T-Stammgedächtniszellen (TSCM) gelten seit Jahren als besonders attraktive Ausgangsbasis für CAR T-Zelltherapien: Sie erneuern sich selbst, bleiben lange im Körper erhalten und können fortlaufend neue antitumorale Effektorzellen nachliefern. Ob sich dieser theoretische Vorteil auch klinisch nutzen lässt, war bislang offen. Erste prospektive Daten deuten genau darauf hin: Ein TSCM-angereichertes CD19-CAR-T-Zellprodukt erwies sich in einer kleinen Phase-1-Studie nicht nur als gut handhabbar, sondern zeigte bereits in niedrigen Zelldosen klinische Komplettremissionen – und das ohne vorausgehende lymphodepletierende Chemotherapie.
Untersucht wurden Patienten und Patientinnen mit rezidivierten oder refraktären CD19-positiven B-Zell-Malignomen nach allogener Stammzelltransplantation – also eine Hochrisikogruppe mit sehr begrenzten Optionen. Zwei aufeinanderfolgende Kohorten erhielten entweder konventionelle allogene CD19-CAR-T-Zellen oder ein gezielt mit TSCM-Zellen angereichertes, nahezu homogenes CD8+-Produkt. Dabei fiel auf: Obwohl die TSCM-Gruppe deutlich weniger Zellen erhielt, expandierten diese nach Infusion stärker und persistierten länger im Blut. Im niedrigeren Dosisbereich wurden bei 5 von 11 TSCM-behandelten Patienten und Patientinnen komplette Remissionen beobachtet, gegenüber nur 1 von 10 in der Standardkohorte. Die ereignisfreie Überlebenszeit war in dieser kleinen Frühphase insgesamt allerdings noch nicht signifikant verlängert.
Bemerkenswert ist vor allem, dass sämtliche Infusionen ohne die sonst übliche lymphodepletierende Chemotherapie erfolgten. Dass CAR-T-Zellen unter diesen Bedingungen dennoch robust anwachsen können, stellt eine der etablierten Grundannahmen des bisherigen CAR-T-Designs zumindest teilweise infrage.
Nicht nur mehr Persistenz – sondern ein sich erneuerndes Zellreservoir
Der eigentliche wissenschaftliche Reiz der Arbeit liegt jedoch in der Langzeitbeobachtung der Zellkinetik. Konventionelle CAR-T-Zellen zeigten das bekannte Muster einer frühen Expansion mit anschließendem Abfall. Die TSCM-Produkte verhielten sich anders: Sie bauten im Patienten ein stammzellähnliches Reservoir auf, aus dem nacheinander neue aktive Zellklone hervorgingen. Die Tumorabwehr lief also nicht als einmalige Zellwelle ab, sondern in sequenziellen Nachlieferungsphasen – ein Verhalten, das die Autoren und Autorinnen mit der klonalen Regeneration hämatopoetischer Stammzellen vergleichen. Damit könnte ein zentrales Grundproblem heutiger CAR-T-Therapien adressiert werden: das vorzeitige funktionelle Ausbrennen der übertragenen Zellen.
Günstigeres Toxizitätsprofil, aber noch kein Durchbruch
Auch die Verträglichkeit war günstiger als in der Vergleichsgruppe: Schwere Zytokinfreisetzungssyndrome traten seltener auf, obwohl die TSCM-Zellen hohe Blutspiegel erreichten. Ganz nebenwirkungsfrei war die Therapie jedoch nicht. Zudem betonen die Autoren und Autorinnen selbst, dass die klinischen Schlussfolgerungen wegen kleiner Patientenzahl, heterogener Erkrankungen und fehlender Randomisierung vorerst nur explorativen Charakter haben. Das gilt umso mehr, als das Therapieversagen in einzelnen Fällen weiterhin durch Antigenverlust, immunsuppressive Zytokine oder Anti-CAR-Antikörper bestimmt wurde.
Dennoch liefern die Daten einen wichtigen Proof of Principle: Nicht jede Verbesserung von CAR-T-Zellen muss über neue Rezeptorkonstrukte erfolgen – möglicherweise entscheidet schon die Wahl eines biologisch „stammzellfähigeren“ Ausgangsmaterials darüber, wie lange die zelluläre Tumorabwehr tatsächlich durchhält.
Pressemitteilung: „CAR T-Stammgedächtniszellen erzielen in niedrigen Dosen komplette Remissionen ohne vorhergehende Chemotherapie“. Leibniz-Institut für Immuntherapie, Regensburg, 30.4.2026 (https://idw-online.de/de/news869961).
* Gattinoni L et al.: Distinct in vivo dynamics of donor-derived stem cell memory CAR T cells post-allogeneic HSCT relapse. Cell. 2026 Apr 30:S0092-8674(26)00383-1 (DOI 10.1016/j.cell.2026.03.047).