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Adipositasbehandlung

Tirzepatid bestätigt seine Vorteile im Praxisalltag

21.9.2026

Die Behandlung der Adipositas mit inkretinbasierten Therapien hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Doch wie schlagen sich Tirzepatid und Semaglutid im Praxisalltag? Eine aktuelle Real-World-Analyse verglich die Gewichtsverläufe von mehr als 20 000 Patientinnen und Patienten über zwei Jahre – mit deutlichen Vorteilen für Tirzepatid.

Die retrospektive Kohortenstudie nutzte elektronische Gesundheitsdaten von 23 Millionen Patientinnen und Patienten aus US-amerikanischen akademischen Zentren. Nach Propensity-Score-Matching verblieben 10 339 Personen pro Behandlungsarm. Die mittlere maximale Gewichtsreduktion über 2 Jahre betrug unter Tirzepatid 14,7 % (16,0 kg) gegenüber 10,8 % (11,6 kg) unter Semaglutid (p < 0,001). Eine Gewichtsabnahme von mindestens 15 % erreichten 43 % der Tirzepatid-Behandelten gegenüber 22 % unter Semaglutid. Einen maximalen Gewichtsverlust von ≥20 % erzielten 26 % versus 12 %, von ≥25 % 14 % versus 5 %.

Auch die Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme unterschied sich: In der Hochresponder-Gruppe betrug die mittlere monatliche Gewichtsreduktion während der ersten 6 Monate 2,54 % unter Tirzepatid gegenüber 2,18 % unter Semaglutid (p < 0,001).

Die Analyse der Responder-Verteilungen verdeutlichte zugleich die erhebliche interindividuelle Variabilität. Während 90 % der Tirzepatid-Behandelten mindestens 5 % ihres Körpergewichts verloren, traf dies unter Semaglutid auf 82 % zu. Die Spannweite reichte in beiden Gruppen von einer Gewichtsabnahme unter 5 % bis zu mehr als 25 % und verdeutlicht, dass Durchschnittswerte die individuelle Heterogenität nur unzureichend widerspiegeln.

Geringere dokumentierte Nebenwirkungsraten

Bemerkenswert ist, dass unter Tirzepatid trotz stärkerer und schnellerer Gewichtsabnahme seltener gastrointestinale und systemische Nebenwirkungen dokumentiert wurden. In der Hochresponder-Gruppe waren Übelkeit (27,2 % vs. 31,4 %; p = 0,002), Erbrechen (12,8 % vs. 17,1 %; p < 0,001), Obstipation (16,9 % vs. 20,2 %; p = 0,005) und Diarrhö (16,9 % vs. 19,2 %; p = 0,04) ebenso seltener wie Fatigue und Kopfschmerzen. Die Autoren vermuten, dass pharmakologische Unterschiede zwischen dualem GIP-/GLP-1-Rezeptoragonismus und einer reinen GLP-1-Rezeptoraktivierung hierzu beitragen könnten.

Ob die geringere dokumentierte Nebenwirkungsrate auch zu einer besseren Therapiepersistenz beiträgt, wurde in der Studie zwar nicht untersucht, könnte jedoch eine Erklärung für die höhere Effektivität in der Realversorgung sein.

Unterschiede zwischen Patientengruppen

Die Analyse zeigte zudem Unterschiede zwischen den in den US-Gesundheitsdaten erfassten Bevölkerungsgruppen. Als „White“ klassifizierte Patientinnen und Patienten waren häufiger in der Hochresponder-Gruppe vertreten, während Black/African-American- und Hispanic-Patientinnen und -Patienten häufiger nur geringe Gewichtsverluste erreichten. Frauen sprachen unter beiden Wirkstoffen besser auf die Therapie an als Männer. Als mögliche Ursachen diskutieren die Autoren und Autorinnen Unterschiede beim Zugang zur Versorgung, bei der Therapietreue, der Dosiseskalation sowie biologische und soziale Einflussfaktoren.

Die Aussagekraft der retrospektiven Analyse bleibt jedoch begrenzt. Trotz Propensity-Score-Matching konnten nicht alle Störfaktoren berücksichtigt werden, darunter Begleitmedikation, Adhärenz, soziale Einflussgrößen und die individuelle Dosiseskalation. Zudem wurden die verschiedenen Handelspräparate der beiden Wirkstoffe zusammen ausgewertet, obwohl sie sich hinsichtlich zugelassener Indikationen und Dosierung unterscheiden.

Für die Praxis spricht die Studie dafür, dass Tirzepatid in der Realversorgung mit einer stärkeren Gewichtsreduktion und niedrigeren dokumentierten Nebenwirkungsraten assoziiert ist als Semaglutid. Gleichzeitig unterstreicht die große Variabilität der Therapieergebnisse die Notwendigkeit einer individualisierten Behandlung und weiterer Forschung zu Prädiktoren des Therapieansprechens.

Venkatakrishnan AJ et al.: Weight-loss dynamics with tirzepatide versus semaglutide. PNAS Nexus. 2026 Jun 16;5(6):pgag171 (DOI 10.1093/pnasnexus/pgag171).

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