Rund 500 000 Erwachsene tragen in Deutschland laut aktuellen Krankenkassendaten die Diagnose Hyperhidrose, doch die Dunkelziffer dürfte höher liegen [1]. Sind Patientinnen und Patienten nur leicht bis moderat betroffen, kommen auch pflanzliche Arzneimittel oder Akupunktur infrage.
Typischerweise beginnt die primäre Hyperhidrose bereits in der Jugend und betrifft vor allem Handflächen, Fußsohlen und Achseln, unabhängig von Wärmereizen. In der dermatologischen Sprechstunde landet nur ein Teil der Betroffenen: nur etwa ein Drittel sucht irgendwann eine Dermatologin oder einen Dermatologen auf, die Erstversorgung übernehmen meist Allgemeinmediziner oder Internisten [1].
Salbei: Anwendung und Forschung
Acetylcholin bindet am M3-Rezeptor der ekkrinen Schweißdrüse und löst über eine Calciumkaskade die Sekretion aus [2]. Im Salbei (Salvia officinalis) enthaltene Gerbstoffe wie Rosmarinsäure und Flavonoide hemmen diesen Schritt mutmaßlich, wobei das antihidrotische Wirkprinzip nicht genau bekannt ist [3]. Wie variabel Handelspräparate zusammengesetzt sind, dokumentiert eine Analyse von 16 Salbeitee-Marken: Der Rosmarinsäuregehalt schwankte um mehr als das 20-Fache, von 12,2 –296 mg/l [4]. Auch das ätherische Öl trägt zur Wirkung bei. Es enthält jedoch das Neurotoxin Thujon, dessen tägliche Aufnahme die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) auf 6,0 mg begrenzt. Um das Risiko zu minimieren, empfiehlt die EMA thujonarme Chemotypen [5].
Ältere, offene und unkontrollierte Untersuchungen aus den 1930er-Jahren verglichen bei idiopathischer Hyperhidrose einen wässrigen Trockenextrakt (440 mg) mit Salbeitee (4,5 g Blätter tägl.) an jeweils 40 Personen [3]. Die Schweißsekretion sank in beiden Gruppen um mehr als die Hälfte. In einer oft angeführten placebokontrollierten Salbei-Studie wurden indes gar keine Hyperhidrose-Betroffene untersucht, sondern Frauen in der Menopause mit Hitzewallungen. Hier ist also Vorsicht bei der Einordnung geboten. Die Originalarbeit erschien 2011 als offene, unkontrollierte Multicenter-Studie mit 71 Teilnehmerinnen [6]. In einer späteren, randomisierten Doppelblindstudie erhielten 80 menopausale Frauen (Alter 48 – 65 Jahre) 4 Wochen lang entweder Tabletten mit frischem S.-officinalis-Extrakt oder ein Placebo [7]. In der Salbeigruppe kam es zu einem signifikanten Rückgang der Menopause-Rating-Skala (MRS), mit der der Schweregrad menopausaler Beschwerden gemessen wird, um 39,2 % im Vergleich zu Placebo (p = 0,002). Der Hitzewallungs-Schweregrad (HFS) sank um 55,3 % und erreichte ab Woche 3 statistische Signifikanz (p = 0,028). Beide Arbeiten liefern einen Hinweis auf den peripheren, anticholinergen Wirkmechanismus, können aber nicht als Beleg für die Wirksamkeit bei primärer Hyperhidrose gelten. Die S1-Leitlinie weist darauf hin, dass kontrollierte Studien zur Wirksamkeit von Salbei bei primärer Hyperhidrose bislang nicht vorliegen [8].
In der Praxis kommen bei exzessivem Schwitzen Tee als Aufguss (2 g geschnittenes Salbeiblatt auf 150 ml kochendes Wasser), Trockenextrakt Fertigpräparate (3 x 80 –160 mg tägl.) sowie Flüssigextrakte (je nach Ethanolgehalt 3 x 0,5 –2 ml tägl.) infrage [5]. Eine Einnahme während der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen; Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind bislang nicht bekannt [5].
Akupunktur: Ansatz und aktuelle Datenlage
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gilt Schweiß als Ausdruck der Wei-Qi-Regulation, der Abwehrkraft, die unter Kontrolle der Lunge die Poren öffnet und schließt [2]. Mithilfe von Akupunktur soll die Wei-Qi-Funktion wiederhergestellt, die Poren stabilisiert und Organdysfunktionen ausgeglichen werden. Über lokale Meridiane wird zudem die jeweils betroffene Schwitzzone gezielt angesprochen. Speziell für die primäre Hyperhidrose befindet sich die klinische Evidenz aber noch im Aufbau. Ein aktueller narrativer Review identifizierte insgesamt nur 3 Arbeiten hierzu [2]. Die einzige randomisierte Studie verglich bei chinesischen Patientinnen und Patienten Akupunktur an den 34 Huatuojiaji-Punkten mit dem Schlafmittel Estazolam (30 vs. 26 Teilnehmende). Die Ansprechrate lag bei 96,7 % vs. 57,7 % [9]. Zwei weitere Publikationen liegen als Fallserie mit 3 Patienten aus der Türkei sowie als griechischer Einzelfallbericht mit vollständiger Remission nach 4 Sitzungen Ohrakupunktur vor [10,11]. Die gesamte Evidenz sollte, so das Resümee, als hypothesengenerierend und als Ausgangspunkt für größere Studien, nicht als endgültig gewertet werden [2].
Deutlich mehr Evidenz gibt es bei menopausalen und brustkrebsassoziierten Hitzewallungen. Hierzu liegen Metaanalysen mit fast 2 000 Teilnehmerinnen vor, etwa 19 randomisierte Studien mit 1 127 Frauen oder 13 Studien mit 844 Patientinnen [2]. Als mögliche Wirkungsweise der Akupunktur bei Hyperhidrose wird eine Modulation des vegetativen Nervensystems, eine Senkung des Vasodilatators CGRP sowie immunmodulatorische Effekte über die Zytokinbalance diskutiert [2]. Leider lassen sich diese Effekte auch hier nicht direkt auf die primäre Hyperhidrose übertragen.