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Hautkrankheiten

Die vier wichtigsten Dermatosen in der Schwangerschaft

20.12.2021

Während der Schwangerschaft kommt es zu physiologischen Veränderungen, welche sich auch auf der Haut manifestieren können. Eine frühzeitige Differenzierung zu Pathologien, auch präexistierenden Dermatosen, ist notwendig, um durch eine adäquate Therapie sowohl den Schwangerschaftsverlauf als auch das fetale und maternale Outcome nicht zu gefährden, betonen die Autoren einer Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift „gynäkologie + geburtshilfe“.

Ein qualitativ entsprechend hochwertiges geburtshilfliches Management ist gefordert. Der Verlauf ist in den meisten Fällen gutartig und es kommt postpartal zu einer raschen, zumeist spontanen Regredienz. Dennoch ist aufgrund der zum Teil sehr diffizilen Diagnostik eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Gynäkologen mit Dermatologen und gegebenenfalls Internisten empfehlenswert.

Schwangerschaftsspezifische Dermatosen sind typische Erkrankungen der Haut während der Schwangerschaft. Besonders häufig sind die polymorphe Schwangerschaftsdermatose, die atopische Schwangerschaftsdermatose, das Pemphigoid gestationis und die intrahepatische Schwangerschaftscholestase. Das Leitsymptom ist zumeist ein Pruritus. Eine Standardtherapie existiert nicht ‒ jede Behandlung ist individuell zu planen. Eine medikamentöse Behandlung sollte mit größter Sorgfalt erfolgen, da diese während der Schwangerschaft und Stillzeit risikobehafteter sein kann.

Bei der häufigsten Hautstörung in der Gravidität, der polymorphen Schwangerschaftsdermatose, ist eine symptomatische Behandlung mit topischen oder systemischen Antipruriginosa oder lokalen Kortikoidsteroiden möglich, während eine systemische Applikation nur selten notwendig ist. Supportive Maßnahmen wie Kühlen, Bäderanwendung, Auftragen beruhigender und kühlender Emulsionen oder Tragen leichter Baumwollkleidung können lindernd wirken. Eine Transfusion autologer Blutprodukte ist nur in ausgewählten Fällen möglich.

Wie behandeln?

Bei der atopischen Schwangerschaftsdermatose ist die Behandlung alleine gegen die Symptome gerichtet. Rückfettende, feuchtigkeitsspendende und harnstoffhaltige Topika sowie Antipruriginosa sind Mittel der Wahl. Topische Kortikoide können angewendet werden und führen häufig zu einer Besserung. Topische Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus) sind ebenfalls ohne Restriktion einsetzbar. Systemische Glukokortikoide, Azathioprin und Ciclosporin sollten zurückhaltend angewendet werden. Eine UV-Therapie ist ebenfalls möglich. Bei Nichtansprechen kommen systemische Kortikoide, Antihistaminika oder Lichttherapie mit UV-B infrage.

Die Therapie beim Schwangerschaftspemphigoid soll den Pruritus lindern und einer Blasenbildung zuvorkommen. In Abhängigkeit der Beschwerdeausprägung kommen leichte topische Glukokortikoide infrage, eine systemische Gabe ist auch möglich. Ferner können orale Antihistaminika supportive und entlastende Wirkung haben. Intravenös verabreichte Immunglobuline kamen bislang nur in seltenen Fällen zur Anwendung. Eine Immunapharese kann bei therapierefraktären Fällen eingesetzt werden.

Ursodeoxycholsäure (UDCA, nur off-label) ist bei intrahepatischer Schwangerschaftscholestase das Mittel der Wahl, sowohl hinsichtlich Pruritus als auch die Gallensäurenwerte. Colestyramin hat sich in Studien hingegen als unterlegen gegenüber UDCA erwiesen (Cave: erhöhte Blutungsneigung aufgrund eines Vitamin-K-Mangels bei Mutter und Kind möglich). Ein weiterer Wirkstoff ist S-Adenosylmethionin, der hinsichtlich der Senkung der erhöhten Cholestasewerte, dem Pruritus-Score und der Senkung der Frühgeburtsrate weniger effektiv als UDCA ist. Als Drittlinientherapie kann Rifampicin erwogen werden. Eine supportive Behandlung mit rückfettenden und kühlenden Effekten, insbesondere auf Mentholbasis, ist möglich. Antihistaminika können ergänzend zur Senkung der Pruritusbelastung angewendet werden.

Hinsichtlich des Fehlbildungsrisikos von Wirkstoffen gibt das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité ‒ Universitätsmedizin Berlin Auskunft, telefonisch oder online.

Jurk S, Zeidler C, gynäkologie + geburtshilfe 2021 Dec 9; 26: 26‒31, DOI 10.1007/s15013-021-4251-6

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