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Funktion von Mitgefühl

Kommunikation bei schwerer Erkrankung: Emotionen dürfen sichtbar werden

21.10.2026

In Gesprächen über eine schwere Erkrankung kann eine kurze, passende persönliche Bemerkung oder ein authentisch gezeigtes Gefühl Vertrauen und Mitgefühl stärken. Eine Schweizer Vignettenstudie spricht zudem dagegen, dass solche Reaktionen grundsätzlich als unprofessionell wahrgenommen werden.

Insgesamt 1.572 Personen aus der Schweizer Allgemeinbevölkerung beurteilten jeweils fünf Szenarien eines Gesprächs über die begrenzte Lebenserwartung bei fortgeschrittenem Lungenkarzinom. Systematisch variiert wurden unter anderem die Selbstoffenbarung der ärztlichen Person – etwa der Hinweis auf eine ähnliche Erkrankung eines Angehörigen – sowie verbaler und sichtbarer Emotionsausdruck. Bewertet wurden Vertrauen, Mitgefühl, Professionalität und das persönliche Wohlbefinden im Gespräch.

Eine passende persönliche Selbstoffenbarung erhöhte im Mittel die Bewertungen für Wohlbefinden, Vertrauen, Professionalität und Mitgefühl. Der stärkste Effekt zeigte sich für das wahrgenommene Mitgefühl: Der Mittelwert stieg in der Auswertung von 5,90 auf 6,81 Punkte. Auch ein verbaler Ausdruck von Traurigkeit verbesserte alle vier Bewertungen.

Besonders deutlich war der Effekt, wenn Traurigkeit nicht nur benannt, sondern auch sichtbar wurde, etwa durch Tränen in den Augen: Das wahrgenommene Mitgefühl stieg von 5,62 auf 7,57 Punkte. Vertrauen und Wohlbefinden wurden ebenfalls günstiger bewertet. Die Einschätzung der Professionalität unterschied sich dagegen nicht signifikant von einem Gespräch ohne sichtbaren Emotionsausdruck.

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Keine einstudierte Technik

Für die Praxis bedeutet das nicht, Emotionen oder Privates gezielt „einzusetzen“. Entscheidend bleiben Authentizität und eine klare Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Patientin oder des Patienten. Eine kurze Selbstoffenbarung kann angemessen sein, wenn sie das Erleben des Gegenübers aufgreift und die Aufmerksamkeit nicht auf die eigene Person lenkt. Standardisierte oder inszenierte Gefühlsäußerungen könnten dagegen unglaubwürdig wirken. Die Autoren und Autorinnen warnen ausdrücklich davor, solche Formen der Kommunikation zu einer einstudierten Technik zu machen.

Die Studienergebnisse sind als Hinweise zur Wahrnehmung, nicht als Wirksamkeitsnachweis für reale Arzt-Patienten-Gespräche zu verstehen. Untersucht wurden hypothetische Szenarien mit Personen aus der Schweizer Allgemeinbevölkerung, überwiegend Schweizer Staatsangehörigen und einem überdurchschnittlich hohen Anteil höher Gebildeter. Zudem variierten einzelne Effekte unter anderem mit Alter, Bildung und Gesprächskontext. Kulturelle Erwartungen und die Dynamik konkreter Versorgungssituationen können daher zu anderen Ergebnissen führen.

Pressemitteilung: „Emotionen zeigen macht Ärztinnen und Ärzte vertrauenswürdiger“. Universität Bern, 5.8.2026 (https://mediarelations.unibe.ch/medienmitteilungen/2026/medienmitteilungen_2026/emotionen_zeigen_macht_aerztinnen_und_aerzte_vertrauenswuerdiger/index_ger.html).

* Staeck R et al.: Physician Emotion and Self-disclosure in Serious Illness Conversations: Impact on Trust, Compassion, Professionalism and Comfort. J Gen Intern Med. 2026 Aug 4 (DOI 10.1007/s11606-026-10590-5).

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