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Sonderredaktion

Chronische insomnische Störung

Erholsamer Schlaf durch Regulation überaktiver Wachheit

Nicole Hein

24.10.2022

Die chronische insomnische Störung beeinträchtigt die Alltagsaktivitäten und ist ein relevanter Risikofaktor für Folgeerkrankungen. Prof. Dr. med. Kneginja Richter, Leiterin der Schlafambulanz Klinikum Nürnberg Nord, erläutert die Ursachen des gestörten Nachtschlafs und innovative Behandlungsansätze.

Wie steht es in unserer Gesellschaft um gesunden Schlaf?

Erholsamer Schlaf ist die Grundlage für die Aktivität am Tage. Wenn über einen Zeitraum von drei Monaten mindestens dreimal pro Woche Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen auftreten und die Tages­aktivität beeinträchtigt ist, liegt eine chronische insomnische Störung vor. Diese ist demnach nicht nur eine Störung des Nachtschlafs, sie kann zudem zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche und Depressionen führen, sowie das Aktivitätsniveau und die Leistungsfähigkeit am Tage herabsetzen. Etwa jeder zehnte Erwachsene ist von einer chronischen insomnischen Störung betroffen [1]. Sie stellt also sowohl ein medizinisches als auch ein gesamtgesellschaftliches Problem dar.

Und wie sieht es mit der Versorgung der Betroffenen aus?

In der Regel empfiehlt man Betroffenen eine kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Allgemeine Maßnahmen wie die Schlafhygiene reichen oft nicht aus. Konventionelle verschreibungspflichtige Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen können Hang-over-Effekte mit Tagesmüdigkeit, Benommenheit und Konzentrationsstörungen am Tag nach der Einnahme auslösen und somit die ohnehin beeinträchtigte Tagesaktivität von Menschen mit Insomnie noch weiter verschlechtern. Zudem sind sie mit dem Risiko von Toleranz und Abhängigkeit verbunden. Es besteht also ein hoher Bedarf an Medikamenten, die gezielt an den Ursachen der chronischen insomnischen Störung ansetzen und sowohl die Schlafqualität als auch die Tagesaktivität verbessern.

Was sind die Ursachen chronischer insomnischer Störungen?

Die häufigste Ursache sind Hyperarousal-Prozesse infolge eines überaktiven Wachsystems im Gehirn. Stress ist einer der bekannten Auslöser einer gestörten Schlaf-Wach-Regulation und nächtlicher Hyperarousals [2]. Für eine intakte Funktion des Wachsystems sind das Neuropeptid Orexin und seine Rezeptoren verantwortlich. Tagsüber stabilisiert ­Orexin den Wachzustand [3]. Zu Beginn der Nacht ­fallen in der Regel die Orexinspiegel ab, was den Schlaf ermöglicht [4]. Bei Patienten, die unter chronischer insomnischer Störung leiden, kann das Orexin-­System dysreguliert sein. Mit dem dualen Orexin-­Rezeptor-Antagonisten (DORA) Daridorexant ist es erstmals möglich, ein überaktives Wachsystem gezielt zu regulieren.

Könnten Sie das Wirkprinzip kurz erläutern?

Daridorexant blockiert die Orexin-Rezeptoren, sodass diese das Neuropeptid nicht mehr binden – die Wachheit wird also ausgeschaltet und Schlaf stellt sich ein. Bei abendlicher Einnahme einer Tablette mit 50 mg Daridorexant – ca. 30 Minuten vor dem Schlafengehen – induziert die Substanz den Schlaf, indem sie das übermäßig aktive Wachsystem ausschaltet, ohne das physiologische Schlafmuster zu verändern oder die Hirnaktivität zu unterdrücken. Klinische Studien haben gezeigt, dass Patienten unter der Therapie mit ­Daridorexant schneller einschlafen und durchschlafen, wodurch das Wohlbefinden am nächsten Tag steigt (Abb.)[4].

Wie und bei welcher Zielgruppe wirkt Daridorexant?

Daridorexant ist zur Behandlung von Erwachsenen mit Schlafstörungen zugelassen, deren Symptome seit mindestens drei Monaten anhalten und eine beträchtliche Auswirkung auf die Tagesaktivität ­haben. Der therapeutische Nutzen ist durch ­Studiendaten eindeutig belegt [4]: Die mit Daridorexant behandelten Patienten schliefen gegenüber den Placebo-Patienten nicht nur schneller ein und besser durch, sondern erzielten eine hochsignifikante Verringerung der belastenden Tagesschläfrigkeit, bei einem Verträglichkeitsprofil auf Placebo-Niveau. Aktuellen Daten zufolge bleibt die Wirksamkeit auf Schlaf und Tagesaktivität bei anhaltend guter Verträglichkeit auch in der Langzeittherapie erhalten [5].

Die Expertin

Prof. Dr. med. Kneginja Richter
Oberärztin
Klinikum Nürnberg Nord
Dozentin
Technische Hochschule Nürnberg

  1. Riemann D et al., Somnologie 2017; 21: 2–44
  2. Dressle RJ et al., Sleep Med Res 2022; 62: 101588
  3. Zeitzer JM et al., J Neurosc 2003; 23: 3555–3360
  4. Mignot E et al., Lancet Neurol 2022; 21: 125–139
  5. Idorsia, data on file

Impressum
Redaktion: Nicole Hein I Konzept: Elke Engels MiM Verlagsgesellschaft mbH (Neu-Isenburg)
Mit freundlicher Unterstützung der Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH (München)

Bildnachweis: privat

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