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Kongres-Ticker

Risikofaktoren

Diabetes und Adipositas

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

13.2.2026

Adipositas zählt zu den zentralen Risikofaktoren in der modernen Geburtshilfe und beeinflusst sowohl den Schwangerschaftsverlauf als auch kurz- und langfristige maternale und kindliche Outcomes erheblich. Adipositas wirkt dabei häufig nicht isoliert, sondern kumulativ mit weiteren Risikofaktoren wie höherem maternalen Alter, Diabetes mellitus und Hypertonie.

Die Geburtseinleitung stellt bei adipösen Schwangeren eine besondere Herausforderung dar, wie Prof. Dr. Markus Schmidt (Duisburg) erklärte. Adipositas ist ein unabhängiger Prädiktor für eine verlängerte Latenzphase, eine längere Geburtsdauer und eine erhöhte Rate an „failed induction“. Pathophysiologisch spielen eine verminderte myometriale Kontraktilität sowie eine reduzierte Wirksamkeit von Oxytocin eine Rolle, unter anderem vermittelt durch metabolische Faktoren wie Leptin und Cholesterin. Klinisch resultiert daraus ein erhöhter Bedarf an Oxytocin und Prostaglandinen sowie vor allem ein Bedarf an Zeit und Geduld. Die Evidenzlage zeigt bislang keine eindeutige Überlegenheit einer bestimmten Einleitungsmethode.

Über die Geburt hinaus sind die Langzeitfolgen von zentraler Bedeutung, wie PD Dr. med. Friederike Weschenfelder (Jena) zeigte. Frauen nach GDM haben ein bis zu zehnfach erhöhtes Risiko, innerhalb weniger Jahre einen manifesten Typ-2-Diabetes zu entwickeln, sowie ein etwa zweifach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko – unabhängig von einer späteren Diabetesmanifestation. Stillen, Lebensstilinterventionen und strukturierte Nachsorgeprogramme können dieses Risiko günstig beeinflussen, werden jedoch bislang unzureichend genutzt.

Die Konsequenzen für die Kinder stellte Prof. Dr. med. Eva Rieck (Neubrandenburg) vor. Neben neonataler Hypoglykämie, hypertropher Kardiomyopathie und respiratorischen Anpassungsstörungen besteht langfristig ein erhöhtes Risiko für Adipositas, metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes. Diese Zusammenhänge unterstreichen die Bedeutung der Schwangerschaft als „window of opportunity“ für Prävention. Adipositas und Diabetes in der Schwangerschaft sind damit nicht nur individuelle medizinische Herausforderungen, sondern ein relevantes Public-Health-Problem, das interdisziplinäre Versorgungskonzepte und gesundheitspolitische Maßnahmen erfordert.

Session „Adipositas & Diabetes“

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