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Dermatologie

Dermatosen

Hautveränderungen und internistischer Erkrankungen

Dr. med. Yuri Sankawa

24.5.2023

Hautveränderungen sind ein häufiger Beweggrund, die hausärztliche Praxis aufzusuchen. Manchmal können sie aber auch Hinweise auf schwerwiegende systemische Erkrankungen etwa der Leber oder der Niere liefern, die nicht übersehen werden sollten.

Da die Haut in engem Austausch mit dem Gesamtkörper steht, reflektiert sie oftmals erste Anzeichen und/oder Symptome einer internistischen Erkrankung. Allerdings kann nahezu jedes Organsystem auch kutane Manifestationen verursachen, womit sich die Liste der bedenkenswerten Ursachen schnell unübersichtlich gestaltet.

Einige systemische Krankheiten sind aber für eine dermatologische Manifestation besonders typisch: So können chronische Beeinträchtigungen der Leber mit einer ganzen Reihe von auffälligen Hautveränderungen einhergehen, z. B. einer dünnen, pergamentartig veränderten Haut, einem Palmarerythem, oder einer rauen, trockenen Haut mit plattenförmiger Schuppung (erworbene Ichthyose) als Hinweise auf eine Leberzirrhose.

Ein Ikterus der Haut und der Schleimhäute sowie ein generalisierter Pruritus ­können Ausdruck einer ­Cholestase sein, eine Purpura kann auf eine Störung der Thrombozytenzahl oder der plasmatischen ­Gerinnung hinweisen. Ferner können Dupuytren-­Kontrakturen, Spider-Nävi und unilaterale Tele­angiektasien im Gesicht sowie der Verlust der Körperbehaarung Zeichen einer fortgeschrittenen Lebererkrankung sein. Was die Genese der Lebererkrankung betrifft, sind die Hautveränderungen aber häufig unspezifisch.

Typisch für Kollagenosen

Im Bereich der chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen imponieren vor allem Kollagenosen mit klassischen Hautbefunden. Beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) berichtete mehr als die Hälfte der Betroffenen (59 %) in einer aktuellen europäischen Umfrage eine Beteiligung der Haut, wobei Hauttrockenheit zu den störendsten Symptomen gerechnet wurde. Neben dem bekannten Schmetterlingserythem im Gesicht können auch zahlreiche uncharakteristische polymorphe Exantheme am Stamm auftreten.

Im seltenen Fall einer Dermatomyositis können charakteristische heliotrope Erytheme im Gesicht-, Nacken- und Schulterbereich sowie an Ellenbogen, Vorderarm und Händen bestehen („Mechaniker-Hände“). Ferner können lichenoide Papeln (Gottron-Papeln) über den Fingerstreckseiten vorliegen. Als gesichert gilt: Das Malignomrisiko ist 6- bis 12-mal so hoch wie in der Normalbevölkerung, sodass hier bei Erwachsenen ein regelmäßiges Tumor-Screening angezeigt ist. Eine weitere Kollagenose mit vergleichsweise klassischen kutanen Manifestationen kann bei Patienten mit systemischer Sklerose vorliegen: Häufige Hautsymptome umfassen Raynaud-Syndrom, Sklerodaktylie, Teleangiektasien, digitale Ulzerationen und calcifizierte Knoten.

Bei einer rheumatoiden Arthritis (RA) können derbe, verschiebliche Knötchen im Subkutangewebe an ­mechanisch belasteten Stellen (z. B. Ellenbogen) ­bestehen. Seltener kann eine RA mit neutrophilen/granulomatösen Dermatitiden und Vaskulitiden assoziiert sein. Bei Hinweisen auf eine Kollagenose bzw. Erkrankung aus dem Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen sollten Patienten einer weiterführenden histologischen sowie serologischen Untersuchung beim spezialisierten Kollegen zugeführt werden, damit eine Sicherung der Diagnose erfolgen kann und das Ausmaß der systemischen Beteiligung evaluiert wird.

Häufiges Leitsymptom Pruritus

Chronischer Pruritus ist ein wichtiges fachübergreifendes Leitsymptom, das oftmals mit hohem subjektivem Leidensdruck verbunden ist. Die Inzidenz beträgt in der Allgemeinbevölkerung 7 % pro Jahr, wobei nach internationaler Nomenklatur ein Pruritus als „chronisch“ gilt, der über 6 Wochen besteht. Als Symptom kann der chronische Pruritus sich auch verselbstständigen und trotz Abheilung der zugrunde liegenden Ursache persistieren. Dabei kann sich durch kratz-assoziierte Hautveränderungen der ursprüngliche Hautstatus verändern; sekundäre Läsionen wie Erosionen, Exkoriationen und Ulzerationen können die Abgrenzung zum Primärbefund erschweren.

Differenzialdiagnostisch sind neben systemischen Erkrankungen auch dermatologische, neurologische oder psychische Erkrankungen zu bedenken, wobei der Pruritus prinzipiell auch multifaktoriell verursacht sein bzw. eine eindeutige Ursache fehlen kann. Eine Korrelation zwischen der Generalisierung von Pruritus und einer systemischen Erkrankung als Ursache scheint nach aktuellem Stand des Wissens aber nicht zu bestehen. Die aktuelle S2k-Leitlinie bietet einen Überblick über die aktuellen Standards zur interdisziplinären Diagnostik und das therapeutische Vorgehen bei chronischem Pruritus.

Maligne Grunderkrankungen nicht übersehen

Da viele Hautmanifestationen auch bei malignen Tumoren auftreten können, sollte auch stets an die Möglichkeit einer kutanen Metastasierung oder ein paraneoplastisches Phänomen gedacht werden. Kutane Veränderungen können insbesondere im Zuge hämatologischer Tumoren (z. B. multiples Myelom, Lymphome) häufiger auftreten.

Literatur bei der Autorin

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