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Allgemeinmedizin

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Neue Tabak-Leitlinie

Dr. Christine Reincke

24.11.2021

In der neuen S3-Leitlinie mit Grad A empfohlen werden niederschwellige und verhaltenstherapeutische Angebote, die Nikotinersatztherapie und als medikamentöse Optionen Vareniclin oder Bupropion.

Ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland inhaliert regelmäßig Tabakrauch. Damit werden große Mengen karzinogener, teratogener und atherogener Stoffe aufgenommen, die auch psychotrop wirken. So besteht bei etwa der Hälfte der Raucher eine psychische und physische Abhängigkeit, die den Ausstieg erschwert und ihn oft zu einem lebenslangen, von Rückfällen geprägten Prozess macht.  
Jeder Therapeut, der das Erreichen der Abstinenz unterstützend begleitet, sollte auf erfolgreiche Tabakentwöhnungsmethoden und wissenschaftlich fundierte, evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen zurückgreifen können, die nicht von Interessen geleitet sind, so das Ziel der Tabakleitlinie von Januar 2021. Anders formuliert: Was soll Rauchern im Allgemeinen oder in speziellen Konstellationen zur Motivation oder zur Unterstützung der Tabakentwöhnung angeboten werden?


Die Schlüsselempfehlungen lauten:
• Beim ersten Kontakt mit dem Gesundheitssystem soll der Rauchstatus (Tabak oder E-Zigarette) systematisch abgefragt und dokumentiert werden. Zur Diagnose der Zigarettenabhängigkeit eignet sich der Fagerströmtest (FTZA).
• Entwöhnungswillige, die den Tabakkonsum nicht aufgeben können, bedürfen der Unterstützung: zuerst in Form von niederschwelligen Angeboten wie Kurzberatung, dann durch weiterführende Hilfsangebote wie Telefonberatung oder Internet- bzw. Smartphone-gestützte Verfahren.
• Klinischer Konsens besteht darüber, keine E-Zigaretten zur Reduktion des Zigarettenkonsums anzubieten, dafür jedoch psychosoziale Unterstützung.
• Zur intensiveren Behandlung soll Verhaltenstherapie (einzeln oder in der Gruppe) angeboten werden, ggf. in Verbindung mit Medikamenten. Zur Nikotinersatztherapie sind Nikotinkaugummi, Nikotininhaler, Nikotinlutsch-tabletten, Nikotinnasalspray bzw. -mundspray und Nikotinpflaster geeignet.
• Bei unzureichender Wirksamkeit der Monotherapie, beispielsweise bei starken Rauchern, soll eine 2-fach-Kombination von Pflaster und Kaugummi, Lutschtablette, Spray oder Inhaler angeboten werden.
• Wenn eine Nikotinersatztherapie nicht ausreichend wirksam war, sollen
nach Prüfung von Indikationen bzw. Kontraindikationen der parzielle Nikotinrezeptorantagonist Vareniclin oder das Antidepressivum Bupropion angeboten werden.
• Kinder, Jugendliche und Schwangere sollen keine Medikamente zur Entwöhnungsbehandlung einnehmen. Nur in genau spezifizierten Ausnahmefällen kann Nikotinersatz erwogen werden. Stattdessen soll den Jugendlichen eine Kombination aus altersgerechter Psychoedukation, Motivationssteigerung (Motivational Enhancement, Selbstwirksamkeit) und verhaltenstherapeutischen Interventionen angeboten werden.
• Patienten mit Tabak-assoziierten Erkrankungen (COPD, Lungenkarzinom, kardiovaskuläre Erkrankungen, Kopf-Hals-Tumoren) sowie Menschen mit psychischen Störungen (komorbide depressive und schizophrene Erkrankungen, andere Substanzkonsumstörungen oder Suchterkrankungen) soll eine leitliniengerechte Tabakentwöhnung angeboten werden. Das gilt ebenso bei einem Krankenhausaufenthalt vor Operationen.
• Generell soll die passive Tabakrauchexposition vermieden werden.

S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung“, AWMF-Register Nr. 076-006
076-006l_S3_Rauchen-_Tabakabhaengigkeit-Screening-Diagnostik-Behandlung_2021-03.pdf (awmf.org)

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