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Gynäkologie

Zervixkarzinom-Früherkennung im Wandel

HPV-basiertes Screening: Präziser erkennen, Patientinnen gezielter erreichen

21.8.2026

Die Prävention des Zervixkarzinoms befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Einladungen können die Beteiligung verbessern, wie die MARZY-Studie zeigt. Sie reichen aber allein nicht aus. Deutlich wirksamer ist das Angebot eines HPV-Selbsttests.

Persistierende Infektionen mit Hochrisiko-HPV (humane Papillomviren) sind die zentrale Ursache der zervikalen Karzinogenese. Der molekularbiologische HPV-Nachweis erlaubt daher eine stärker risikobasierte Früherkennung als die alleinige Zytologie. In großen Studien war das HPV-basierte Screening mit einer um etwa 48 % höheren Detektionsrate von CIN 3+ und einer Reduktion invasiver Karzinome um rund 71 % verbunden. Sein hoher negativer Vorhersagewert ermöglicht zugleich längere Screeningintervalle.

International setzt sich deshalb zunehmend das primäre HPV-Screening durch: Zunächst erfolgt der HPV-Test, bei positivem Befund dient die Zytologie als Triage. Dieses Vorgehen ist sensitiver als die alleinige Zytologie, während diese eine höhere Spezifität besitzt. Die Ko-Testung kombiniert beide Verfahren, ist jedoch diagnostisch und ökonomisch aufwendiger.

Deutschland führte 2020 ein altersabhängiges Screening ein. Frauen zwischen 20 und 34 Jahren erhalten jährlich eine Zytologie, ab 35 Jahren erfolgt alle 3 Jahre eine Ko-Testung. Erste Real-World-Daten zeigen bei den Jüngeren jedoch nur eine Teilnahmequote von etwas über 45 %. Bei Frauen ab 35 Jahren waren rund 8,6 % der HPV-Tests positiv; etwa ein Drittel davon entfiel auf HPV 16 oder 18. Strukturierte Abklärungsalgorithmen bestehen, eine lückenlose Teilnahmeerfassung und ein gezieltes Nachfassen bei Nichtteilnehmerinnen sind aber weiterhin unzureichend umgesetzt.

HPV-Selbsttest: Die Teilnahme bei Non-Respondern war mehr als doppelt so hoch wie nach einer Einladung.

Gerade hier liegt das größte Präventionspotenzial. Frauen, die selten oder nie am Screening teilnehmen, tragen das höchste Risiko für ein invasives Zervixkarzinom. Deutsche Fall-Kontroll-Daten zeigen ein mehr als fünffach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Für fortgeschrittene Tumoren ab T2 war es etwa zehnfach erhöht. Gründe für die Nichtteilnahme reichen von Zeitmangel und sozialen Barrieren bis zu Scham oder Unbehagen bei der Untersuchung.

Einladungen können die Beteiligung verbessern, reichen aber allein nicht aus. In der MARZY-Studie stieg die Teilnahme durch ein Einladungsschreiben um 6,6 Prozentpunkte. Deutlich wirksamer ist das Angebot eines HPV-Selbsttests: Bei Non-Respondern war die Teilnahme mehr als doppelt so hoch wie nach einer Einladung zur ärztlichen Untersuchung; die absolute Differenz betrug etwa 14 %. Mehr als 85 % bewerteten die Selbstentnahme als einfach. Bei validierten PCR-basierten Verfahren erreicht selbst entnommenes Vaginalmaterial eine mit ärztlich gewonnenen Proben vergleichbare Sensitivität für hochgradige Läsionen. Auch Erststrahlurin-Systeme kommen infrage.

Die deutsche HaSCo-Studie bestätigte die Praktikabilität. Rund 20 000 Frauen erhielten entweder direkt ein Testkit oder konnten eines anfordern. Das direkte Zusenden im Opt-out-Verfahren führte zu einer deutlich höheren Rücklaufquote. Hochrisiko-HPV wurde bei etwa 8 % nachgewiesen, nur rund 1 % der Proben war ungültig. Allerdings waren die meisten Teilnehmerinnen keine echten Non-Responderinnen – künftige Programme müssen ihre Zielgruppe daher präziser identifizieren.

Die Niederlande und Dänemark zeigen, dass dieses Konzept funktioniert. Dort ist Self-Sampling fest in das organisierte Screening eingebunden und erreicht insbesondere langjährige Nichtteilnehmerinnen. In Dänemark nahmen mehr als 93 % der Frauen mit positivem Selbsttest die empfohlene gynäkologische Abklärung wahr.

Steinkasserer L et al., Gynäkologie 2026; 59: 443–9
Jentschke M et al., Gynäkologie 2026; 59: 450–3

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