Vorsicht Sonne! UV-Strahlen dringen durch Nebel sowie 30 cm klares Wasser und werden von Sand, Wasser und Schnee reflektiert. In hohen Lagen und im Sommer erhöht sich die Intensität. Da kann sich schnell eine Dermatitis solaris entwickeln. Wie ist die Evidenz für eine Behandlung mit Phytowirkstoffen?
Induziert wird die Dermatitis solaris durch kurzwelliges, energiereiches UV-B-Licht, besonders beim hellhäutigen Typ Fitzpatrick I und II. Während bei einem leichten Sonnenbrand oberflächliche Effloreszenzen dominieren, werden bei einem Sonnenbrand 2. Grades tiefere Hautschichten geschädigt. Es kommt zu starken Erythemen, Brandblasen und Schmerzen. Häufige Sonnenbrände wirken kumulativ und schädigen langfristig die Haut. Der karzinogene Effekt der UV-Strahlung beruht darauf, dass die Erbsubstanz UV-B-Licht absorbiert, Dimere bildet und nicht mehr repliziert werden kann. Die Folge ist eine chronische Photodermatose oder ein nicht-melanozytärer Hautkrebs wie die aktinische Keratose.
Auch wenn UV-Strahlen durch Glas, dicke Wolken und durch das Ozon der Stratosphäre gefiltert werden, essenziell ist die Prophylaxe: Strahlenexposition vermeiden, ebenso Allergene und Sonnenschutzmittel verwenden. Damit die Haut nicht austrocknet, hilft es, viel Wasser zu trinken und regelmäßig Feuchtigkeitscreme aufzutragen (Kasten).
Konventionell behandelt wird ein akuter Sonnenbrand lokal mit 0,5 % Hydrocortison, Betamethason-Creme, Dexpanthenol-Schaum und kühlenden Kompressen mit Leitungswasser.
Aus der Phytomedizin liegen Therapie-Studien mit Aloe vera und Matricaria chamomilla plus Rosa canina vor, ebenso eine Prophylaxe-Studie mit Farnextrakt. Aktuelle Daten zu marinen Mikroalgen und zu einem Protein der Seidenspinner-Larve deuten auf zukünftige Behandlungsstrategien.
Beschleunigt die Epithelisierung
Pharmazeutinnen und Pharmazeuten der Medizinischen Universität Warschau (Polen) nahmen klinische und präklinische Studien (aus den Jahren 2011–2022) mit botanischen Zubereitungen und Mixturen unter die Lupe, die zur Behandlung von Brandwunden und Sonnenbrand eingesetzt wurden. Einige Kräuter waren effektiver, sie verkürzten die Heilungszeit und verringerten die Entzündung. Darunter unter anderem Extrakte von Aloe vera, Betula pendula, Juglans regia und Lawsonia inermis sowie eine Mischung aus Matricaria chamomilla und Rosa canina [1].
Der Saft aus den fleischigen Blättern von Aloe vera wirkt unter anderem antibakteriell, antioxidativ, antiinflammatorisch und hautschützend sowie wundheilend. Die Wirksamkeit bei Verbrennungen 2. Grades wurde bei 30 Patienten und Patientinnen getestet. Wunden an Händen oder Füßen wurden mit 0,5 % Aloe-Puder in einer Basiscreme behandelt, eine ähnliche Stelle mit 1 % Silbersulfadiazin(SSD)-Creme, insgesamt zweimal täglich. Bis zur vollständigen Epithelisierung dauerte es mit Aloe vera 15,9 ± 2 Tage, mit SSD-Creme 18,73 ± 2,65 Tage (signifikanter Unterschied). Die Wund-Oberfläche (nach 10,13 und 16 Tagen) war unter Aloe vera signifikant kleiner [2].
Zuvor war bei 50 Patienten und Patientinnen mit Wunden 2. Grades gezeigt worden, dass ein 98%iges Aloe-vera-Gel die Zeit bis zur Reepithelisierung signifikant verkürzte (11 ± 4,18 Tage für Aloe vera bzw. 24,24 ± 11,16 für 1 % SSD-Creme). Signifikant reduziert war auch die Zeit bis zur vollständigen Schmerzlinderung (21 vs. 26 Tage) [3].
Kamille, Rose und Bienenwachs
Dank der unterschiedlichen Wirkmechanismen, der antibakteriellen Aktivität und der Sicherheit können pflanzliche Zubereitungen mit konventionellen Behandlungen konkurrieren, schlussfolgern die Autoren und Autorinnen des Reviews. Wegen des Synergieeffektes sollten auch Phyto-Mixturen in Betracht gezogen werden [1].
So wurde eine Salbe mit Kamillen- und Rosenextrakt, Ascorbinsäure, Bienenwachs sowie Öl- und Linolsäure bei 60 Patienten und Patientinnen mit kleinflächigen Hautverbrennungen 2. Grades alle 6 Stunden angewandt (vs. 1 % SSD-Creme). Die Wunden heilten mit der Phyto-Zubereitung nach 7,53 ± 2,28 Tagen, mit SSD-Creme nach 11,83 ± 2,32 Tagen. Die Patienten bzw. Patientinnen waren mit der Phytokombination zufriedener als mit der konventionellen Behandlung (signifikanter Unterschied). Bei der Pflanzenmixtur wurden 7 Fälle von Hautirritationen berichtet, unter 1 % SSD-Creme eine Infektion [4].
Aktuell bestätigte eine Studie mit 68 Personen die Wirksamkeit von Aloe vera bei Juckreiz, Schmerzen und Wundheilung. Im Vergleich zu 1 % SSD-Creme reduzierte sich der Juckreiz mit Aloe vera signifikant innerhalb von 30 Minuten nach dem Auftragen. Im Verlauf von 14 Tagen war der Wundschmerz in der Aloe-vera-Gruppe geringer und die Wundheilungsrate substanziell erhöht. Damit könnte die Substanz zur Behandlung von Brandwunden geeignet sein, so die Forschenden der Universität Tabriz (Iran) [5].
Schützender Farnextrakt
Polypodium leucotomos ist eine tropische Farnpflanze, deren Extrakt – oral eingenommen – gegen die schädlichen Auswirkungen des Sonnenlichts schützen kann, auch in Kombination mit Nicotinamid. Cave: Das Nahrungsergänzungsmittel ist kein Ersatz für andere Sonnenschutz-Methoden.
Wie eine klinische Studie aus Miami (USA) zeigte, reduzierte die Einnahme von P.-leucotomas-Extrakt (240 mg, zweimal täglich über 60 Tage) den UV-induzierten oxidativen Schaden an der DNA. Das geschah, indem die Aktivität des endogenen antioxidativen Systems gestärkt und die Bildung reaktiver Sauerstoffspecies blockiert wurde. Zugeschrieben wird dieser Effekt den phenolischen Inhaltsstoffen des Farns (Chlorogen-, Coumarin- und Vanillinsäure sowie Kaffee- und Ferulasäure).
Ziel der Studie war es, Veränderungen der minimalen Erythemdosis sowie die Reaktion auf die UV-induzierte Erythemintensität bei 10 Personen (18 bis 65 Jahre; Fitzpatrick I bis IV) zu ermitteln. Bestrahlt wurde in 3 Sitzungen mit je 2 Minuten UV-Exposition am Gesäß.
Nach 2 Monaten zeigte sich, dass die Placebo-Gruppe mit größerer Wahrscheinlichkeit mehr als eine Sonnenbrand-Episode erlebte (2 vs. 8 Teilnehmende; p = 0,04; Abb.). Die Polypodium-Gruppe hatte am Tag 28 eine größere Wahrscheinlichkeit für eine erhöhte minimale Erythemdosis (8 vs. 1 Teilnehmende; p = 0,01) sowie für eine erniedrigte Erythemintensität (10 vs. 3 Teilnehmende; p < 0,01). Kurz, der Extrakt aus Polypodium leucotomos war wirksam und sicher und reduzierte die schädlichen Effekte der UV-Strahlung, so das Dermatologen-Team der University of Miami Miller School of Medicine (USA) [6].
Die Zukunft: Seidenfibroin
Das Hauptprotein im Seidenfaden des Maulbeerseidenspinners (Bombyx mori) ist das Seidenfibroin. Kombiniert mit dem Cecropin B-Peptid aus Nachtfaltern bildet Fibroin einen Komplex, dessen Eigenschaften sich gut ergänzen, berichteten Forschende eines biomedizinischen Labors aus Bengaluru (Indien). Das Fusionsprotein, das in der Hefe Pichia pastoris exprimiert wurde, übte eine breite antimikrobielle Aktivität gegen Escherichia coli und Staphylococcus aureus aus. Beide, Seidenfibroin und Fusionsprotein, wirkten zudem schützend gegen H2O2 und UV-B-induzierte oxidativen Schäden in menschlichen Hautfibroblasten. So verbesserte die Vorbehandlung mit beiden Proteinen die Lebensfähigkeit und Morphologie der Zellen signifikant. Seidenfibroin und Fusionsprotein erhöhten die Anzahl der lebensfähigen Zellen bei H2O2-behandelten Zellen (61,8 % bzw. 83,5 %) vs. Kontrollen (33 %), ebenso bei UV-B-bestrahlten Zellen (67,7 % bzw. 87,3 %) vs. Kontrollen (38 %). Beide Proteine verringerten die Ausschüttung der Lactat-Dehydrogenase, eines Markers für Zellschäden.
Die Ergebnisse zeigen, dass Seidenfibroin und besonders das Fusionsprotein gegen Zellschäden durch oxidativen Stress schützen, die Proliferation unterstützen und die Zytotoxizität verringern. Damit sei das Fusionsprotein ein vielversprechender Kandidat für die Anwendung in der antimikrobiellen Therapie, beim Hautschutz und in der Wundheilung, schreiben die Biotechnologen und Biotechnologinnen [7].
Algenpigmente im Zellmodell
Braunalgen und Rotalgen besitzen kein Chlorophyll, sondern rötlich-braune Pigmente, die chemopräventiv wirken, also den schädlichen Effekten der UV-Strahlung entgegenwirken. Forschende in Bioinstituten aus Neapel, Mailand und Varese (Italien) untersuchten 20 marine Pigmente im Hinblick auf UV-bedingte Schäden beim Melanom-Zellmodell B16F0. Von allen Pigmenten war das Karotinoid Diatoxanthin am wirksamsten. Es wird von Diatomeen (Kieselalgen) unter Lichteinfluss gebildet. Diatoxanthin zeigt eine ausgeprägte Bioaktivität, so die Biologen und Biologinnen, und beeinflusst alle Schritte, die für eine effiziente Photochemoprävention wichtig sind: Es fängt reaktive Sauerstoffspecies ab, wirkt antiinflammatorisch gegenüber der NO/IL-1β-Signalgebung und antimetastatisch durch Hemmung der MMP-9-Expression [8].

Pflanzliche Xanthophylle wie Diatoxanthin absorbieren das Licht und üben eine Schutzfunktion gegenüber Sauerstoff aus. Was die Alge schützt, könnte auch beim Menschen in Zukunft relevant sein. Das gilt auch für das Fusionsprotein aus Seidenfibroin und Cecropin, das in Hautfibroblasten präventiv gegen UV-Strahlung wirkte.
Die Wundheilung fördern pflanzliche Moleküle wie Phenolsäuren, Tannine, Flavonoide und essenzielle Öle [1]. Tatsächlich weisen Kamillenblüten und die Früchte der Heckenrose einen hohen Flavonoidgehalt auf. Die heilenden Substanzen in Aloe vera sind hingegen Anthron-Glykoside wie Aloin, Aloenin und Aloesin.