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PDE-5-Inhibitoren

Relevante Augenschäden bei chronischer Potenzmittel-Verwendung möglich

17.5.2022

Etliche Fallberichte und kleinere epidemiologische Studien haben das mögliche Risiko okulärer Nebenwirkungen von Phosphodiesterase-Typ-5-Hemmern (PDE-5-Inhibitoren wie Sildenafil und weiteren Wirkstoffen) quantifiziert, wobei die Ergebnisse bislang widersprüchlich waren. Epidemiologische Daten zum Risiko von seröser Netzhautablösung (SRD) oder retinalem Gefäßverschluss (RVO) sind nicht verfügbar. Eine US-Kohortenstudie mit über 200.000 Männern hat jetzt das Risiko von SRD, RVO und ischämischer Optikusneuropathie (ION) im Zusammenhang mit der Anwendung von PDE-5-Hemmern quantifiziert.

Die Kohortenstudie mit eingebetteter Fall-Kontroll-Analyse wurde unter Verwendung von 15 Jahre überspannenden Daten aus der PharMetrics Plus-Datenbank (IQVIA) durchgeführt. Die Kohortenmitglieder wurden bis zur ersten Diagnose von SRD, RVO oder ION (entsprechend ICD-9 resp. ICD-10) oder der Beendigung des Versicherungsschutzes nachbeobachtet. Für jeden Fall wurden vier, nach Alter und Zeitpunkt des Studieneintritts passende Kontrollen unter Verwendung von dichtebasierter Stichprobenziehung abgeglichen. Das Augenrisiko für regelmäßige Benutzer von PDE-5-Hemmern wurde mit dem von Nichtbenutzern verglichen, potenzielle Störvariablen wurden angepasst. Patienten mit Diagnosen von SRD, RVO und ION im Jahr vor Studienbeginn wurden ausgeschlossen. Die angepassten Inzidenzratenverhältnisse (IRR) mit 95%-Konfidenzintervall (95%-KI) wurden unter Verwendung von konditionaler logistischer Regression (IRR) berechnet, wobei Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Rauchen und Diabetes (jeweils für alle drei Outcomes) sowie Schlafapnoe für ION kontrolliert wurden.

Die Kohorte bestand aus 213.033 Männern, die PDE-5-Inhibitoren verwendeten, darunter Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Die Fall-Kontroll-Analyse umfasste insgesamt 1.146 Fälle von seröser Netzhautablösung (278), retinalem Gefäßverschluss (628) und ischämischer Optikusneuropathie (240) sowie 4.584 Kontrollen. Das Durchschnittsalter in beiden Gruppen betrug 64,6 (+/-13,3) Jahre. Patienten mit SRD, RVO und ION hatten häufiger Bluthochdruck, Diabetes, koronare Herzkrankheit und Schlafapnoe. Die angepasste IRR für die kombinierten Endpunkte von jedem der drei Endpunkte betrug 1,85 (95%-KI 1,41‒2,42; Inzidenz 15,5 Fälle pro 10.000 Personenjahre). Der angepasste IRR für SRD, RVO und ION als jeweils individueller Endpunkt betrug 2,58 (95%-KI 1,55‒4,30; Inzidenz 3,8 Fälle pro 10.000 Personenjahre), 1,44 (95%-KI 0,98‒2,12; Inzidenz 8,5 Fälle pro 10.000 Personenjahre) bzw. 2,02 (95%-KI 1,14‒3,58; Inzidenz 3,2 Fälle pro 10.000 Personenjahre).

Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie, so die Autorengruppe, deuten klar darauf hin, dass regelmäßige Benutzer von PDE-5-Inhibitoren ein erhöhtes Risiko für Netzhautablösung, retinalen Gefäßverschluss und ischämischer Optikusneuropathie haben könnten. Regelmäßige Anwender von PDE-5-Hemmern sollten sich deshalb der mit diesen Medikamenten verbundenen okulären Nebenwirkungen bewusst sein und ihre Ärzte warnen, wenn sie Sehstörungen feststellen. Dies ist umso bedeutsamer, da u.a. Sildenafil (Viagra) in manchen Ländern als OTC-Medikament rezeptfrei erhältlich ist (z.B. im Vereinigten Königreich, nicht aber den USA), während das deutsche BfArM erst Anfang des Jahres eine Aufhebung der Verschreibungspflicht für Sildenafil kategorisch abgelehnt hat.

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