Mit der zunehmenden Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas rücken neben gastrointestinalen Nebenwirkungen auch dermatologische Begleiterscheinungen stärker in den Fokus – unter anderem der nicht vernarbende Haarausfall.
Für Semaglutid und den dualen GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten Tirzepatid mehren sich Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für nicht vernarbenden Haarausfall. Eine aktuelle US-Datenbankanalyse liefert hierzu neue Real-World-Daten [1]. Als Endpunkte dienten neu diagnostiziertes Telogeneffluvium und andere Formen nicht vernarbender Alopezie. Eine Alopecia areata wurde als Negativkontrolle untersucht. Insgesamt ergab sich sowohl für Semaglutid als auch für Tirzepatid ein Signal für ein erhöhtes Haarausfallrisiko.
Unter Semaglutid war bei Patienten und Patientinnen mit Typ-2-Diabetes das Risiko für andere nicht vernarbende Alopezien nach 1, 3 und 5 Jahren erhöht. Ein Telogeneffluvium trat insbesondere nach längerer Behandlung häufiger auf. Bei Adipositas war die Assoziation ausgeprägter; in einzelnen BMI-Gruppen wurden Odds Ratios bis 3,5 beobachtet [1].
Auch unter Tirzepatid zeigten sich erhöhte Raten. Bei Typ-2-Diabetes war das Risiko für ein Telogeneffluvium zu allen untersuchten Zeitpunkten erhöht, ebenso das Risiko anderer nicht vernarbender Alopezien. Bei Patientinnen und Patienten mit Adipositas bestand die Assoziation über sämtliche BMI-Kategorien hinweg. Im direkten Vergleich mit anderen GLP-1-RA fiel das Signal für Tirzepatid besonders deutlich aus [1].
Gewichtsverlust als möglicher Trigger
Ob die Wirkstoffe selbst den Haarzyklus beeinflussen, bleibt ungeklärt. Auffällig war jedoch, dass Erkrankte mit Haarausfall im Follow-up einen niedrigeren BMI aufwiesen. Dies unterstützt die Hypothese, dass weniger eine direkte pharmakologische Wirkung als vielmehr der rasche und ausgeprägte Gewichtsverlust eine Rolle spielen könnte [1,2].
Ein solches Muster ist vom Telogeneffluvium bekannt: Metabolischer Stress, eine deutliche Kalorienrestriktion und Veränderungen der Nährstoffzufuhr können vermehrt Haarfollikel aus der Anagen- in die Telogenphase überführen. Systematische Auswertungen sehen insbesondere für Semaglutid und Tirzepatid ein konsistentes, wenngleich bislang nicht kausal gesichertes Signal [2,3]. rm