Im Jahr 2025 wurden im Deutschen Reanimationsregister 26.438 außerklinische Reanimationsfälle aus 208 Rettungsdiensten dokumentiert. Auf Basis der Gesamtdaten entspricht dies bundesweit hochgerechnet mindestens 59.800 Reanimationsbehandlungen durch Notarzt- und Rettungsdienst. Der aktuelle Jahresbericht zeigt Fortschritte bei der Reanimation durch Ersthelfende, aber weiterhin relevante Versorgungslücken – etwa bei der Telefonreanimation, der frühzeitigen Defibrillation und der Hilfsfrist.
Für vertiefende Auswertungen wurde eine Referenzgruppe aus 56 Rettungsdienststandorten mit 12.116 Patientinnen und Patienten herangezogen. Die Standorte erfüllten definierte Kriterien hinsichtlich Reanimationsinzidenz, Dokumentation des Wiedereinsetzens eines Spontankreislaufs und der Krankenhausweiterversorgung. Die Daten sind eine freiwillig erhobene Registerstichprobe; sie erlauben deshalb Trend- und Versorgungsanalysen, bilden aber keine vollständige Erfassung aller Reanimationsereignisse in Deutschland ab.
In der Referenzgruppe begann bei 53,5 % der Fälle eine nicht alarmierte Ersthelferin oder ein Ersthelfer bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Reanimation. Zusätzlich reanimierten First Responder in 6,8 % und per App alarmierte Ersthelfende in 2,8 % der Fälle. Insgesamt erfolgte somit bei 63,1 % der Betroffenen eine Reanimation vor Eintreffen des Rettungsdienstes. Telefonisch unterstützte die Leitstelle die Wiederbelebung in 38,4 % der Fälle. Da aktivierte Ersthelfende erst seit Mitte 2025 gesondert dokumentiert werden können, dürfte ihr tatsächlicher Beitrag nach Einschätzung der Registerverantwortlichen höher liegen.
Deutlich seltener kamen automatisierte externe Defibrillatoren (AED) zum Einsatz: Nur bei rund 2 % der Reanimationsfälle erfolgte vor Eintreffen des Rettungsdienstes eine Defibrillation durch Ersthelfende mit einem AED. Die Rate blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert niedrig. Die Autorinnen und Autoren sehen deshalb erhebliches Potenzial, die frühe Defibrillation stärker in die Rettungskette einzubinden.
Die Zeit vom Alarmeingang bis zum Eintreffen des ersten Rettungsmittels betrug im Mittel 6 Minuten und 40 Sekunden. Insgesamt 70 % der Patientinnen und Patienten wurden innerhalb von acht Minuten erreicht; das angestrebte Ziel von 80 % wurde damit erneut verfehlt. Die meisten Ereignisse traten zu Hause auf: 68,3 % in Wohnungen, 16,6 % im öffentlichen Raum und 15,1 % an anderen Einsatzorten.
Bedeutung einer vorausschauenden medizinischen Behandlungsplanung
Nach der Erstversorgung erreichten 31,9 % der Patientinnen und Patienten der Referenzgruppe mit wiederhergestelltem Spontankreislauf ein Krankenhaus, 10,9 % wurden lebend entlassen. Die endotracheale Intubation wurde bei 61,5 % der Fälle durchgeführt und war gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Die Autorinnen und Autoren bewerten diese Entwicklung kritisch, da Beobachtungsdaten aus Deutschland und Österreich für die endotracheale Intubation gegenüber einem ausschließlich supraglottischen Atemweg eine höhere Krankenhausentlassungsrate nahelegen. Der intraossäre Zugang zur Medikamentengabe über das Knochenmark kam bei 23,3 % der Fälle zum Einsatz. Auch dies bewerten die Autoren und Autorinnen kritisch, da die ERC-Leitlinien 2025 bei der Reanimation den intravenösen Zugang bevorzugen.
Für die hausärztliche Praxis relevant ist schließlich ein weiterer Befund: Knapp 12 % der Reanimationen fanden in stationären Pflegeeinrichtungen statt. Die Registerverantwortlichen unterstreichen deshalb die Bedeutung einer vorausschauenden medizinischen Behandlungsplanung. Gerade in Pflegeeinrichtungen sollte frühzeitig geklärt und belastbar dokumentiert werden, welche medizinischen Maßnahmen im Notfall dem individuellen Willen entsprechen – und ob dazu auch eine Reanimation gehört. rb
Pressemitteilung: „Neue Daten zur Reanimation: Mehr Hilfe durch alarmierte Ersthelfende – AEDs kommen aber viel zu selten zum Einsatz“. Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin (DGAI), Nürnberg, 14.8.2026 (https://www.dgai.de/aktuelles-patientinnen-projekte/pressemitteilungen/3206-neue-daten-zur-reanimation-mehr-hilfe-durch-alarmierte-ersthelfende-aeds-kommen-aber-viel-zu-selten-zum-einsatz.html).
* Öffentlicher Jahresbericht „Außerklinische Reanimation 2025“. Deutsches Reanimationsregister (https://www.reanimationsregister.de/downloads/oeffentliche-jahresberichte/oeffentliche-jahresberichte-ausserklinische-reanimation/415-ausserklinischer-jahresbericht-2025.html).