In der neuen S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ haben die beteiligten 26 wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsgruppen sowie die Vertreterinnen der Zielgruppe, also der Stillenden, nun zwei neue Empfehlungen zur Stilldauer verabschiedet. Die Leitlinie ist im Zuge der Nationalen Strategie zur Stillförderung entstanden.
Die Leitlinie empfiehlt, reifgeborene Kinder in den ersten 6 Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend zu stillen. Darüber hinaus wird eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen.
Die Empfehlungen beruhen auf einer systematischen Literaturrecherche und Bewertung der Evidenz nach dem international anerkannten GRADE-Standard. Insgesamt wurden 30 gesundheitsrelevante Endpunkte bei Mutter und Kind analysiert, darunter kindliche Infektions- und Stoffwechselerkrankungen sowie Aspekte der mütterlichen Gesundheit.
Die Empfehlung zum Vollstillen über 6 Monate erhielt den Empfehlungsgrad B. Die Empfehlung zu einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten wurde mit dem Empfehlungsgrad A verabschiedet. Zur Erläuterung: Ausschließliches Stillen bedeutet Ernährung allein durch Muttermilch. Beim überwiegenden Stillen werden zusätzlich lediglich Wasser oder Tee gegeben. Beide Formen werden als Vollstillen zusammengefasst. Teilstillen umfasst die zusätzliche Gabe von Säuglingsanfangsnahrung oder Beikost.
Individuelle Situation bleibt maßgeblich
Prof. Dr. Regina Ensenauer, DGKJ-Leitlinienkoordinatorin: „Ziel dieser Leitlinie ist es, Eltern und Gesundheitsfachpersonen eine klare, wissenschaftlich fundierte Orientierung zu geben. Trotz aller Konsentierungen und Empfehlungen: Es ist die individuelle Situation von Mutter und Kind, die maßgeblich ist! Zugleich befindet sich dieser Themenbereich in intensiver internationaler Forschung, sodass kontinuierlich mit neuen, wissenschaftlich spannenden Erkenntnissen zu rechnen ist.“ Der DGGG-Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Michael Abou-Dakn ergänzt: „Die systematische Auswertung der verfügbaren Studien zeigt konsistente Hinweise auf schützende Effekte eines ausschließlichen oder überwiegenden Stillens über 6 Monate. Ein halbes Jahr ausschließliches Stillen ist für die meisten reifgeborenen Säuglinge gesundheitlich gut abgesichert. Mit der Empfehlung einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten unterstreichen wir zudem die langfristige Bedeutung des Stillens für Mutter und Kind!“
Die jetzt vorliegende Veröffentlichung behandelt die beiden zentralen Fragestellungen zur Stilldauer. Empfehlungen zu wirksamen Interventionen zur Stillförderung werden in einem weiteren Schritt veröffentlicht. Prof. Dr. Susanne Grylka, DGHWi-Leitlinienkoordinatorin, fasst zusammen, dass „mit den Empfehlungen dieser Leitlinie die bisherige Diskrepanz zwischen den WHO-Guidelines und den deutschen Handlungsempfehlungen zur Stilldauer nun aufgelöst werden konnte. Sie schaffen Transparenz und ermöglichen eine einheitliche Beratungsgrundlage. Künftig ist klar: Längeres Stillen bringt gesundheitliche Vorteile für Mütter und ihre Kinder.“
Tabelle: Wichtigste Empfehlungen der S3-Leitlinie
Pressemitteilung: „S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Berlin, 20.2.2026 (https://www.dgkj.de/aktuelles/news/detail/post/s3-leitlinie-stilldauer-und-interventionen-zur-stillfoerderung).
* S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur. Stillförderung“, AWMF-Registernummer: 027-072, Version 1.0 (https://register.awmf.org/assets/guidelines/027-072l_S3_Stilldauer-Interventionen-zur-Stillfoerderung_2026-02.pdf).