Das kardiovaskulär-renometabolische Syndrom (CKM-Syndrom) stellt eine Weiterentwicklung des klassischen metabolischen Syndroms dar und trägt der wachsenden Evidenz Rechnung, dass metabolische Dysregulation, kardiovaskuläre Erkrankungen und chronische Nierenerkrankungen (CKD) pathophysiologisch eng miteinander verknüpft sind. Aufbauend auf dem von Reaven 1988 beschriebenen „Syndrome X“ wurde das Konzept 2023 unter Einbeziehung der Niere systematisch neu definiert.
Im Unterschied zum metabolischen Syndrom, das primär Insulinresistenz, Dyslipidämie, Hypertonie und Glucosestörungen adressiert, integriert das CKM-Syndrom die renale Dimension explizit in ein stadienbasiertes Kontinuum. Die aktuelle Definition unterscheidet 5 Stadien (0–4), die von metabolischer Gesundheit über Prädiabetes und manifesten Diabetes mellitus bis hin zu subklinischer bzw. klinisch manifester kardiovaskulärer Erkrankung und fortgeschrittener CKD reichen. Insbesondere in den Stadien 3 und 4 ist ein disproportionaler Anstieg der kardiovaskulären Morbidität, der Gesamtmortalität sowie des Risikos für terminales Nierenversagen zu beobachten.
Die zentrale Rolle der Niere als Prognosemarker ist seit Langem belegt. Bereits Daten aus der NHANES- und NEJM-Analyse zeigten eine inverse, nahezu exponentielle Beziehung zwischen geschätzter glomerulärer Filtrationsrate (eGFR) und kardiovaskulärer Mortalität. Eine Abnahme der eGFR < 60 ml/min/
1,73 m² geht mit einem signifikanten Risikoanstieg einher, unabhängig von klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren. Das CKM-Konzept macht diese Zusammenhänge erstmals systematisch sichtbar.
Trotz klarer konzeptioneller Vorteile bestehen Herausforderungen für die klinische Umsetzung, insbesondere aufgrund der Komplexität der Stadieneinteilung und logistischer Hürden bei der routinemäßigen Erfassung renaler Marker wie Albumin-Kreatinin-Ratio. Diese sollten aber in absehbarer Zeit lösbar sein.
Vortrag Prof. Dr. med. Walter Zidek (Berlin)