Viele Krebspatientinnen und -patienten suchen nach unterstützenden Maßnahmen beim Symptom- und Nebenwirkungsmanagement. Hochdosiertes Vitamin C rückt dabei immer wieder in den Fokus. Doch was unterscheidet die orale von der intravenösen Gabe, und wie belastbar ist die Datenlage?
Im Gegensatz zur oralen Zufuhr von Vitamin C über Nahrung oder Ergänzungspräparate steht bei hochdosierten intravenösen Infusionen nicht der nährstoffbezogene, sondern ein pharmakologischer Effekt im Vordergrund. Der Unterschied zwischen oraler und intravenöser Gabe liegt in der Pharmakokinetik, die maßgeblich durch zelluläre Transportproteine bestimmt wird. Vitamin C gelangt über die natriumabhängigen Ascorbat-Cotransporter SVCT1 sowie SVCT2 und die Hexosetransporter (GLUT), welche die oxidierte Form (Dehydroascorbat) aufnehmen, in die Zellen.
Allerdings begrenzt die Sättigungskapazität von SVCT1 die orale Aufnahme, sodass die Plasmakonzentration dabei kaum 200 µmol/l übersteigt. Wird diese Resorptionsbegrenzung durch die i.v.-Gabe umgangen, lassen sich Spitzenspiegel von bis zu 20 mmol/l erreichen [1]. Erst in diesem Bereich wirkt Vitamin C als Prooxidans. Es generiert Wasserstoffperoxid, das selektiv toxisch auf Tumorzellen wirkt, und schädigt darüber den DNA- und ATP-Haushalt der Tumorzellen, während gesundes Gewebe aufgrund der höheren Katalase-Aktivität weitestgehend verschont bleibt [2-4].
Das erklärt auch die widersprüchliche Studienlage der 1970er/1980er-Jahre. Während rein orale Prüfungen keinen Überlebensvorteil beweisen konnten, hatten Forschende mit einer kombinierten oral-intravenösen Gabe positive Effekte dokumentiert [1]. Für Ernährung und Prävention folgt daraus, dass Vitamin C bei physiologischen Konzentrationen chemoprotektiv als klassisches Antioxidans wirkt und nicht tumorselektiv-zytotoxisch [5]. Auch eine aktuelle Studie auf Basis genetischer Daten konnte keine kausale protektive Wirkung oraler Vitamin-C-Zufuhr auf das Hautkrebsrisiko nachweisen [6].
Einsatz bei onkologischen Nebenwirkungen
Seinen möglichen klinischen Stellenwert hat das Verfahren derzeit in der supportiv-onkologischen Behandlung. Krebserkrankte sind häufig Vitamin-C-defizitär; Studien zeigten je nach Kollektiv bei 30 –45 % einen Mangel [7,8]. Unter aktiver Chemo- oder Immuntherapie war der Anteil mit manifestem Mangel mit 8,7 % vs. 1,1 % vor Behandlungsbeginn deutlich höher [9]. In einer retrospektiven Multicenter-Kohortenstudie an 125 Brustkrebspatientinnen reduzierte begleitendes i.v.-Vitamin C unter Chemo-/Radiotherapie und in der Nachsorge signifikant Übelkeit, Appetitverlust, Fatigue, Depression, Schlafstörungen und Blutungsneigung, ohne dokumentierte Nebenwirkungen der Infusion selbst [10].
Eine systematische Übersichtsarbeit über 37 Studien ergab keine Hinweise darauf, dass begleitende Vitamin-C-Hochdosis-Infusionen die Toxizität erhöhen oder die Wirksamkeit gängiger Chemotherapie-
Regime (z. B. Gemcitabin/Erlotinib oder Paclitaxel/Carboplatin) beeinträchtigen [3]. Stattdessen deuten die analysierten Arbeiten auf eine verbesserte Lebensqualität sowie eine Linderung therapieassoziierter Beschwerden wie Fatigue, Übelkeit, Schlafstörungen und Obstipation hin. Die Autorinnen und Autoren eines Reviews kommen zu einer ähnlichen Einschätzung und beschreiben eine Linderung der tumor- und chemotherapiebedingten Fatigue sowie Besserungen in verschiedenen Lebensqualitätsdomänen [11].
In einer retrospektiven Auswertung von 86 Personen mit mehr als 3 000 Infusionen (50 –150 g) über einen Zeitraum von 7 Jahren erwies sich die Anwendung ebenfalls als sehr sicher [12]. Vorübergehende Übelkeit und lokale Reizungen an der Injektionsstelle traten bei < 3 % der Applikationen auf, während die Betroffenen von reduzierten Schmerzen, besserer Stimmung und weniger Fatigue berichteten. Für die analgetische Wirkung wird u. a. diskutiert, dass Vitamin C als Kofaktor für die Biosynthese körpereigener, amidierter Opioidpeptide fungiert. In Studien war unter Hochdosis-Vitamin-C ein geringerer Opioidbedarf zu beobachten [13].
Allerdings fehlen vielen Daten Kontrollgruppen, was sie anfällig für Placeboeffekte und Reporting-Bias macht. Zwei kritische Übersichtsarbeiten kommen daher zu einer zurückhaltenderen Bewertung: Für eine tumorhemmende oder chemosensibilisierende Wirkung beim Menschen fehlt die Evidenz, keine randomisierte Studie zeigte einen signifikanten Überlebensvorteil oder eine reduzierte Toxizität; ein palliativer Nutzen bei Fatigue und Schmerz erscheint zwar plausibel, ein Placeboeffekt sei mangels kontrollierter Studien aber nicht auszuschließen [14,15].
Kontraindikationen und Risikofaktoren
Vor jeder Anwendung sind Kontraindikationen zu prüfen. Ein Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel muss wegen der Gefahr einer Hämolyse ausgeschlossen werden, bei Niereninsuffizienz besteht ein erhöhtes Risiko für Oxalatnephropathien, bei Hämochromatose für eine verstärkte Eisenüberladung. Zudem können hohe Vitamin-C-Spiegel die Ergebnisse von Blutzuckermessungen bei begleitendem Diabetes verfälschen [1,5]. Ebenfalls sollte auf mögliche Elektrolytverschiebungen (Hypernatriämie, Hypokaliämie) geachtet werden, denen viele Protokolle mit Calcium-, Magnesium- und Kaliumchlorid vorbeugen [3].