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Kongress-Ticker

Mann und Frau

Fertilitätsprotektion

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

13.2.2026

Die Fertilitätsprotektion ist ein integraler Bestandteil der modernen onkologischen Versorgung junger Patientinnen mit kurativem Therapieansatz. Gonadotoxische Therapien wie Chemotherapie, Radiotherapie oder myeloablative Konditionierung können zu einer irreversiblen Schädigung der Keimzellen führen. Ziel fertilitätserhaltender Maßnahmen ist es daher, reproduktive Optionen vor Therapiebeginn zu sichern, wobei Indikation und Methodenauswahl stets individualisiert erfolgen müssen.

Zu den etablierten Verfahren zählen bei Frauen die Kryokonservierung von Oozyten und Ovarialgewebe sowie bei Männern die Kryokonservierung von Spermien. Ergänzend können GnRH-Analoga eingesetzt werden, jedoch nicht als Ersatz, sondern allenfalls additiv zu kryokonservierenden Maßnahmen. Die Entscheidung für eine Fertilitätsprotektion setzt ein moderates bis hohes Risiko einer therapieinduzierten Infertilität voraus, das zunehmend mithilfe von Online-Kalkulatoren, Metaanalysen (z. B. FertiTOX) und prospektiven Registern abgeschätzt wird. Diese Instrumente liefern wertvolle Orientierung, sind jedoch aufgrund heterogener Datenlagen, gepoolter Therapieschemata und begrenzter Evidenz neuer Therapieformen mit Unsicherheiten behaftet.

Ein besonderes klinisches und ethisches Dilemma stellt die Fertilitätsprotektion bei akuten Leukämien dar. Hier kann die Kryokonservierung von Ovarialgewebe grundsätzlich erwogen werden, jedoch ausschließlich nach Erreichen einer kompletten Remission (MRD-negativ). Vor einer Retransplantation ist zwingend eine hochsensitive Untersuchung von Referenzproben auf maligne Zellen erforderlich. Internationale Fallserien berichten über gute Erfolgsraten und hohe Sicherheit, dokumentieren jedoch auch seltene transplantationsassoziierte Rezidive. Eine umfassende Aufklärung der Patientin über das geringe, aber nicht vollständig auszuschließende Risiko ist daher obligat.

Symposium „Fertilitätsprotektion bei Mann und Frau“

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