Die Impfquoten gegen Influenza und COVID-19 sind in Deutschland unzureichend. Besonders alarmierend ist die Situation bei Menschen mit Diabetes mellitus. Hier sollten Hausarzt- sowie diabetologische Schwerpunktpraxen aktiv werden. Denn das Ziel ist, das Risiko schwerer Komplikationen deutlich zu senken.
Trotz der Empfehlung der WHO, eine Impfquote von 75 % gegen Influenza zu erreichen, liegt diese in Deutschland lediglich bei 38 %. Bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes sind es sogar nur 31 %, so Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland (Aachen).
Ähnlich ernüchternd seien die Zahlen für die COVID-19-Impfung (16 %), die Herpes-zoster-Impfung (3,2 %) und die Pneumokokken-Impfung (20 %). „Impfen ist ein integraler Bestandteil der Diabetestherapie“, sagte der Experte und appellierte an diabetologische Praxen, die Impfquote gezielt zu steigern.
Menschen mit Diabetes mellitus haben ein signifikant erhöhtes Risiko für schwere Verläufe und eine höhere Mortalität bei SARS-CoV-2-Infektionen. Auch Influenza führt bei ihnen häufiger zu Hospitalisierungen und schweren respiratorischen Komplikationen. Eine prospektive Studie konnte hingegen zeigen, dass die Influenza-Impfung die Zahl kardiorespiratorischer Krankenhausaufenthalte senken kann [1]. Ein weiterer Risikofaktor ist eine schlechte Stoffwechseleinstellung. Laut Müller-Wieland seien Blutglucosewerte über 180 mg/dl (> 10 mmol/l) eine kritische Schwelle. Die Ursache liege in überschießenden inflammatorischen Reaktionen, sogenannten Zytokinstürmen, die insbesondere bei Adipositas und anderen metabolischen Erkrankungen auftreten und durch den Glucosespiegel beeinflusst werden würden.
Impfen als Teamaufgabe
Prof. Dr. med. Jörg Schelling (München) weist zudem auf die niedrigen Impfquoten gegen Herpes zoster, das RS-Virus und Pneumokokken hin – auch hier seien Menschen mit Diabetes besonders gefährdet. Die Impfungen könnten ganzjährig verabreicht werden und sollten nicht auf den Herbst beschränkt bleiben. Um Mehrfachtermine zu vermeiden, sei die Kombination mehrerer Impfungen pro Termin ratsam. Totimpfstoffe ließen sich dabei gut miteinander kombinieren. Auch die Wirtschaftlichkeit des Impfens sei ein wichtiger Aspekt: Wer regelmäßig impfe, nicht nur dann und wann, handele wirtschaftlich sinnvoll, so Schelling. Impfen sei eine Teamaufgabe, die durch klare Zuständigkeiten und Delegation effizient umgesetzt werden könne. Digitale Lösungen wie Impf-Software mit Recall-Funktion und e-Impfpass könnten zukünftig die Organisation zusätzlich erleichtern. Auch das soziale Umfeld von Menschen mit Diabetes sei in die Impfstrategien einzubeziehen, so Schelling. Wer einmal mit einem strukturierten Impfangebot beginne, könne dieses sukzessive ausbauen. Besonders kompetent gelten laut Schelling Praxen, die auch Reiseimpfungen anbieten.
Symposium „Impfen 2025 – Neues zum Schutz von Menschen mit Diabetes“ (Veranstalter: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG)