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Gynäkologie

Multifaktorielle Erkankung in der Gyn-Praxis

Osteoporose: Die stille Epidemie

19.2.2026

Osteoporose ist eine „stille Epidemie“ des demografischen Wandels. Frühzeitige Risikostratifizierung, konsequente Diagnostik, rasch wirksame Therapie bei hohem Risiko und strukturierte Nachsorge nach Fraktur sind essenziell, um Frakturen zu verhindern, Lebensqualität zu erhalten und Folgekosten nachhaltig zu senken.

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung mit exponentiell steigendem Frakturrisiko im höheren Lebensalter. Hintergründe und Therapieoptionen stellte Dr. med. Friederike Thomasius (Frankfurt) vor.

Osteoporose betrifft Frauen und Männer gleichermaßen und ist Ausdruck einer multifaktoriellen Stoffwechselerkrankung des Knochens, die durch internistische, endokrinologische, entzündliche und medikamentöse Risikofaktoren beeinflusst wird. Ein zentraler zusätzlicher Prädiktor für periphere Frakturen ist das Sturzrisiko, das in Diagnostik und Therapie systematisch berücksichtigt werden muss.

Klinisch sind Fragilitätsfrakturen mit erheblicher Morbidität und Mortalität assoziiert. Vertebrale Frakturen gehen mit einer Ein-Jahres-Mortalität von etwa 10 % einher und führen zu chronischen Schmerzen, verminderter Lebensqualität sowie Einschränkungen der Mobilität. Schenkelhalsfrakturen sind mit einer Ein-Jahres-Mortalität von rund 20 % verbunden; 20 – 60 % der Betroffenen bleiben auch ein Jahr nach dem Ereignis hilfsabhängig, 10 –20 % werden pflegeheimpflichtig. Neben dem Verlust der Selbstständigkeit resultieren anhaltende Funktionseinbußen und eine relevante Schmerzlast.

Pathophysiologisch steht eine Dysbalance des Knochenumbaus mit überwiegender Resorption und konsekutivem Konnektivitätsverlust der Trabekel im Vordergrund. Die Knochendichtemessung (DXA) bleibt Grundlage der Diagnostik, reicht jedoch allein nicht aus, da das Frakturrisiko alters- und geschlechtsabhängig zunimmt und durch zusätzliche klinische Risikofaktoren wesentlich moduliert wird. Nach Fraktur besteht ein imminentes Folgefrakturrisiko, insbesondere in den ersten 12–24 Monaten, das unabhängig von der Knochendichte deutlich erhöht bleibt.

Trotz verfügbarer Diagnostik und einer breiten Palette evidenzbasierter Therapien besteht eine relevante Versorgungslücke. Nach Hüftfraktur werden nur etwa 30 % der Patientinnen und Patienten behandelt; insgesamt bleiben 70 – 80 % untherapiert. Dieses „Boomerang-Phänomen“ begünstigt Refrakturen und perpetuiert die Frakturspirale. Interdisziplinäre Strukturen wie „Fracture Liaison Services“ sind bislang unzureichend implementiert.

Therapeutisch erfolgt eine risikoadaptierte Sequenzstrategie. Bei hohem bis sehr hohem 3-Jahres-Frakturrisiko (≥ 10 % für vertebrale und proximale Femurfrakturen) wird eine initial osteoanabole Therapie empfohlen; alternativ kommen intensivierte parenterale Antiresorptiva zum Einsatz. Aufgrund der überwiegend reversiblen Wirkmechanismen ist eine Anschluss- bzw. Erhaltungstherapie regelhaft zu planen. Neben Wirksamkeit und Sicherheit sind Adhärenz, Applikationsform, Polymedikation und Kosten zu berücksichtigen (Shared Decision Making). Parenterale Regime zeigen eine höhere Therapietreue; Biosimilars tragen zur Kosteneffizienz bei.

Presse Roundtable „Die stille Epidemie des 21. Jahrhunderts – Systemerkrankung Osteoporose“ (Veranstalter: Aristo Pharma GmbH), Januar 2026

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