Hausärztinnen und -ärzte können den Verlauf einer Herzinsuffizienz günstig beeinflussen. Sie initiieren und modifizieren die Medikation und haben eine Lotsenfunktion bei der Weiterleitung in die kardiologische Praxis oder die stationäre Behandlung. Worauf zu achten ist, wurde in einer virtuellen Fortbildung vorgestellt.
Etwa 4 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Herzinsuffizienz (HF). Sie ist die häufigste Einweisungsdiagnose bei über 60-Jährigen und die Zahl der Betroffenen steigt. Damit diese die bestmögliche Prognose haben, muss die HF früh erkannt und Patienten sowie Patientinnen müssen rasch und leitlinienkonform behandelt werden.
Die hausärztliche Praxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn HF-Patientinnen und -patienten infolge der unzureichenden Pumpleistung des Herzens Kardinalsymptome wie Luftnot und/oder Ödeme in den Beinen entwickeln und weniger belastbar sind. Zu den Beschwerden gehören auch Müdigkeit, Schwindel, nächtliches Husten, Verwirrtheit oder Depressionen. Auch sie seien zu beachten, weil HF nicht bei jedem Betroffenen mit der typischen Kurzatmigkeit einhergehe, erklärte Dr. med. Alexander Beck (Essen). HF sei ein progredientes klinisches Syndrom mit hoher Mortalität – ähnlich einem Malignom. Begleiterkrankungen erhöhen das Risiko für HF und verschlechtern Verlauf und Prognose. Die steigende Prävalenz der arteriellen Hypertonie, der chronischen Nierenkrankheit und des Typ-2-Diabetes leiste der zunehmenden HF-Prävalenz mit erhaltener systolischer Funktion (HFpEF) Vorschub.
Schneller Therapieeinstieg ist wichtig
Beck stellte den Diagnose-Algorithmus der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vor. Liegen Risikofaktoren, Symptome und/oder Anzeichen sowie ein abnormales EKG vor, sollte der Spiegel des N- Terminal Pro-B-Type Natriuretic Peptide (inaktives Spaltprodukt, das bei der Bildung von BNP entsteht) oder der des BNP (Brain Natriuretic Peptide) bestimmt werden. Beide Spiegel sind bei Herzbelastung erhöht. Bei deutlicher Erhöhung (NT-proBNP ≥ 125 pg/ml; BNP ≥ 35 pg/ml) und passender Anamnese sei HF sehr wahrscheinlich. Allerdings könnten auch Lungenembolie, akutes Koronarsyndrom, Myokarditis, Trauma, Elektroschock, hohes Alter, Nierenschwäche, Schlaganfall, COPD und Anämie die Spiegel erhöhen. Sinken könnten sie bei Adipositas.
Da die Lebensqualität bei HF deutlich geringer ist als bei anderen chronischen Erkrankungen und mit jeder Dekompensation der Allgemeinzustand schlechter wird und das Mortalitätsrisiko steigt, muss die Therapie möglichst rasch beginnen.
Entscheidend sei die Einleitung und Titration aller in den Leitlinien empfohlenen medikamentösen Therapien, sagte Beck. Natrium-Glucose-Cotransporter-2-Inhibitoren (SGLT2i) wie Dapagliflozin seien leitliniengemäß für alle HF-Formen geeignet und ein zentraler Baustein des Basisalgorithmus bei:
SGLT2i können schon vor Messung der linksventrikulären EF in der fachärztlichen Praxis verordnet werden. Dies sei wichtig, weil die HF-Phänotypisierung dort oft ein „Nadelöhr“ der Versorgung sei.
Online-Fortbildung „CVRM (kardiovaskuläres Risikomanagement) Wissen kompakt: Das schwache Herz in der Hausarztpraxis“ (Veranstalter: AstraZeneca GmbH), April 2026