Vasomotorische Symptome (VMS) und Schlafstörungen zählen zu den häufigsten Symptomen der Wechseljahre und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Ein neuer Ansatz zur Behandlung von VMS ist Elinzanetant, ein selektiver Dual-Neurokinin-1,3(NK-1,3)-Rezeptorantagonist.
Physiologisch spielen hypothalamische Kisspeptin/Neurokinin/Dynorphin(KNDy)-Neuronen eine zentrale Rolle bei der Thermoregulation. Ein Absinken des Estrogenspiegels während und nach der Menopause führt zu einer Überaktivität dieser Neuronen, verbunden mit erhöhter Expression von Neurotransmittern wie Neurokinin B (NKB) und Substanz P (SP). Diese Hyperaktivierung wird neben einer Störung der Thermoregulation, die VMS auslösen kann, auch mit Schlafstörungen in Verbindung gebracht.
Elinzanetant zielt spezifisch auf beide NK-1- und NK-3-Rezeptoren ab. Während NK-3-Rezeptoren bereits als relevant für VMS identifiziert wurden, wird angenommen, dass NK-1-Rezeptoren und ihr Ligand SP eine Rolle bei peripherer Vasodilatation und primärer Insomnie spielen könnten. Daher wird vermutet, dass die duale Hemmung von NK-1 und NK-3 nicht nur VMS reduzieren, sondern auch einen positiven Effekt auf Menopause-bedingte Schlafstörungen haben könnte. OASIS 1 und 2 waren parallel durchgeführte, multizentrische, multinationale, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-III-Studien über 26 Wochen. Sie schlossen postmenopausale Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren ein, die moderate bis schwere VMS erlebten (mindestens 50 VMS über 7 Tage während des Screenings). Teilnehmerinnen erhielten über 12 Wochen einmal täglich oral 120 mg Elinzanetant oder Placebo. Nach Woche 12 erhielten alle Teilnehmerinnen für weitere 14 Wochen Elinzanetant 120 mg, gefolgt von einer 4-wöchigen Nachbeobachtungsphase.
Primäre Endpunkte waren die mittlere Veränderung der Frequenz und Schwere von moderaten bis schweren VMS von Studienbeginn bis Woche 4 und Woche 12. Sekundäre Endpunkte umfassten die Patient-Reported Outcomes zu Schlafstörungen (PROMIS SD SF 8b) und zur Menopause-bezogenen Lebensqualität (MENQOL). Die Erfassung der Endpunkte erfolgte mittels patientenberichteter Ergebnisse auf elektronischen Handheld-Geräten. Elinzanetant bewirkte eine statistisch signifikante Reduktion der VMS-Frequenz und -Schwere gegenüber Placebo in beiden Studien. Elinzanetant zeigte in den OASIS-Studien auch signifikante Verbesserungen bei Schlafstörungen. Die durchschnittlichen PROMIS-Scores lagen zu Studienbeginn im Bereich moderater Schlafstörungen. Nach der Behandlung mit Elinzanetant sanken die Mittelwerte in den Normalbereich. Insgesamt bestätigten die Phase-III-Studien OASIS 1 und OASIS 2, dass Elinzanetant eine wirksame und gut verträgliche nicht-hormonelle Behandlungsoption für moderate bis schwere menopausale VMS darstellt, die zudem Schlafstörungen und die menopausale Lebensqualität signifikant verbessert.
Primäres Ziel der noch laufenden NIRVANA-Studie ist es, die Wirksamkeit von Elinzanetant bei Schlafstörungen im Zusammenhang mit der Menopause objektiv mittels Polysomnografie (PSG), dem Goldstandard zur Messung von Schlafstörungen, zu untersuchen.
Frühstückssymposium „Neurokinin-Therapie unplugged – neue Evidenz von OASIS bis NIRVANA“ (Veranstalter: Jenapharm GmbH & Co. KG)