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Allgemeinmedizin

Hypogonadismus

Bei Testosterontherapie den Hämatokrit beachten

27.3.2024

Testosteronmangel begünstigt eine verminderte Blutbildung. Ob eine Ersatztherapie eine Anämie korrigieren oder deren Entwicklung bei Männern mit Hypogonadismus verhindern kann, ist noch nicht vollständig geklärt. Was zeigen aktuelle Studiendaten und worauf ist in der Praxis zu achten?

Bei gesunden Männern bleibt der Testosteronspiegel über alle Altersstufen hinweg prinzipiell konstant  [1]. Ein Absinken mit zunehmendem Alter findet hauptsächlich bei kranken Männern statt, erläuterte Prof. Dr. med. Michael Zitzmann (Münster). Ein Hypogonadismus und damit eine Indikation zur Testosterontherapie liegt entsprechend der EAU-Leitlinie vor, wenn konstant niedrige Testosteronspiegel (Gesamt T < 12,1 nmol/l oder freies T < 243 pmol/l) gemessen werden [2].

Die häufigste Nebenwirkung einer Testosterongabe ist die Zunahme des Hämatokrits. Dies kann kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfall oder Myokardischämie begünstigen. „Testosteron und Hämatokrit sollen nach 3, 6 und 12 Monaten und danach jährlich überwacht werden“, so Zitzmann. Falls sich der Häma­tokrit über 0,54 erhöht, empfiehlt die Leitlinie eine Verringerung der Testosterondosis oder eine Umstellung von intramuskulärer auf topische Applikation. Das prospektive zweiarmige Register HEAT (HEmatopoietic Affection of Hypogonadal Men ­Receiving Testosterone Substitution) verglich die ­Auswirkungen eines transdermalen Testosteron-Gels versus lang wirksamem intramuskulären Testosteron­undecanoat (TU) auf die Hämatopoese u. a. unter Berücksichtigung von Alter, Diagnose und Adipositas [3]. Von 802 in die Untersuchung eingeschlossenen Männern mit Hypogonadismus erhielten 498 Testosteron-Gel und 304 TU intramuskulär. Das mediane Alter betrug 40 Jahre. Die Testosteronspiegel stiegen in beiden Patientengruppen deutlich an. Männer, die intramuskuläres TU erhielten, wiesen einen signifikant höheren Hämatokritwert (> 50 %) auf als Männer, die Gel erhielten (69/304 vs. 25/498; p < 0,001).

Die randomisierte, placebokontrollierte TRAVERSE-Anaemia-Studie untersuchte die Wirkungen von ­Testosteron-Gel auf Anämie bei Männern mit Hypogonadismus [4]. Ebenso wurde eine mögliche Ver­ringerung des Anämie-Risikos bei bislang noch nicht davon betroffenen Männern mit Hypogonadismus analysiert. Insgesamt nahmen 5 204 Männer, davon 815 mit einer bekannten Anämie, an der Studie teil. Es zeigte sich, dass bei einem signifikant größeren Anteil der mit Testosteron-Gel behandelten Männer die Anämie korrigiert wurde im Vergleich zu Placebo. Unter den Teilnehmern ohne Blutarmut entwickelte ein deutlich geringerer Anteil der Verumgruppe eine Anämie als die mit Placebo behandelten Männer.

Eine Testosterontherapie bei hypogonadalen Männern erhöht die Bildung roter Blutkörperchen und kann eine Anämie mindern, fasste Zitzmann zusammen. „Die Erhöhung des Hämatokritwertes ­erfolgt in Abhängigkeit von der Testosterondosis und Applikationsform, aber auch vom Alter und Gewicht“, so der Experte.

  1. Kelsey TW et al., PLoS One 2014; 9: e109346
  2. Dohle GR et al., Guidelines on male hypogonadism. European Association of Urology 2019
  3. Zitzmann M et al., Aging Male 2022; 25: 134–44
  4. Pencina KM et al., JAMA Netw Open 2023; 6: e2340030

Pressekonferenz „TRAVERSE-Studie: Wie wirkt sich eine Testosterontherapie auf das kardiovaskuläre Risiko und die Anämie-Häufigkeit bei hypogonadalen Männern aus?” (Veranstalter: Besins Healthcare Germany GmbH), November 2023

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