Natürlich war auch die Psoriasis einer der Schwerpunkte beim DWFA-Kongress. In einem Podcast mit PD Dr. med. Ina Hadshiew (Köln) und Prof. Dr. med. Andreas Körber (Essen) spricht Dr. med. Daniela Neumayer (Köln) über die neuesten Daten zu Tissue Resident Memory Cells und über die neue Psoriasis-Leitlinie von 2025.
Das Leitthema der vergangenen Jahre im Bereich Psoriasis heißt „Disease Modification“. Der weitreichende Einsatz von Biologikatherapien führt dazu, dass die Entzündung so gut kontrolliert ist, dass viele Patienten und Patientinnen symptom- und beschwerdefrei sind. Dann stellt sich die Frage: Was machen wir jetzt? Theoretisch natürlich die Therapie absetzen und hoffen, dass die erkrankte Person beschwerdefrei bleibt. Das funktioniert aber nicht immer. Grund sind die sogenannten Tissue Resident Memory Cells, erklärte Dr. Hadshiew. Diese „Gedächtnis“-Zellen sind verantwortlich dafür, dass immer wieder Schübe auftreten können. Durch Anpassung der Therapie wird versucht, diese Zellen aus dem Gewebe zu entfernen, damit die Patientinnen und Patienten möglichst ohne Therapie beschwerdefrei bleiben.
Ziel ist es, Schäden zu verhindern, bevor sie entstehen. Es gibt Super Responder, die besonders gut auf Biologikatherapien ansprechen und dann auch ohne Therapie in Remission bleiben. Man geht davon aus, dass bei diesen Erkrankten der Pool an Tissue Resident Memory Cells reduziert ist und sie deswegen schnell beschwerdefrei bleiben.
Die Knockout-Studie hat untersucht, ob das auch durch eine „hit hard and early“-Strategie erreicht werden kann, indem man Risankizumab statt in der Dosis von 150 mg standardmäßig doppelt und vierfach so hoch dosiert einsetzt (300 bzw. 600 mg). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dies der Fall ist und vermutlich werden die Therapieempfehlungen irgendwann entsprechend angepasst [1].
Die neue Psoriasis-Leitlinie 2025
Die lang erwartete Psoriasis-Leitlinie von 2025 hat etliche Neuerungen gebracht, die unmittelbare Veränderungen für den Alltag in der dermatologischen Praxis haben, wie Prof. Körber ausführte [2]. Vor allem haben sich die Einzeltherapieziele geändert. PASI 50 gehört der Vergangenheit an. PASI 75 ist das Minimalziel, unter Biologika gar PASI 90. Außerdem wird die Implementierung absoluter Therapieziele gefordert. Die neuen Leitlinien machen es nach Körbers Ansicht einfacher, moderne Therapie für möglichst viele Betroffene zugänglich zu machen. Es gibt erstmalig ein Therapeutikum in Tablettenform, das eine mit Biologika vergleichbare Wirksamkeit aufweist: Deucravacitinib, ein selektiver Tyrosinkinase-2(TYK2)-Inhibitor, der JAK-STAT-Signalwege unterbricht, die an proinflammatorischen Reaktionen beteiligt sind. Und Bimekizumab, ein Hemmer der Interleukine(IL)-17A und -F, der von der Wirkweise sowohl auf die Gelenke als auch auf die Haut zielt und ein komplett neues Therapieprinzip darstellt.
Auch beim Tuberkulose-Screening gibt es Neuerungen. Es ist jetzt klar hinterlegt, dass der Einsatz von IL-17/IL-23-Inhibitoren kein Risiko für die Entwicklung der Tuberkulose erzeugt. Und das macht den Alltag einfacher. Viele Erkrankte hatten Sorgen vor der antituberkulostatischen Therapie und vor den Nebenwirkungen. Jetzt kann man bei entsprechenden Testergebnissen die Therapie sofort starten. Das macht die Hemmschwelle für Betroffene geringer.
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