Der 29. Europäische Kongress für Gynäkologie und Geburtshilfe (EBCOG) fand Anfang Juni in Frankfurt statt. Dort wurde im Zuge eines wissenschaftlichen Symposiums u. a. der neue internationale Delphi-Expertenkonsens über den Bedarf an pränatalen Mikronährstoffsupplementen vorgestellt.
Die Diskrepanz zwischen empfohlener und tatsächlicher Mikronährstoffversorgung vor und während der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit wird seit Jahren diskutiert. Vor allem die Ernährung in der Präkonzeption und in der frühen Schwangerschaft ist von entscheidender Bedeutung. Nährstoffe wie Folsäure, Vitamin B12 und Cholin können die gesunde Entwicklung erheblich beeinflussen und das Risiko für zukünftige Erkrankungen modifizieren. Entsprechend wichtig ist die mütterliche Ernährung während dieser Phase.
Verzehrstudien und andere Erhebungen zeigen übereinstimmend, dass die ausreichende Versorgung häufig nicht gewährleistet ist. Einige dieser Nährstoffe sind weithin anerkannt und in Handlungsempfehlungen sowie Leitlinien für die pränatale Supplementierung aufgenommen, z. B. Folsäure. Allerdings variieren die Empfehlungen in nationalen und internationalen Leitlinien zum Teil erheblich, sodass sich die Frage stellt: Woran orientieren?
Ein neuer internationaler Expertenkonsens soll diese Lücke füllen [1]. Vorgestellt wurde er im Zuge eines wissenschaftlichen Symposiums auf dem EBCOG 2025. Prof. Régine Steegers-Theunissen (Rotterdam, Niederlande) präsentierte die Bedarfsveränderungen an Mikronährstoffen während der Präkonzeption und Schwangerschaft sowie die Lücke zwischen empfohlener und tatsächlicher Mikronährstoffversorgung. Sie betonte, dass eine ausgewogene tägliche Ernährung die Hauptempfehlung darstellen solle, jedoch die tatsächliche Aufnahme von Mikronährstoffen oft unter den empfohlenen Werten liege. Das unterstreicht die Bedeutung der Einnahme von Mikronährstoffsupplementen in dieser Zeit.
Was wirklich wichtig ist
Der Expertenkonsens betrachtet Folsäure, Vitamin D, Eisen, Jod und Omega-3-Docosahexaensäure (DHA) als Schlüsselnährstoffe während der Schwangerschaft, wobei Calcium laut Expertenkonsens zusätzlich auch während der Stillzeit wichtig ist (Abb.). Die Ergebnisse des Delphi-Konsenses verstärkten die Bedeutung von Folsäuresupplementen während der Präkonzeption und des ersten Trimesters und zeigten einen starken Konsens über die anhaltende Bedeutung von Folsäure und die Evidenz für deren Supplementierung bis ins zweite Trimester [1].
Prof. Dr. Rima Obeid (Homburg/Saar) gab einen Überblick über den Nährstoff Cholin, der eine wichtige Rolle in der fetalen Entwicklung spielt. Der Expertenkonsens umfasst die Bedeutung von Cholin für die fetale Gesundheit und Gehirnentwicklung, stellt jedoch auch fest, dass die wachsende Evidenz zu Cholin noch auf eine Umsetzung in Leitlinien und Praxis wartet. Eine Metaanalyse zeigte, dass eine niedrige mütterliche Cholinaufnahme oder Cholinspiegel mit einem erhöhten Risiko für Neuralrohrdefekte verbunden sind, unabhängig von der Folataufnahme.
Prof. Dr. Stefan Pilz (Graz, Österreich) lenkte den Fokus auf die kritische Rolle von Vitamin D im Laufe der Präkonzeption und Schwangerschaft. Während der Schwangerschaft ist ein unzureichender Vitamin-D-Spiegel mit ungünstigen Schwangerschaftsergebnissen verbunden, und eine Vitamin-D-Supplementierung kann das Risiko für Präeklampsie, Gestationsdiabetes, niedriges Geburtsgewicht, frühen Schwangerschaftsverlust und postpartale Blutungen reduzieren. ,,Eine allgemeine Vitamin-D-Supplementierung während der Schwangerschaft wird nun von der Endocrine Society empfohlen“, bemerkte Prof. Pilz im Hinblick auf die aktuelle Evidenzlage.
Pressemitteilung von P&G Health GmbH, Juni 2025