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Kongress-Ticker

KI in der Dermatoskopie

Multimodale Daten und gezieltes Retraining senken die Zahl übersehener Melanome

Yasmin Niederstenschee

19.10.2026

Wer eine Hautveränderung beurteilt, verlässt sich selten auf ein einzelnes Foto. Auch KI-Programme zur Unterstützung der Hautkrebsdiagnostik werden treffsicherer, wenn sie mehrere Bildarten und zusätzliche Informationen gemeinsam auswerten, statt sich auf eine einzelne Quelle zu verlassen.

Wie stark sich das auswirkt, zeigte eine gemeinsame Kohorte der Universitätskliniken Bonn und Düsseldorf mit 1 110 pigmentierten Hautveränderungen von 774 Patienten, berichtete Dr. med. Simon Fietz (Bonn). Für jede Läsion lagen makroskopische und dermatoskopische Aufnahmen sowie klinische Risikofaktoren vor. Für die Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Läsionen erreichte die Kombination aus makroskopischen und dermatoskopischen Bildern eine balancierte Genauigkeit von 98,0 % (vs. 85,7 % für Makroskopie bzw. 94,7 % für Dermatoskopie allein). Bei der Unterscheidung von 12 Diagnosekategorien stieg die Genauigkeit von 58,2 auf 77 %. Auch für 382 klinisch schwer einzuordnende Grenzläsionen, darunter dünne Melanome, Melanoma in situ und zur Sicherheit entfernte, letztlich gutartige Nävi, bestätigte sich der Vorteil der Datenkombination. Die Fehleranalyse ergab einen komplementären Nutzen: Läsionen, die das Programm anhand der makroskopischen Aufnahme allein falsch einordnete, klassifizierte es in Kombination mit der dermatoskopischen Aufnahme häufiger richtig (überwiegend bösartige Fälle).

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Praxisdaten verbessern die Treffsicherheit

Dr. med. Anastasia Vollmer (Heidelberg) zeigte, wie sich ein zugelassenes Programm noch verbessern lässt. Es ordnet jedes Bild anhand eines Wahrscheinlichkeitswerts in gut- oder bösartig ein. Ab wann eine Warnung erfolgt, legt ein Schwellenwert fest. Diagnostische Fehler seien in der Dermatoonkologie nicht symmetrisch verteilt, so Vollmer. Ein falsch-positives Ergebnis bedeute im schlimmsten Fall eine unnötige Exzision, ein falsch-negatives Ergebnis in einer Hochrisikokohorte dagegen ein verpasstes kuratives Zeitfenster. Ihre Arbeitsgruppe testete das an einer Praxiskohorte von 1 981 Läsionen und 435 Personen mit einer Malignomprävalenz von 14 %. Beim werkseitig festgelegten Schwellenwert übersah das Programm 63 von 281 Melanomen, die Sensitivität lag bei 77 %. Eine reine Verschiebung des Schwellenwerts senkte die Zahl übersehener Melanome auf 28 und erhöhte die Sensitivität auf 94 %, ging aber mit einem Abfall der Spezifität auf 83 % und deutlich mehr falschen Alarmen einher.

Ergänzend wurde das Programm mit zusätzlichen, geprüften Bildern angepasst („Retraining“). Danach sank die Zahl übersehener Melanome weiter auf 16, bei zugleich weniger falschen Alarmen. Ein solches Retraining senke die übersehene Melanomrate und verbessere die Trennschärfe zwischen gut- und ­bösartig, resümierte Vollmer. Der Schwellenwert müsse aber zum jeweiligen klinischen Setting ­passen: „KI-Expertise sollte unsere klinische Erfahrung nicht ersetzen, sondern verstärken.“

Symposium „Human-AI-Interaction und multimodale Systeme für die Präzisionsonkologie“

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