Chronischer Juckreiz ist das Leitsymptom bei atopischer Dermatitis (AD) und Prurigo nodularis (PN). Er wirkt sich nicht nur auf den Hautzustand aus, sondern auch auf Schlaf, Psyche und Lebensqualität. Bei unzureichendem Ansprechen auf Standardtherapien erweitert nun Nemolizumab das therapeutische Spektrum.
Kaum ein Symptom belastet Personen, die von atopischer Dermatitis (AD) oder Prurigo nodularis (PN) betroffen sind, so stark wie der chronische Juckreiz.Er beeinträchtigt nicht nur die Haut, sondern auch Schlaf, Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden. Für Personen mit mittelschwerer bis schwerer AD oder PN, die auf Standardtherapien nicht ausreichend ansprechen, sind Biologika neue Optionen.
Ergebnisse des ARCADIA-Studienprogramms
Im ARCADIA-Studienprogramm erwies sich der monoklonale Antikörper Nemolizumab, der den Interleukin-31-Signalweg blockiert, als wirksam und sicher. Nach 16 Wochen erreichte rund ein Drittel der Betroffenen eine komplette oder nahezu komplette Erscheinungsfreiheit (IGA 0/1). Über 40 % erzielten eine 75%ige Reduktion der Ekzemflächen bzw. -schwere (EASI‑75). Eine klinisch relevante Juckreizlinderung (≥ 4 Punkte) trat innerhalb der ersten Woche auf. Nach 16 Wochen war knapp ein Drittel der Betroffenen frei oder nahezu frei von Juckreiz. Dies wirkte sich auch positiv auf den Schlaf aus: 65 % der Studienteilnehmenden berichteten über eine signifikante Reduktion von Schlafstörungen. Daten aus einer Studienverlängerung zeigten zudem, dass die Hautverbesserungen über 104 Wochen anhielten. PD Dr. med. Laura Maintz (Bonn) betonte, dass Nemolizumab ein relevantes Zytokin adressiert, das für Juckreiz, Entzündung, Barrierefunktion und Läsionen eine zentrale Rolle spielt.
Ergebnisse des OLYMPIA-Studienprogramms
Das OLYMPIA-Studienprogramm mit 560 Teilnehmenden ist bislang das größte zu PN. Auch hier zeigte Nemolizumab eine klinisch relevante Verbesserung von Juckreiz und Hauterscheinungen. Die Effekte hielten nicht nur über 100 Wochen an, sondern verstärkten sich kontinuierlich, so PD Dr. med. Laura Susok (Dortmund). Mehr als die Hälfte der Betroffenen gewannen ihre Lebensqualität zurück. Nebenwirkungen traten überwiegend auf Placebo-Niveau auf; lediglich Kopfschmerzen waren häufiger. Konjunktivitiden, die unter anderen Biologika vermehrt auftreten, wurden unter Nemolizumab nicht beobachtet. Bei Asthma-Erkrankten könnte eine mögliche Symptomverschlechterung auftreten.
Zulassung und Anwendung
Nemolizumab ist für AD ab 12 Jahren und für PN ab 18 Jahren zugelassen. Die Dosierung variiert je nach Indikation. Die subkutane Gabe erfolgt alle 4 Wochen. Vor der Applikation muss der Fertigpen entsperrt und geschüttelt werden. Nach einer Wartezeit von etwa 5 Minuten kann die Injektion erfolgen.
Symposium „Nemolizumab bei AD und PN: Evidenzlage und klinische Perspektiven“ (Veranstalter: Galderma Laboratorium GmbH)