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Allgemeinmedizin

Entzündliche Atemwegskrankheiten

Das Konzept der „United Airways“ bei Immunvermittelten Erkrankungen

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

3.2.2026

Bei der Pathogenese von entzündlichen Erkrankungen der Lunge und der Nasenschleimhaut gibt es viele Überlappungen. Das Konzept der „United Airways“ trägt dem Rechnung und aktuelle Phase-III-Studien belegen die Wirksamkeit von Asthmamedikamenten auch bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen.

Das Konzept der „United Airways“ besagt, dass entzündliche Atemwegserkrankungen wie allergische Rhinitis, Asthma bronchiale und chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) nicht isoliert betrachtet werden sollten, sondern Ausdruck einer einheitlichen immunvermittelten Entzündungsreaktion im gesamten Atemtrakt sind [1]. Anatomisch und immunologisch sind Nase, Nasennebenhöhlen und Bronchialbaum eng verbunden. Sie teilen sich einen gemeinsamen embryologischen Ursprung, ein ähnliches respiratorisches Epithel mit Flimmerhärchen sowie wichtige immunologische Signalwege (z. B. Typ-2-Inflammation) [1].

Im Mittelpunkt der gemeinsamen Pathophysiologie steht meist eine Typ-2-Entzündung. Diese wird von T-Helfer-2(Th2)-Lymphozyten geprägt und ist gekennzeichnet durch die Produktion der Interleukine IL-4, IL-5 und IL-13, IgE-Antikörper und eine Eosinophilen-Dominanz [2]. Typ-2-Entzündung liegt allergischen Erkrankungen der Atemwege zugrunde – bei der allergischen Rhinitis ebenso wie bei vielen Asthma-Phänotypen und der eosinophilen Form der CRSwNP [2].

Immunologische Gemeinsamkeiten

Diese gemeinsamen immunologischen Mechanismen erklären, warum sich Entzündungsprozesse in oberen und unteren Atemwegen wechselseitig beeinflussen können. So fördern z. B. nasale Allergenexposition und Mukosainflammation Entzündungsmediatoren, die bronchiale Hyperreagibilität und Asthmasymptome begünstigen. Umgekehrt können unkontrollierte untere Atemwegsentzündungen (Asthma) die oberen Atemwege mitbetreffen. Neben immunologischen Faktoren sind anatomische Verbindungen (etwa via postnasalem Drip) und neurogene Reflexe (nasobronchialer ­Reflex) ebenfalls bedeutsam bei der gegenseitigen Beeinflussung (Abb.).

Das gleichzeitige Vorliegen von Asthma und CRSwNP verschlechtert die Symptomlast beider Erkrankungen – z. B. führt eine nasale Obstruktion zu Mundatmung und schlechter filtrierter Luft, was Asthmasymptome begünstigen kann. Ebenso gehen unkontrollierte Nasennebenhöhlenentzündungen mit häufigeren Asthmaschüben einher. Daher empfiehlt das European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020 (EPOS2020) einen interdisziplinären Ansatz: Asthma-Betroffene sollen auf chronische Rhinosinusitis/Nasenpolypen untersucht werden und umgekehrt, um eine umfassende Behandlung der gesamten Atemwege zu gewährleisten [3].

Aktuelle evidenzbasierte Therapieansätze

Die Therapie immunvermittelter Atemwegserkrankungen zielt darauf ab, die Entzündungsreaktion zu kontrollieren und Symptome in allen Abschnitten zu lindern. Für Hausärztinnen und Hausärzte bedeutet dies zunächst, obere wie untere Atemwege in Diagnostik und Management zu berücksichtigen.

Ein zentraler Schritt ist das Meiden relevanter Allergene und Noxen (z. B. Rauch, Allergene, Irritanzien), soweit möglich. Bei allergischer Rhinitis gehören intranasale Glukokortikosteroide (INS) und/oder orale/topische Antihistaminika zur Firstline-Therapie, da sie die lokale Entzündung effektiv reduzieren [3]. Asthma bronchiale wird gemäß Leitlinien primär mit inhalativen Glukokortikosteroiden (ICS) behandelt, ggf. in Kombination mit lang wirksamen Beta-2-Agonisten (LABA) als Dauermedikation [4].

In den vergangenen Jahren haben Biologika die Therapie schwerer immunvermittelter Atemwegserkrankungen revolutioniert. Aktuell sind mehrere Biologika zugelassen, die gezielt Typ-2-Immunwege blockieren [5-7]:

  • Omalizumab
  • Mepolizumab/Reslizumab
  • Benralizumab
  • Dupilumab
  • Tezepelumab

Der Einsatz von Biologika erfordert eine sorgfältige Patientenselektion. Gemäß Leitlinien kommen sie bei schwerer, unkontrollierter Erkrankung infrage, wenn klassische Therapien ausgereizt sind [4]. Häufige Kriterien für die Initiierung sind z. B. ≥ 2 schwere Asthma-Exazerbationen pro Jahr trotz maximaler inhalativer Therapie oder bei CRSwNP ein persistierender ausgeprägter Polypbefund trotz mehrfacher Operationen und Steroidtherapie.

  1. Alexandru V et al., Allergies 2025; 5: 34
  2. Nappi E et al., Expert Rev Clin Immunol 2022; 18: 747–58
  3. Fokkens WJ et al., Rhinology 2020; 58(Suppl 29): 1–464
  4. Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Version 5.0, 2024
  5. Agache I et al., Allergy 2021; 76: 14–44
  6. Bachert C et al., Lancet 2019; 394: 1638–50
  7. Lipworth BJ et al., N Engl J Med. 2025; 392: 1178–88
  8. Kanda A et al., Med Sci 2019; 7: 27; https://doi.org/10.3390/medsci7020027

Bildnachweis: Ivanna Oliinyk (gettyimages)

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