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Fokus Naturmedizin

Lipidstoffwechsel

Phytotherapie und Mikronährstoffe beim gestörten Cholesterinhaushalt

Dr. rer. nat. Christine Reinecke

27.3.2026

Ob Rotschimmelreis, Bergamotte oder Berberin: zur LDL-Senkung werden Nahrungsergänzungsmittel mit Pflanzenextrakten immer beliebter. Wie ist die Evidenz? Da die Phytosubstanzen in der Fachwelt kontrovers diskutiert werden, sollten Patienten und Patientinnen diese nicht eigenmächtig supplementieren.

Erhöhte Werte von LDL-Cholesterin sind kausal mit kardiovaskulären Ereignissen verbunden. Studien verdeutlichen es eindrücklich: Je niedriger der erreichte LDL-C-Wert, desto geringer ist das Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Ereignisse [1]. Neben lipidsenkenden Arzneimitteln wird auch der Einsatz von natürlichen Wirkstoffen diskutiert. Die meist pflanzlichen Substanzen sind als Nahrungsergänzungsmittel frei verfügbar.

Eine aktuelle Studie zeigt: Roter Hefereis kann die LDL-Spiegel senken

Roter Reis erhält seine Färbung durch Spurenelemente im Boden. Roter Hefereis (Red Yeast Rice, RYR) und Rotschimmelreis dagegen enthalten ein rotes Pigment, das während des Fermentierungsprozesses mit einem Schimmelpilz oder einer Hefe gebildet wird. Daneben entsteht auch Monacolin K, ein Strukturanalogon des Lipidsenkers Lovastatin. Beide Moleküle hemmen das Schlüsselenzym der Cholesterinbiosynthese, wobei Monacolin K etwas schwächer agiert.

Wie in einem aktuellen narrativen Review berichtet, reduzierten bis zu 10 mg Roter Hefereis täglich die LDL-Spiegel innerhalb von 6 bis 8 Wochen um bis zu 34 % (vs. Placebo). Das war oft mit erniedrigtem Apolipoprotein B, Gesamtcholesterin, C-reaktivem Protein und Non-HDL-Cholesterin sowie einem niedrigeren Blutdruck verbunden. Beobachtet wurden leichte Myalgien, vor allem bei Patientinnen und Patienten, die keine niedrigdosierten Statine vertrugen.

Der Autor der University of Nebraska Medical Center College of Medicine in Omaha (USA) hält Roten ­Hefereis bei Personen ohne Gefäßrisikofaktoren für sicher und effektiv bei leichter bis moderater Hyperlipidämie [2].  

Dass auch weniger Monacolin cholesterinsenkend wirken kann, hatte eine Primärpräventionsstudie bereits im Jahr 2016 gezeigt [3]. In dieser erhielten 142 Personen mit Hypercholesterinämie, die nicht mit Statinen behandelt worden waren, täglich 3 mg Monacolin K plus 200 mg Folsäure oder Placebo über 12 Wochen. Danach hatte sich in der Monacolin-Gruppe der LDL-C-Spiegel signifikant verringert (-14,8 %; p < 0,001), ebenso das Gesamtcholesterin (-11,2 %) und das Homocystein (-12,5 %).

Insgesamt erreichten 51 % der Probanden und Probandinnen den empfohlenen Grenzwert (LDL-C < 4,14 mmol/l) und 26 % der Teilnehmenden den Schwellenwert für Homocystein (< 10 mmol/l). Intoleranzen oder schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet, wie die Studienautorengruppe der Leibnitz-Universität Hannover abschließend ­erklärte [3].

Kontroverse

In der EU ist laut Verordnung von Juli 2024 die Verwendung von Monacolin aus Rotschimmelreis in Mengen von 3 mg und mehr je Tagesportion verboten. Nach 4 Jahren wird die Kommission anhand eingereichter Daten erneut über die Sicherheit entscheiden.

Die im Jahr 2012 vergebene gesundheitsbezogenen Aussage zu Monacolin („Aufrechterhaltung eines normalen LDL-Cholesterinspiegels im Blut“) sollte nicht mehr verwendet werden [4].

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät wegen erheblicher gesundheitlicher Sicherheitsbedenken sogar davon ab, Nahrungsergänzungsmittel mit Rotschimmelreis zu verwenden. Wenn überhaupt, sollte die Einnahme von Monacolin aus Rotschimmelreis nur nach ärztlicher Rücksprache und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen [5].

Berberin: ein Isochinolin-Alkaloid, das den HbA1c-Wert reduzieren kann

Berberin ist ein Isochinolin-Alkaloid aus der Rinde der Berberitze. Das Molekül wirkt cholesterinsenkend, indem es die Expression des LDL-Rezeptors in den Leberzellen steigert. Die Sicherheit und Wirksamkeit einer Kombination aus Berberin und Ursodesoxycholsäure wurde in einer chinesischen Studie bei Patienten und Patientinnen mit unzureichend kontrolliertem Diabetes mellitus Typ 2 untersucht. Wie die Auswertung ergab, reduzierte sich der HbA1c-Wert signifikant und dosisabhängig (- 0,4 % unter 500 mg bzw. - 0,7 % unter 1 000 mg). Die Nüchternglucose verbesserte sich (-13,0 mg/dl bei 500 mg bzw. -18,4 mg/dl bei 1 000 mg), die Enzyme ALT, AST und GGT wurden gesenkt, das LDL- und Gesamtcholesterin reduziert sowie Triglyceride

und Entzündungsmarker gesenkt [6].

Die Wirkmechanismen: Berberin aktiviert die AMP-Kinase, hemmt das NLRP3-Inflammasom und moduliert den Insulinrezeptor. Ursodesoxycholsäure reduziert die Insulinresistenz, fördert die Sekretion von Insulin und wirkt insgesamt ­entzündungshemmend.

Datenlage uneinheitlich – Einschätzung schwierig

Berberin wird in Europa und der übrigen Welt unterschiedlich bewertet. Die Einschätzung der Studie aus China in der Gelben Liste Pharmindex: Die Verbesserung der Leberwerte und der Lipidprofile könnte über die glykämische Kontrolle hinaus klinisch relevant sein. Weiterführende Phase-III-Studien wären notwendig, um die Langzeitwirkung, Sicherheit und Anwendbarkeit in einer breiteren Patientengruppe zu überprüfen. Erst mit diesen Daten könne beurteilt werden, ob das Berberin-Derivat eine Option im klinischen Alltag ist [7].

Im Sommer 2023 wurde die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beauftragt, die Sicherheit von Berberin zu prüfen.

In jenem Jahr wurde ebenfalls ein Antrag auf Novel-Food-Zulassung für Berberin-Hydrochlorid gestellt, seit Mai 2024 ist die EFSA mit der Sicherheitsprüfung befasst [8].

Bergamotte: Extrakte können die kardiovaskuläre Gesundheit schützen

Citrus Bergamia, mit der Limette verwandt und in Kalabrien heimisch, enthält neben flüchtigem Limonen, Linalylacetat und Bergapten auch das Flavonoid Naringin. Dieses wirkt auf das Protein PCSK9, welches die LDL-Rezeptoren auf den Leberzellen abbaut. Dass Bergamotte-Extrakte die kardiovaskuläre Gesundheit schützen können, beschreibt eine internationale Forschungsgruppe aus Italien und Bahrein.

Wie die Studiendaten zeigten, nahm mit Berga­motte-Extrakt das viszerale Fettgewebe signifikant ab, ebenso das Gesamt- und LDL-Cholesterin. Die 64 Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit leichter Hypercholesterinämie hatten über 12 Wochen täglich 500 mg Bergamotte-Phytosom erhalten, einen Komplex mit Phospholipiden [9].

In Kombination mit Artischocken-Extrakt verringerte Bergamotte bei 60 übergewichtigen Patienten und Patientinnen nach 30 und 60 Tagen signifikant das Gesamt- und das LDL-Cholesterin, ebenso das vizerale Fett und den Taillenumfang. Die Teilnehmenden hatten täglich 600 mg Bergamotte-Phytosom plus 100 mg Artischockenblätter-Extrakt eingenommen [10]. Die synergistisch wirkenden Polyphenole aus Citrus bergamia und Cynara cardunculus sind natürliche Alternativen zu pharmakologischen ­Therapeutika, so die Forschenden aus Mailand, ­Pavia und Bahrain, und könnten eine Rolle bei der Dyslipidämie spielen.

Phytosterole und Omega-3-Fettsäuren: adjuvant zu einer Pharmakotherapie

β-Sitosterol, Campesterol und Stigmasterol kommen in pflanzlichen Ölen vor, in geringeren Mengen auch in Samen und Nüssen, Hülsenfrüchten und Getreide. Durch ihre Strukturanalogie hemmen ­Phytosterole kompetitiv die Cholesterinaufnahme im Darm. In einer täglichen Dosis von 2 g Phytosterol wird das Gesamtcholesterin und LDL-C um 7–10 % verringert. So eignen sich Functional Foods in einer Dosierung von mindestens 2 g Pflanzensterin pro Tag für Personen mit hohen Cholesterinspiegeln und niedrigem Koronarrisiko, die für eine Pharmakotherapie nicht infrage kommen, so der Tenor der European Society of Cardiology. Phytosterole ­können ebenso bei Risikopatienten und -patientinnen adjuvant zu einer Pharmakotherapie eingesetzt werden [1].

Aus Beobachtungsstudien ist bekannt, dass der zweimal wöchentliche Verzehr von Fisch und an Omega-3-Fettsäure ­reichen Lebensmitteln keinen wesentlichen Effekt auf den Lipidmetabolismus ausübt. Pharmakologische Dosierungen der langkettigen n-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure [EPA], Docosahexaensäure [DHA], 2–3 g pro Tag) verringern jedoch die Triglycerid-Spiegel um etwa 30 %, ebenso die postprandiale lipämische Antwort. Höhere ­Dosen können aber die LDL-C-Spiegel erhöhen [1].

Kombination nicht immer sinnvoll

Dass Pflanzensterole, Bergamotte-Extrakt und ­Artischocken-Extrakt cholesterinsenkend wirken, ist belegt. Doch gilt das auch für eine Kombination? Aktuell wurde untersucht, wie Pflanzensterole, ­Bergamotte-Extrakt, Artischockenblätter-Extrakt und Hydroxytyrosol („Cholesterin Balance”) auf das LDL-Cholesterin sowie auf kardiometabolische und oxidative Stressmarker bei Hypercholesterinämie wirkt. Der Verzehr des Nutraceuticals sei ­sicher, so die Wissenschaftlergruppe der Commonwealth Scientific Industrial Research Organisation in Adelaide (Australien). Doch es zeige sich keine Evidenz im Hinblick auf ein verbessertes LDL-­Cholesterin oder andere Lipidmarker.

Weitere Forschung sei nötig, um festzulegen, ob die Inhaltsstoffe mit LDL-senkenden Mechanismen interagieren oder interferieren [11].

Cave: Wechselwirkungen

Bei Botanicals kann es zu Wechselwirkungen kommen: Roter Hefereis interagiert mit Gerinnungshemmern, Omega-3-Fettsäuren verstärken die Wirkung von Acetylsalicylsäure und erhöhen in höheren Dosierungen (über 5 g pro Tag) möglicherweise die Blutungsneigung. Daher sollten Omega-3-Fettsäuren bei Herzerkrankungen nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden. Als sicher ­gelten Mengen bis 5 g pro Tag (EPA + DHA), bei EPA bis 1,8 g pro Tag.

Berberin ist bekannt dafür, mit Sulfonylharnstoffen und CYP3A4-Transportern zu interagieren. Wird Berberin mit Knoblauch, Ingwer, Ginkgo, ­Nattokinase oder Panax ginseng eingenommen, kann es die Blutgerinnung beeinflussen. Deshalb sollten berberinhaltige Nahrungsergänzungsmittel nur nach ­Absprache mit einem Arzt bzw. einer Ärztin supplementiert werden.

Begrenzte Wirksamkeit der Supplemen­tierung: Für wen ist sie dennoch geeignet?

Auch wenn Statine selten schwerwiegende Muskelschäden verursachen, ist die Öffentlichkeit besorgt über leichtere Muskelbeschwerden und eine mögliche Statinintoleranz. Placebokontrollierte Studien zeigten jedoch, dass eine wirkliche Statinintoleranz selten auftritt. Bei Risikopatientinnen und Risikopatienten kann einem Adhärenzproblem durch Wechsel des Statins oder eine Dosisverringerung begegnet werden [1].

Patienten und Patientinnen mit einer selbst diagnostizierten Statinintoleranz sind geneigt, das LDL-C durch Selbstmedikation zu senken, am häufigsten durch Omega-3-Fettsäuren (28,8 %) und Ingwer bzw. Knoblauch (17,6 %).

Wie eine Autorengruppe der Universitäten Leipzig, Köln, Jena, Berlin und Dresden in einer aktuellen Studie berichtet, senkt eine Selbstmedikation jedoch nicht die LDL-C-Spiegel. Sie schlagen deshalb vor, die begrenzte Wirksamkeit und Sicherheit der ­Supplemente aktiv zu kommunizieren. Das könnte die Verordnung von Lipidsenkern mit bewiesenem kardiovaskulärem Benefit im neuen Licht erscheinen lassen [12].

Phytoextrakte werden weltweit traditionell zur ­Cholesterinsenkung eingesetzt, z. B. Roter Hefereis in China, dabei aber völlig unterschiedlich bewertet und reguliert. Zudem fehlen beim Erwerb von ­Produkten aus Nicht-EU-Ländern über das Internet fundamentale Informationen.

Verwendet werden sollten daher nur hochgereinigte, standardisierte und zertifizierte Präparate von pharmazeutischer Qualität. Über Biologicals zur Lipidsenkung sind generell Daten zur Langzeitanwendung wünschenswert. Bei einer leichten Hypercholesterinämie ist eine Ernährungsintervention sinnvoll: Isoflavone aus Soja wirken moderat LDL-C-senkend, ebenso β-Glucan aus Hafer und Gerste. Um den LDL-C-Spiegel klinisch relevant (3–5 %) zu verringern, nimmt man zwischen 3 und 10 g Faserstoffe pro Tag auf [1].

  1. Mach F et al., European Heart J 2020; 41: 111–88
  2. English K, World J Clin Cases 2025; 13817: 105415
  3. Heinz T et al., Nutr Res 2016; 36: 1162–70
  4. EU-Kommission: VERORDNUNG (EU) 2024/2041 DER KOMMISSION vom 29. Juli 2024: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:L_202402041; Stand: 12.01.2026
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung: Stellungnahme Nr. 003/2020 des BfR vom 15. Januar 2020, https://www.bfr.bund.de/cm/343/cholesterinsenkung-mit-folgen-nahrungsergaenzungsmittel-mit-rotschimmelreis-nur-nach-aerztlicher-ruecksprache-einnehmen.pdf; Stand: 12.01.2026
  6. Ji J et al., JAMA Network Open, published online march 3, 2025; https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2830820
  7. Gelbe Liste Pharmindex: Neue Perspektiven in der Diabetesbehandlung: Berberin-Derivat senkt Blutzucker. https://www.gelbe-liste.de/diabetologie/berberin-diabetes-therapie; Stand: 13.01.2026
  8. Verbraucherzentrale Bundesverband: https://www.verbraucherzentrale.de/faq/lebensmittel/berberin-in-nahrungsergaenzungsmitteln-3118; Stand: 12.01.2026
  9. Rondanelli M et al., Phytother Res 2021; 35(4): 2045–56
  10. Riva A et al., Nutrients 2021; 14(1): 108
  11. Stonehouse W et al., Atherosclerosis 2025; 403: 119177
  12. Stürzebecher P et al., J Clin Lipidol 2025; 19(5): 1301–10
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