz.
Das gleichzeitige Auftreten von Typ-2-Diabetes und Adipositas entsteht auf der Basis genetischer Risikofaktoren und Lebensstil sowie deren Wechselwirkung mit Adipositas und mit assoziierten Komorbiditäten, erklärte Prof. Dr. med. Susanne Reger-Tan (Bad Oeynhausen). „Erleichternd“ sei für Betroffene, dass Semaglutid nicht nur Körpergewicht und so das Risiko schwerer Folgeerkrankungen senke, sondern auch zwanghafte und sich aufdrängende Gedanken über Essen. Der Anteil der Befragten, die über „Food Noise“ klagten, sank in der Umfrage INFORM unter Semaglutid von 63 % (zu viele Gedanken an Essen) bzw. 60 % (die Gedanken schaden mir) auf 15 % bzw. 20 %. Reger-Tan verwies darauf, dass in der STEP-10-Studie 81 % der Menschen mit Adipositas und Prädiabetes nach 52-wöchiger Semaglutid-Therapie wieder normoglykämisch waren gegenüber 14 % unter Placebo. Am Ende der Nachbeobachtung nach 80 Wochen waren es 44 % vs. 18 %.
Symposium „Moderne Adipositastherapie – mehr als nur Gewichtsreduktion“ (Veranstalter: Novo Nordisk Pharma GmbH)