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Fettleber

Nicht alkoholische Steatohepatitis: Eine Autoimmunerkrankung?

27.7.2021

Die nicht alkoholischen Fettlebererkrankungen (NAFLD) sind die häufigsten Lebererkrankungen weltweit, und werden oftmals als „globale Epidemie“ bezeichnet (Sharma M et al., 2021). Schreitet die „einfache“ Leberverfettung zur nicht alkoholischen Steatohepatitis (NASH) fort, steigt das Risiko von Leberfibrose, lebensbedrohlicher Zirrhose oder hepatozellulärem Karzinom erheblich, bei einer insgesamt um vier Jahre im Mittel verkürzten Lebenserwartung. Bestimmte Rahmenbedingungen der NASH-Pathogenese, vor allem der Kontext zu Adipositas, sind zwar bekannt. Wie jedoch die letztlich durch T-Zellen hervorgerufenen hepatischen Gewebeschäden im Verlauf der Leberentzündung NASH getriggert werden, war bislang unklar. Eine Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern am Deutschen Krebsforschungszentrum und an israelischen Forschungseinrichtungen hat jetzt gezeigt, dass ein bestimmter Immunzelltyp ‒ „hepatic conventional dendritic cells“ vom Typ 1 (cDC1) ‒ sowohl bei Mäusen als auch Menschen für die Gewebeschäden bei NASH verantwortlich ist. Erst diese gehäuft auftretenden, aktivierten cDC1-Zellen stiften nämlich T-Zellen zu aggressivem, entzündungsförderndem Verhalten, was letztlich zur Nekro(se)inflammation führt. Normalerweise überleben dendritische Zellen nur wenige Tage und müssen laufend vom Immunsystem ersetzt werden. Die vorgelegten Forschungsresultate zeigen auch, dass NASH-bedingte Gewebeschäden das blutbildende System im Knochenmark so modulieren können, dass sich Vorläufer der cDC1 häufiger teilen und mehr Nachschub bilden. Die Blockade von cDC1-Zellen lindert bei Mäusen wiederum die NASH-Krankheitssymptome und könnte vielleicht auch bei menschlichen Patienten schwere Entzündungsverläufe und Zelluntergänge bei NASH vorbeugen oder lindern. Zusammen mit Erkenntnissen anderer Forschungsgruppen zur Rolle des enteralen Mikrobioms bei der NASH-Pathogenese erweist sich das Immunsystem in seiner autoaggressiven Aktivität bei verfettetem Lebergewebe als derzeit vielversprechendste biologische Funktionseinheit für eine pharmakologische Therapie (abgesehen von Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion als Primärmaßnahmen).

Nat Med. 2021 May 20 (DOI 10.1038/s41591-021-01344-3 | PMID 34017133)

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