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Naturmedizin

Gynostemma pentaphyllum

Jiaogulan gegen Erschöpfung? Begrenzte Evidenz für den „südlichen ginseng“

5.6.2026

In der traditionellen chinesischen Medizin ist Jiaogulan als Adaptogen bekannt. Das Kürbisgewächs, das aktuell als „Kraut der Unsterblichkeit“ diskutiert wird, enthält Saponinglykoside und Flavonoide. Zwar zeigt eine Studie erschöpfungswidrige Eigenschaften, doch weitere belastbare Belege für eine gesundheitliche Wirkung fehlen.

Gynostemma pentaphyllum stammt aus der südchinesischen Provinz Guizhou, in der seit Generationen viele hochbetagte Menschen leben. Das wird auf den regelmäßigen Genuss von Tee aus den Blättern von Gynostemma zurückgeführt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Jiaogulan zudem seit Jahrhunderten bei Erschöpfungszuständen eingesetzt.

Die Pflanze enthält relevante Mengen an Saponinen, schätzungsweise 7 %. Diese für viele Pflanzenfamilien charakteristischen Glykoside sind in geringen Mengen ungiftig, wenn sie oral aufgenommen werden. Ihnen werden antioxidative Eigenschaften zugeschrieben, außerdem sollen sie Entzündungsprozesse senken, die auch zu Erschöpfung führen können. Nicht nur in ihrer Wirkung, sondern ebenfalls hinsichtlich ihrer Struktur ähneln Gypenoside den Ginsenosiden, den Hauptwirkstoffen des Ginsengs (Panax ginseng). Deshalb wird Jiaogulan oft als „südlicher Ginseng” bezeichnet, obwohl die Pflanzen nicht miteinander verwandt sind.

Besserung von kognitiven Fähigkeiten

Eine doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Studie mit 100 gesunden koreanischen Erwachsenen im Alter von 19 bis 60 Jahren untersuchte nun über einen Zeitraum von 12 Wochen die erschöpfungswidrigen Eigenschaften der Pflanze. Die Ergebnisse deuten auf positive Effekte bei der oralen Aufnahme hin: So konnte Jiaogulan im Gegensatz zum Placebo die kognitiven Fähigkeiten unter Belastung und Müdigkeit sowie die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit deutlich verbessern [1].

Novel Food ohne Bewertung

Die Europäische Union (EU) stuft Jiaogulan als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) ein. Bevor solche Novel Foods in den Verkehr gebracht werden können, müssen sie einer gesundheitlichen Bewertung unterzogen werden. Jiaogulan wird deshalb in der EU bisher nicht als Lebensmittel anerkannt. Jedoch werden Jiaogulan-Extrakte, -Blätter und -Pulver in Online-Shops als pflanzlicher Rohstoff angeboten, der meist aus China stammt, und teilweise mit Warnhinweisen versehen ist („Nicht zum Verzehr geeignet”, „kein Lebensmittel”).

Auch wenn Jiaogulan Inhaltsstoffe enthält, die ähnlich wie Ginseng wirken sollen, fehlen aussagekräftige Humanstudien. Solange die EU Gynostemma pentaphyllum nicht bewertet hat, solle man den unkontrollierten Verzehr meiden, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Darüber hinaus sind Jiaogulan-Präparate aus dem Online-Handel nicht kontrolliert, sie können Schadstoffe und ­Pestizidrückstände enthalten.

  1. Ahn Y et al., Phytotherapy Research 2023; 37(7): 3069–82
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