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Allgemeinmedizin

Herzinsuffizienz, Diabetes, chronische Nierenerkrankung

Hyperkaliämie: Kaliumbinder an- statt RAASi absetzen

12.6.2026

Wenn sich bei der Therapie mit RAAS(Renin-Angiotensin-Aldosteron-System)-Inhibitoren (RAASI) eine Hyperkaliämie einstellt, sollte nicht mit einer Dosisreduktion reagiert werden, sondern mit der Verordung eines modernen Kaliumbinders, empfiehlt der jüngst veröffentlichte nationale Experten-Konsensus [1].

Bei Herzinsuffizienz, Diabetes oder einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) sind RAASI Mittel der Wahl, um die Mortalität zu senken. Ein Nachteil von ACE-Hemmern und Sartanen ist aber, dass oft die Kaliumspiegel über 5,5 mmol/l steigen. Die Hyperkaliämie (HK) erhöht ihrerseits die Sterblichkeit [2]. Da eine HK für Patienten und Patientinnen meist unbemerkt bleibt, sollte der Kaliumspiegel regelmäßig – etwa einmal im Quartal – kontrolliert werden. Allerdings unterbleibe dies im Praxisalltag oft, beklagte Dr. med. Birgit Schleß (Neu-Ulm). Die Nephrologin stellte mit der WATCH-K-Studie Daten zum HK-Management vor: In der retrospektiven Querschnittsanalyse wurden die Datensätze von 411 202 Menschen mit erhöhtem HK-Risiko (z. B. bei Diabetes, Herzinsuffizienz, CKD) aus 1 238 deutschen Hausarztpraxen ausgewertet [3]. Ergebnis: Nur bei gut einem Drittel wurde Kalium gemessen, davon hatte etwa ein Viertel tatsächlich eine HK. Hiervon wiederum wurde nur bei 2 % die HK im ICD-10 codiert. Und davon erhielten wiederum nur knapp 10 % einen Kaliumbinder – nach internationalen Leitlinien Mittel der Wahl bei HK.

Doch in deutschen Praxen sieht es anders aus: Hier ist die häufigste Strategie den Kaliumspiegel zu ­senken, die RAASI-Dosis zu reduzieren oder ganz abzusetzen. PD Dr. med. Sven Waßmann (München) berichtete von der Studie ZORA-HF, bei der die ­Versichertendaten von 8 325 Patientinnen und ­Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und HK analysiert wurden [4]. Demnach wurde die RAASI-Therapie bei 46,5 % der Erkrankten reduziert. Doch das kann fatal sein: Jene mit reduzierter RAASI-­Dosis hatten nach 6 bzw. 12 Monaten ein signifikant erhöhtes Hospitalisierungsrisiko [5]. Auch die ­Mortalität verdoppelte sich nach Dosisreduktion/Absetzen [1,6].

Eingang in internationale Leitlinien

Ausweg aus dem Dilemma können moderne Kali­umbinder wie Natrium-Zirconium-Cyclosilicat sein, so Prof. Prof. h.c. Dr. med. Markus van der Giet (Berlin). Diese Substanzen seien auch langfristig sicher und effektiv – nachgewiesen in großen randomisierten Studien [7,8]. Zudem haben sie Eingang in internationale Leitlinien gefunden [9,10]. Allerdings gibt es für die HK noch keine nationale Leitlinie. Wie diese aussehen könnte, haben Ärzte und Ärztinnen aus den Bereichen Kardiologie, Allgemeinmedizin und Nephrologie in einem nationalen Konsensuspapier zusammengefasst [1].

  1. Eitel I et al., Dtsch Med Wochenschr 2026; 151(5): 221–8
  2. Collins AJ et al., Am J Nephrol 2017; 46: 213–21
  3. Latus J et al., Poster P15-04; https://doi.org/10.1007/s00108-025-01898-1
  4. Latus J et al., Poster P24-07; https://doi.org/10.1007/s00108-025-01898-1
  5. Breitbart P et al., https://doi.org/10.1007/s00392-024- 02406-5
  6. Epstein M et al., Am J Manag Care 2015; 21: 212–20
  7. Bushinsky DA et al., Kidney Int 2015; 88: 1427–33
  8. Kosiborod M et al., JAMA 2014; 312: 2223–33
  9. McDonagh TA et al., Eur Heart J 2021; 42: 3599–726
  10. KDIGO Diabetes Work Group. Kidney Int 2022; 102: S1–S127

Pressekonferenz „Nationaler Konsensus ebnet Weg für chronisches Hyperkaliämie-Management“ (Veranstalter: AstraZeneca GmbH), März 2026

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